Azubis: Mögen Personalchefs keine Migranten?

Laut einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung stellen nur 15 Prozent aller Ausbildungsbetriebe in Deutschland Lehrlinge mit Migrationshintergrund ein. Das trifft aber nach Angaben der Handwerkskammer, der IHK, des Unternehmerverbandes und befragter Firmen in Duisburg nicht entfernt zu. Stattdessen ist die Zahl – auch wegen des Migrantenanteils – viel höher.

Zwar gibt es keine Daten, wie viele Unternehmen genau in der Stadt Auszubildende mit einer Zuwanderergeschichte beschäftigen, doch: „Rund 40 Prozent aller Ausbildungsverträge sind bei unseren Betrieben mit Menschen mit Migrationshintergrund abgeschlossen worden“, sagt Alexander Konrad, Sprecher der Handwerkskammer Düsseldorf, zu der auch Duisburg gehört. Kaum ein Betrieb könne mehr ohne Azubis mit ausländischen Wurzeln auskommen.

Dem stimmt Gabriele vom Ende, Ausbildungsleiterin bei den Hüttenwerken HKM, zu. Auch dort haben 40 Prozent der rund 160 Lehrlinge eine Zuwanderungsgeschichte. „Bei uns arbeitet eine bunte Mischung aus allen Ländern“, sagt sie. Und: „Es ist gerade bei uns im Ruhrgebiet mit einer Jahrhunderte langen Zuwanderungstradition nicht vorstellbar, dass Unternehmen nach Nationalität einstellen.“

Ähnlich wie bei HKM ist die Quote bei der Bäckerei Bolten. „Bei uns sind 37 Azubis beschäftigt, 16 haben einen Migrationshintergrund“, sagt Tim Schenkel-Bolten von der Geschäftsleitung. „Wir schauen nur, ob der Bewerber zu uns passt.“ So äußert sich auch Thyssen-Krupp: „Thyssen-Krupp Steel Europe bildet zurzeit fast 1500 junge Menschen aus, rund 850 davon in Duisburg. Die Auszubildenden verteilen sich auf 15 verschiedene Nationalitäten. Alle Weltreligionen sind vertreten“, meint Volker Grigo, Leiter des Talentmanagements. Und: „Migrationshintergründe sind für uns dabei nicht von besonderem Interesse und werden auch nicht separat erfasst. Uns kommt es darauf an, dass die jungen Mitarbeiter zu unserem Unternehmen und zu unseren Werten passen.“

Matthias Heidmeier, Sprecher des Unternehmerverbandes, sieht ebenfalls keine „diskriminierenden Aspekte“ bei der Auswahl von Azubis in der Stadt. Doch: „Die Rückmeldungen, die wir bekommen, zeigen, dass das Niveau der Bewerber für Ausbildungsstellen sinkt.“ So würden viele Qualifizierte lieber studieren. „Leider sind auch Kinder mit Migrationshintergrund häufig Bildungsverlierer, viele Betriebe können solche Defizite der Bewerber aber kaum auffangen“, sagt Heidmeier und fügt hinzu: „Das kann man sich in Zeiten drohenden Fachkräftemangels nicht erlauben.“

Özlem Erdogan, Ausbildungsmanagerin Migration bei der IHK Niederrhein, verweist in diesem Zusammenhang auf das „Duisburger Schulmodell“ der IHK, bei dem Berater in die zehnten Klassen von Schulen gehen und die Schüler beim Bewerbungsverfahren helfen. „Wir unterstützen auch die Betriebe bei der Suche nach Bewerbern. Es gibt viele Beispiele, wo Unternehmen Azubis mit Migrationshintergrund genommen haben, die sonst nicht in die Auswahl gekommen wären“, meint sie.