Baby-Boom und tiefrote Zahlen

Das Klinikum Duisburg hat sich zum Krankenhaus mit den meisten Geburten in der Stadt gemausert. Im Vorjahr erblickten 1506 Babys das Licht der Welt, darunter 140 Zwillingsbabys und eine Drillingsgeburt. Insgesamt sind das 125 mehr Geburten als im Jahr zuvor, 2012 hatte das Klinikum erstmals die Marke von 1000 Geburten im Jahr überschritten. „Dass wir in 2014 die höchste Geburtenzahl in der Geschichte des Klinikums erreichen konnten, erfüllt uns mit besonderem Stolz für das entgegengebrachte Vertrauen und bestätigt unser Engagement“, sagt Prof. Dr. Markus Schmidt, Chefarzt der Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

Investitionen aus nackter Not

Das Perinatalzentrum verfügt über das höchste Versorgungslevel und ist eines der führenden Zentren in NRW. Jetzt soll der Bereich weiter ausgebaut werden: Wie aus dem neuen Wirtschaftsplan hervorgeht, plant das Klinikum in diesem Jahr den Bau eines vierten Kreißsaals. Der sei „dringend erforderlich“, um die stark gestiegenen Geburtszahlen zu bewältigen, heißt es.

Überhaupt wird 2015 das Jahr der Investitionen am Klinikum. 11,6 Millionen Euro will Stephan Puke, der siebte Sana-Geschäftsführer innerhalb von sieben Jahren, in das Krankenhaus am Kalkweg stecken. Allerdings mehr aus der nackten Not heraus als aus einer gewollten Modernisierungsoffensive: Fast 4,9 Millionen Euro verschlingen Sanierungen, die das Klinikum aufgrund baulicher Ordnungsverfügungen durchführen muss, um den Krankenhausbetrieb sicherzustellen. Weitere 3,3 Millionen Euro fließen in die Medizintechnik, um den Investitionsstau abzubauen. Und auch in den kommenden drei Jahren ist das Klinikum zu Investitionen zwischen 9 und 10 Mio Euro pro Jahr gezwungen.

Dennoch wird der zuletzt auf 120 Mio Euro bezifferte Sanierungsstau immens bleiben. Was weiterhin ausbleibt, ist der große Wurf, wie zum Beispiel der seit Jahren geplante Neubau auf dem Nachbargelände: Zwar gehört dem Klinikum bereits das Areal mit der ehemaligen Jugendherberge, doch die nutzt die Stadt bis 2016 als Notunterkunft für Flüchtlinge. Doch auch bis 2018 spielt der Neubau in den Planzahlen keine Rolle.

Hintergrund dürfte das Tauziehen um die Zukunft zwischen den beiden Eigentümern sein: Die Stadt ist mit 51 Prozent Mehrheitseigentümer, der private Sana-Konzern hält 49 Prozent. Richtig investieren will Sana nur im Gegenzug für weitere Anteile, die Stadt hat für umfassende Sanierungen kein Geld und liebäugelt stattdessen mit dem Einstieg der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) ins Klinikum. Fortschritte bei den Verhandlungen gibt es aber nicht.

Und so bleibt das Klinikum weiter in den roten Zahlen stecken: Stolze fünf Millionen Euro Miese sollen dieses Jahr unter dem Strich stehen — ein Rekordverlust, der sich in den beiden kommenden Jahren jeweils wieder halbieren soll. Zwar steigen die Umsätze und Patientenzahlen, gleichzeitig aber auch die Personal- und Sanierungskosten. Zwischen 2012 und 2017 soll der Gesamtverlust bei 13,3 Mio Euro liegen.

Neun Mio Euro: aus Plus wird Minus

Gewinne sind für das Krankenhaus laut Wirtschaftsplan frühestens 2018 wieder in Sicht. Doch die hatten auch die vorangegangenen Wirtschaftspläne immer wieder versprochen — bevor die Planzahlen von der Wirklichkeit eingeholt wurden. Noch vor einem halben Jahr sagte die Sana-Geschäftsführung Gewinne für das laufende und die beiden Folgejahre von insgesamt 9 Mio Euro voraus. Jetzt rechnet die Klinikleitung zwar mit etwa der gleichen Summe, allerdings steht diesmal ein Minus davor.