Aus Wuhan nach Duisburg

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Eigentlich sollte sie schon den fünften Geburtstag des Konfuzius-Instituts Metropole Ruhr im März in Duisburg mit feiern. Doch weil sich die Erteilung des Visums durch die deutsche Botschaft verzögerte, hat sie ihn um wenige Tage verpasst. Prof. Dr. Liu Liang, die neue Co-Direktorin des Instituts, stammt ebenso wie ihr Vorgänger, Prof. Xu Kuanhua, aus der Partnerstadt Wuhan.

Der sitzt buchstäblich auf gepackten Koffern, die gemeinsamen Wochen nutzen beide für die Übergabe. „Freizeit habe ich deshalb bisher eigentlich nicht gehabt“, sagt Liu Liang – nach Feierabend richtet sie die Wohnung ein, die sie mit Hilfe von Geschäftsführerin Susanne Löhr unweit vom Arbeitsplatz im Neudorfer Tectrum an der Oststraße bezogen hat.

Mit der 41-Jährigen Linguistin stößt eine Fachfrau für Sprachvermittlung zum Konfuzius-Institut. Zur Lehre von Deutsch als Fremdsprache hat sie an der Universität Trier promoviert. „Die Sprache habe ich schon an der Mittelschule gelernt“, berichtet sie in geschliffenem Deutsch. Ihre Mutter sei maßgeblich gewesen für die Entscheidung, die Schule mit fremdsprachlichem Schwerpunkt zu wählen, sagt Liu Liang. Grund war wohl die Kooperation der medizinischen Hochschule in Wuhan mit Deutschland, die es damals schon gab. Die sprachbegabte Tochter war einverstanden: „Ich war stolz, eine Fremdsprache zu lernen, die nicht alle konnten.“

Nach dem Studium in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre blieb die junge Germanistin drei Jahre als Lehrkraft für deutsche Sprache an der Universität ihrer Heimatstadt Wuhan, wechselte dann als Friedrich-Ebert-Stipendiatin zunächst als Gaststudentin, später als Doktorandin an die Universität Trier und blieb bis 2010. Als Lehrkraft für Sinologie vermittelte sie ihre Muttersprache, betreute zudem im Auftrag der Stadt Trier ein Projekt mit China für Raum- und Entwicklungsplanung. Dann ging’s zurück nach Wuhan: Bis zum Ruf ans Konfuzius-Institut unterrichtete sie dort Deutsch an der Hochschule.

„Ich hänge emotional sehr an Deutschland“, betont sie, „und möchte regelmäßig hier sein, damit ich die Sprache nicht verlerne.“ Trotz aller Möglichkeiten moderner Technik: „Den Aufenthalt im Land ersetzt das nicht.“

Für ihre Arbeit gibt es schon Ziele. „Die Kollegen haben gute Grundlagen geschaffen. Ich möchte dazu beitragen, das Konfuzius-Institut als Plattform für den Austausch zwischen Deutschen und den zahlreichen chinesischen Studenten in Duisburg auszubauen.“

Und Duisburg? Als Industriestadt ein Gegenentwurf zu Trier, sagt Liu Liang. Aber: „Mir war es dort zu ruhig. Ich bin sicher, dass es mir hier gefallen wird.“ Wermutstropfen bleibt die Trennung von ihrem Ehemann. Der musste just aus Trier nach Wuhan zurückkehren, als für Liu Liang die Entscheidung für Duisburg gefallen war.