Awo - Lage der Duisburger Schuldner ist noch schlimmer

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Duisburg.. Fast 17 Prozent der Duisburger, das wären rund 70 000 Menschen, gelten als überschuldet. Das hat die jüngste Studie des Wirtschaftsauskunftei Creditreform festgestellt, die am Dienstag veröffentlicht wurde (wir berichteten). Denen zu helfen, die schon lange mit ihren Einkünften ihre Ausgaben nicht mehr bestreiten können, ist der Job von Dirk Franke. Er ist Schuldnerberater der Awo im Büro an der Kopernikusstraße in Marxloh. Für ihn spiegelt die Statistik nur einen Teil der gesellschaftlichen Wahrheit. „Die tatsächliche Lage ist noch viel schlimmer“, sagt Franke.

„Zu jedem Hauhalt gehören im Durchschnitt noch zwei weitere Personen“, erinnert der Schuldnerberater. Auch Ehepartner, Lebensgefährten und Kinder sind gleichermaßen betroffen von der persönlichen Finanzkatastrophe. Im Mittel, sagt Franke, drückt seine Klienten ein Schuldenberg in Höhe von 40 000 Euro. Rund 1200 Menschen hat die Awo allein in Marxloh und in ihrem Büro am Laarer Markt beraten.

Wer für die Statistiker als überschuldet gilt, weist sogenannte „harte Negativmerkmale für nachhaltige Zahlungsstörungen“ auf. Das mindestens zwei, meistens mehr vergebliche Mahnverfahren verschiedener Gläubiger und unstrittige Inkassofälle.

Wie können so hohe Rückstände auflaufen? „Viele kommen leider erst zur Beratung, wenn gar nichts mehr geht“, bedauert Dirk Franke. Das sei der Fall, wenn die Stadtwerke den Strom abklemmen und die Wasserversorgung einstellen, der Vermieter die Kündigung der Wohnung zugestellt hat. Die Schuldnerberater sehen sich dann immer wieder in einer „Feuerwehr-Funktion“. Meistens gelinge es zumindest, die Lage der Betroffenen zu stabilisieren, berichtet Franke. „In der Regel können wir die Wohnung retten.“

Ziel: langfristige Entschuldung

Das eigentliche Ziel – eine langfristige Entschuldung – sei da aber zumeist schon weit entfernt. Besser, die Menschen nähmen professionelle Hilfe schon dann in Anspruch, wenn sie bemerken, dass sich die Schere zwischen Einkünften und Ausgaben öffnet. Franke: „Wenn das Girokonto dauernd überzogen ist, dann gilt das als sicheres Alarmsignal.“ Das gelte auch für Arbeitslosigkeit – sie bleibt Hauptursache für Überschuldung. „Wer sich schon beraten lässt, wenn der Jobverlust droht und eine gründliche Haushaltsanalyse macht, kann wirksam vorbeugen“, empfiehlt er.

Neben Trennung und Scheidung, so eine weitere Erfahrung aus 20 Jahren Praxis, sei wirtschaftliche Unerfahrenheit immer öfter ein Grund für das Fiasko, berichtet Franke. „Wie Girokonto oder Ratenkredit funktioniert, lernen Jugendliche in der Schule nicht.“