Aus einer anderen Dimension
27.10.2008 | 12:56 Uhr 2008-10-27T12:56:00+0100Der Meister-Pianist Arcadi Volodos eröffnete in der Mercatorhalle die Reihe der Kammerkonzerte.
Wie soll man eine Kritik schreiben, wenn das Herz nur voll Freude ist? Aber die beste Musik ist ja die, die zu Herzen geht. In dem Kammerkonzert mit Arcadi Volodos blieb fast nichts zu wünschen übrig. Schon die ersten Takte der Schubert Sonate in G-Dur D894 lockten mit pulsierenden Pianissimo-Akkorden hinein in den musikalischen Sog, der sich bis zur letzten Sekunde fortsetzen sollte. Vor allem der erste Satz besticht durch seine Einfachheit mit innigen Kantilenen. Volodos spielte beseelt und dynamisch sehr differenziert. Die Pianissimi im Trio des dritten Satzes schienen aus einer anderen Dimension zu kommen. Durch alle harmonischen Wendungen und Wiederholungen der Themen hindurch den Spannungsbogen zu schlagen, darauf verstand er sich hervorragend. Maurice Ravels „Valses nobles et sentimentales” knüpfen zwar im Titel an Schuberts gleichnamige Walzersammlungen an, führen aber in eine impressionistisch flirrende Klangwelt. Volodos spielte mit traumhafter Sicherheit und äußerster Klarheit, wenn auch etwas zu erdverbunden. Eine luftig irreale Stimmung setzte sich nur im letzten Walzer durch. Die Dante-Sonate von Franz Liszt ist programmatisch an die Schilderung des Inferno aus der Göttlichen Komödie angelehnt. Sie beginnt mit dem sogenannten Teufelsintervall, mit wuchtig absteigenden Tritonus-Akkorden, die treppengleich in die Hölle hinab führen. Auch das entgegengesetzte „Himmelsthema” gelang ihm, ohne zu verkitschen. Dass Volodos über eine geradezu unbegreifliche Technik verfügt, ist bereits eine Binsenweisheit. Was ihn aber zu weitaus mehr als einem Übervirtuosen macht, sind seine fesselnde musikalische Gestaltung und seine höchste Anschlagskultur, die jedem Ton ein großes Maß an Farbe und Schönheit verleiht. Fünf Zugaben schenkte er dem begeisterten Duisburger Publikum: „Der See” von Mompou und eigene Bearbeitungen von Rachmaninows Cello-Sonate, der Moszkowsky Etüde op.72,6, Carmen-Variationen und dem Largo aus op.3,11 von Vivaldi.

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