Auf dem Rad unterwegs mit den Duisburger "Pony Riders"

Tagesgeschäft: Die Ponyriders erledigen auch Einkäufe, gerade für ältere Kunden.
Tagesgeschäft: Die Ponyriders erledigen auch Einkäufe, gerade für ältere Kunden.
Foto: Ute Gabriel
Was wir bereits wissen
Umzüge, Lieferdienst, Einkaufshelfer: Kai Edel ist für den Radkurierdienst Pony Riders täglich auf Duisburgs Straßen unterwegs. Wir sind mitgefahren.

Duisburg.. Okay, eins ist klar: Eine gemütliche Radtour wird das nicht. Der Sattel des Rennrads ist ungewohnt hart, die Sitzhaltung darauf – nun ja, sportlicher als gedacht. Sportlich ist auch das Tempo, das Kai Edel vorgibt. Waschsalons, Tankstellen und indische Imbissbuden fliegen vorbei, während er selbst auf einem schwarzen, langgezogenen Lastenrad, das eher stylish als praktisch aussieht, durch Duisburgs Innenstadt flitzt. Unser Ziel: Der nächste Supermarkt.

Die zwei 25 Kilo schweren Sonnenschirmständer, die Edel wenig später mit bunt tätowierten Händen auf den selbstgebauten Gepäckträger seines Gefährts hievt, braucht er nicht für den eigenen Balkon. Als „Pony Riders“ sind der 38-Jährige und seine fünf radbegeisterten Kollegen täglich im Auftrag ihrer Kunden auf Duisburgs Straßen, manchmal auch in Mülheim, Essen oder Oberhausen unterwegs.

Wie im wilden Westen

Da sind diese Einkaufsfahrten „vor allem für ältere Herrschaften“, erzählt Edel. „Oft haben die Kinder keine Zeit, das für ihre Eltern zu erledigen. Die Leute sind dann sehr dankbar für unser Angebot.“ Aber auch Postfachleerungen, Medikamentenlieferungen oder Essensbestellungen, Kurierfahrten für Agenturen und Dentallabors, ab und an Umzugstransporte gehören zum Service des Duisburger Fahrradkurierdienstes. „Wir wollen keine Postboten sein, sondern Kuriere, die direkt von A nach B fahren. Und das schnell, flexibel, zuverlässig und immer freundlich“ – so die Philosophie der Pony Riders.

Eben genau wie der „Pony Express“, der vor 150 Jahren – damals natürlich zu Pferde – die ersten Expresslieferungen von der Ost- zur Westküste der USA brachte – für die Kuriere von damals ein Ritt durch die Prärie, Dürre und Einsamkeit, Wilder Westen eben. Und Freiheit. „Genau dieses Freiheitsgefühl gehört für uns dazu“, sagt Edel. Nicht zu vergessen: „die harte Arbeit dahinter.“ Und jede Menge Herzblut. Reich wird man mit zehn Euro pro Fahrt im Schnitt wohl nicht.

In dem kleinen, schmucklosen Büro im ersten Stock des Altbaus an der Mülheimer Straße macht Hendrik Richter gerade Pause von der Frühschicht. Morgens um acht geht die los, dann sind die Fahrer auch für Anrufe von Kunden erreichbar. „Bei Anruf Kurier“, ist der Leitspruch, Warteschleifen gibt es bei den Pony Riders nicht. Dafür Muskelkraft statt Spritverbrauch.

Vor drei Jahren sei er noch „ein unglücklicher Bankangestellter“ gewesen, erzählt Richter. Die coolen Jungs mit ihren Rädern und kurzen Hosen auf den Straßen hätten ihn daran erinnert, dass er auch mal gerne Fahrrad gefahren sei. Daraus ist ein Vollzeitjob geworden. Der 43-Jährige nennt es Berufung. „Duisburg ist eine totale Autostadt. Aber das Fahrrad gewinnt in vielen Großstädten immer mehr an Bedeutung.“ Da sei ein Fahrradkurierdienst die logische Konsequenz: „Das ist einfach zeitgemäß und modern“, findet Richter. Und: „In der Innenstadt sind wir mit dem Rad konkurrenzlos schnell.“

Vielleicht sitzt Kollege Kai Edel ja deshalb mit so viel Selbstbewusstsein im Sattel. Vielleicht aber auch, weil der Duisburger als Radkurier in Sydney und New York schon ganz anderen Verkehr kennengelernt hat. Es dauert keine fünf Minuten, da verlassen wir den Radweg und fahren mitten auf der Straße. Aha, so schnell wird man also zum Hassobjekt von Autofahrern. „Duisburg ist nicht unbedingt fahrradfreundlich“, hat Hendrik Richter uns mit auf den Weg gegeben. „Das fängt beim Autofahrer an.“

Radwege sind was für Fußgänger

Die meisten gucken komisch. Wenn man die Straße mit Radfahrern teilen muss, wird’s eng. „Aber Radwege werden, wenn es sie gibt, oft von Fußgängern blockiert“, begründet Kai Edel. Auch bei der orangeroten Ampel wird mal ein Auge zugedrückt. Übrigens: Eine Fußbremse gibt’s am Rennrad nicht. Wo war die am Lenkrad noch mal?

Das nächste Ziel ist der Bioshop, Auftraggeber ein Imbiss mit vegetarischer und veganer Speisekarte. Nach dem Einkauf stopft Kai Edel tütenweise Sonnenblumenkerne in den Rucksack. Zurück auf dem Rad wird der schnell schwer und bringt ungeübte Fahrer aus dem Gleichgewicht. Wieso sieht das bei diesem Pony Rider nur so leicht aus? Na ja, wer sonst Sofas, Kommoden oder auch schon mal eine Hantelbank durch die Gegend fährt, für den ist so ein Rucksack voller Sonnenblumenkerne wohl kein Problem...

Zwischen 40 und 50 Aufträge fahren die Pony Riders zu zweit oder dritt an einem Tag, erzählt Edel. „Da kommen pro Person schon so 60 bis 80 Kilometer zusammen.“ Wenn richtig viel zu tun ist, macht Edel auch mal 120 Kilometer auf dem Rad – das ist ungefähr so weit wie die Strecke von Duisburg-Mitte in die Kölner Innenstadt. Und wieder zurück.

„An stressigen Tagen habe ich gelernt, die Reihenfolge der Aufträge wie Puzzleteile zusammenzusetzen, das macht mir Spaß“, sagt Edel und tritt zum Endspurt noch mal richtig in die Pedale. Einen besseren Job kann er sich gerade sowieso nicht vorstellen. „Schon gar nicht jetzt, wo der Sommer kommt...“

Mehr Infos zu den Pony Riders und den Lieferzeiten des Fahrradkurierdienstes gibt es unter www.ponyriders.de oder unter der Telefonnummer 0203/92 86 00 35.