Auch Mäuse schlüpfen ins Jenseits
29.09.2011 | 18:26 Uhr 2011-09-29T18:26:00+0200
Duisburg. Die Kunst Ägyptens in der Sammlung DKM ist ab 30. September bis zum 9. April im Ausstellungshaus an der Güntherstraße 13-15 zu sehen.
Das Leben nach dem Tod war bei den Ägyptern nicht den Menschen vorbehalten. Sogar Spitzmäuse wurden fürs Jenseits mumifiziert. Der Sarg für eine Spitzmaus aus Kupfer gehört zu den entzückendsten Stücken der Ausstellung „Die Kunst Ägyptens in der Sammlung DKM“, die bis zum 9. April im Ausstellungshaus an der Güntherstraße 13-15 zu sehen ist. Tatsächlich steht die Mäusefigur auf dem Deckel eines länglichen Kästchens, das während der Ptolemäerzeit eine mumifizierte Maus barg. Das Tier symbolisierte die „Nachtseite“ eines Gottes.
Ebenso überraschend ist der Sarkophag einer Ente – das Holzgefäß barg einen bereits ausgenommenen und gerupften Vogel, der dem Toten als Vorrat mit ins Grab gegeben wurde.
Aber auch die Gesichtsmaske einer menschlichen Mumie gehört zu den beeindruckenden Stücken der Sammlung von Dieter Krämer und Klaus Maas, die erstmals so umfangreich präsentiert wird. Haben die Sammler doch 25 Stücke als Dauerleihgaben dem Antikenmuseum Basel überlassen, dem einzigen Museum in der Schweiz, das ausschließlich der Antike gewidmet ist. Es wurde von privaten Sammlern wie Irene und Peter Ludwig bestückt und zeigt zudem Dauerleihgaben aus dem British Museum in London. Den Duisburgern verdankt es auch ägyptologische Fachliteratur.
Alle 55 Stücke der Sammlung sind in Duisburg also nur während des nächsten halben Jahres zu sehen. Abseits des Touristenrummels im – zweifellos tief beeindruckenden – Land am Nil kann man an der Güntherstraße Kunst aus allen Epochen der Hochkultur seit dem 4. Jahrtausend vor Christus bis zur Zeitenwende in aller Ruhe genießen und dabei Feinheiten entdecken, die sich erst auf den zweiten Blick erschließen.
Krämer und Maas haben ihre Sammlung nicht nach wissenschaftlichen Kriterien zusammen getragen, sondern als Augenmenschen nach ihrem Geschmack. Einen Schwerpunkt bilden Gefäße, deren Material oder Farbe ihre schlichte Schönheit ausmachen: von winzigen Bechern für Schminke aus Stein bis hin zu zylindrischen, beutelförmigen oder wie Amphoren geformten Ton-Gefäßen.
Dazu kommen Reliefs mit Hieroglyphen, Figuren aus Holz wie die eines Rindes oder der Sarg eines Ibis aus Holz und Kupfer, die in ihrer Reduziertheit sehr modern wirken. Der Göttliche Apis-Stier aus Bronze, der eine Schabracke und zwischen den Hörnern eine Sonnenscheibe und eine Schlange trägt, wirkt stattlich. Auf der majestätischen, feinen Statuette des Gottes Osiris glänzen noch Reste des Blattgoldes, mit dem sie einst überzogen worden war. Der Herrscher des Totenreichs trägt eine prächtige Krone.
Auch das spektakulärste (weil seltene) Exponat hat mit dem Tod zu tun: Es handelt sich um ein mehr als 4000 Jahres altes Ritualmesser aus Kalkstein mit einem Fischschwanz; es diente dazu, den Mund von Verstorbenen vor der Mumifizierung zu öffnen.

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