Auch für Duisburger gibt es beim Fasten im Ramadan Ausnahmen

Fastenbrechen an der Ditib-Markez-Moschee in Duisburg-Marxloh.
Fastenbrechen an der Ditib-Markez-Moschee in Duisburg-Marxloh.
Foto: Michael Dahlke/Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Auch Duisburger Muslime verzichten im Ramadan zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf Speisen und Getränke. Es gibt aber auch Ausnahmen.

Duisburg.. In heißen Tagen, wie zuletzt mit Temperaturen an die 40 Grad, raten Mediziner vor allem eines: trinken, trinken, trinken. Bei 30 Grad im Schatten auf Wasser zu verzichten, ist für die meisten Menschen undenkbar – für Muslime aber noch bis 16. Juli Pflicht. Im Ramadan dürfen die Gläubigen von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang weder Mahlzeiten noch Flüssigkeiten zu sich nehmen. Wie halten sie das bloß aus?

„Zugegeben, es ist nicht einfach bei der Hitze“, verrät Hülya Ceylan. „Aber man nimmt es als Gottes Gebot an und zieht es durch, auch wenn es schwerfällt.“ Als Sozialpädagogin arbeitet die 36-Jährige in der Begegnungsstätte der Ditib-Merkez-Moschee in Marxloh. Dort führt sie regelmäßig Besucher durch die Moschee und hält Vorträge. Das sei mit trockenem Mund nicht immer angenehm. „Daher versuche ich im Ramadan die Arbeit etwas zu reduzieren.“ Auch wenn es bei der Hitze ab und zu Kreislaufprobleme gebe, laufe ihr Alltag normal weiter: „Klar vermisse ich morgens meinen Kaffee auf der Arbeit, aber nach ein paar Tagen hat sich der Körper daran gewöhnt.“

"So lässt sich ein Sommertag gut überstehen"

Trotz der Entbehrungen empfinde sie den Ramadan als eine „sehr schöne Zeit mit einer tollen Atmosphäre“. Beinah täglich treffe sie sich mit Freunden und Familie, um gegen 22 Uhr gemeinsam das Fasten zu brechen. „Man wird eingeladen und feiert, jeder bringt was zu essen mit.“ Gibt es denn Ausnahmen vom Gebot? „Ja“, erklärt Hülya Ceylan. „Etwa für Schwangere oder Menschen, die regelmäßig Medikamente nehmen müssen.“ Sie können die Fastentage nachholen oder durch eine Spende Gutes tun.

So praktiziere es auch der Vater von Melih Keser. Der Grünenpolitiker und Bezirksvertreter in Meiderich/Beeck verzichtet tagsüber ebenfalls aufs Essen und Trinken. Und erklärt: „Da mein Vater Diabetiker ist, soll er nicht fasten, daher spendet er Geld, etwa für Flüchtlinge in Syrien und Bedürftige im Osten der Türkei.“ Auch seine Frau habe in der Schwangerschaft sowie in der Stillzeit nicht gefastet. „Auch sie spendet Geld“, so der 29-Jährige.

Nach Sonnenuntergang drei Liter Wasser trinken

Wenn Keser einmal einen Tag im Ramadan nicht fasten kann, „etwa wenn ich einen Zahnarzttermin habe“, hole er den verlorenen Tag nach. „Meistens im Winter, dann fällt es nicht so schwer.“ Um an warmen Tagen nicht zu dehydrieren, trinke er nach Sonnenuntergang drei Liter Wasser und esse ausreichend.

Sein Arbeitgeber genehmige muslimischen Mitarbeitern während der Fastentage früher Feierabend zu machen, das Büro sei klimatisiert. „So lässt sich ein Sommertag gut überstehen.“ Während der Hitze der vergangenen Tage ist Keser zu einer weiteren Erkenntnis erlangt, die ihn motiviere durchzuhalten: „Es gibt so viele arme Menschen in heißen Ländern, die monatelang hungern müssen – da ist der eigene Hunger schnell vergessen.“