Autorin forschte den Lebensgeschichten von KZ-Opfern nach

Drei Jahre lang forschte die Autorin Imke Müller-Hellmann Namen hinterher, die sie auf einem Gedenktafel gelesen hatte.
Drei Jahre lang forschte die Autorin Imke Müller-Hellmann Namen hinterher, die sie auf einem Gedenktafel gelesen hatte.
Foto: Privat
Was wir bereits wissen
Imke Müller-Hellmann entdeckte auf einer Gedenktafel 188 Namen von Opfern im KZ Engelhafe in Ostfriesland. Am Donnerstagabend liest sie im Café Glück in Duisburg aus ihrem Buch.

Duisburg.. Es war ein Spaziergang mit ihrer Großmutter, der Imke Müller-Hellmann eine Menge Arbeit einbrachte. Die beiden waren in Ostfriesland unterwegs und besuchten den Friedhof Engerhafe. Dort fiel der Autorin eine Gedenktafel ins Auge: 188 Namen von Menschen waren darauf verewigt, die in einem nahe gelegenen Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme starben. „Meine Oma war 27, als dieses Außenlager 1944 dort eingerichtet wurde“, sagt Müller-Hellmann. „Innerhalb von drei Monaten sind mitten im Dorf 188 Menschen ums Leben gekommen“, aber viel habe man in der Familie nicht darüber gesprochen. Imke Müller-Hellmann wollte mehr erfahren. Sie forschte den Namen drei Jahre lang hinterher, schrieb Lebensgeschichten auf und veröffentlichte ihre Arbeit in einem Buch. Das stellt sie am Donnerstagabend im Café Glück vor.

Namen als Recherche-Ausgangspunkt

„Ich habe mich dafür interessiert, was das für Männer waren, die da umgekommen sind“, erklärt die Autorin. „Meine Großmutter hat erzählt, wie sie die KZ-Insassen zum ersten Mal gesehen hat. Aber sie hielt es nicht aus, als ich diese Namen vorgelesen habe.“ Allein diese Namen waren der Ausgangspunkt für Müller-Hellmanns Recherche. 2010 entstand der erste Kontakt zur Enkelin eines der Opfer. Im Laufe der Jahre konnte sie elf Familien in sieben Ländern besuchen und die Lebensgeschichten der Männer im KZ nachzeichnen. „Ich habe Kurzgeschichten über diese Begegnungen geschrieben. Das mache ich immer, wenn mich etwas bewegt.“

Auch die Lebensgeschichte der Großmutter hat in dem Buch einen Platz gefunden. „Denn das ist für mich die Klammer, da begegnen sich meine Familie und die NS-Zeit in der Geschichte.“ Und eine Begegnung gab es dann doch noch: Müller-Hellmann reiste mit der Enkelin eines Opfers nach Ostfriesland, sie besuchten gemeinsam auch die Großmutter. „Da hat meine Oma dann ausführlich erzählt von ihren Erinnerungen.“ Mehr darüber erfährt man am Donnerstagabend im Café Glück.

Imke Müller-Hellmann: Verschwunden in Deutschland.
Lesung im Café Glück, Obermauerstraße 39, Donnerstag, 15. Januar, 20 Uhr. Eintritt frei.