Auch knapp über dem Satz ist knapp
09.02.2010 | 18:23 Uhr 2010-02-09T18:23:00+0100Während sich Familien, die von Hartz IV leben, auf mehr Geld für ihre Kinder freuen können, stehen jene Familien, die nur knapp über allen Sätzen liegen, frustriert daneben.
Wie Familie M., die ihren Namen hier nicht lesen möchte. Er ist Kaufmann, sie Bürokraft, gemeinsam haben sie einen Sohn (11) und Zwillinge (3). Ein kleines Reihenmittelhaus nennen sie ihr eigen. Ohne den 400-Euro-Job der Mutter würde die Familie nicht auskommen, der Vater verdient 2800 € brutto. Da bleiben nach Abzug aller Verbindlichkeiten rund 900 € zum Leben. Die Anziehsachen für die Kinder sind „gebraucht, geliehen, geschenkt oder vom Trödel”, zählt die Mutter auf. Was gut erhalten ist, verkauft sie selbst bei Ebay oder auf dem Trödel weiter. Geburtstagsgeschenke werden als Schnäppchen besorgt - „einen Schreibtisch habe ich für einen Euro ersteigert, den muss ich nur noch umlackieren”, freut sich das Familienoberhaupt.
Die Musikschule würde 26 Euro im Monat pro Kind kosten. Zu teuer. Der Sohn verzichtet freiwillig auf das Eis beim Italiener. „Die Kugel kostet 80 Cent, anderthalb Liter im Supermarkt 1,90 €”, rechnet der Junge vor. Er weiß, dass seine Mutter schon seit dem Herbst für seine Klassenfahrt im Frühling spart, nur nach Speiseplan einkauft, um sich nicht verlocken zu lassen.
„Ich vermisse nichts, will nur mein Auskommen haben, aber mich ärgert, wenn andere noch mehr fordern”, beschreibt die Mutter ihre Gefühle. Und manchmal schäme sie sich auch, als arbeitender Mensch nicht mehr zur Verfügung zu haben. Ihre Angstgegner: ein Defekt an der Heizung, eine Autoreparatur. Kranke Kinder, die sie zwingen, daheim zu bleiben, statt arbeiten zu gehen. Ihr Ziel: ein paar Tage zelten fahren. Ihr Lebensmotto: Man muss was tun, wenn man was haben will. Und der Sohn fragt, warum Hartzler nicht wenigstens ehrenamtlich arbeiten.

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