Das aktuelle Wetter Duisburg 19°C
Landesarchiv

Archiv-Koloss in Duisburg steht auf 500 Pfeilern

29.10.2012 | 18:28 Uhr
Archiv-Koloss in Duisburg steht auf 500 Pfeilern
So sah das völlig entkernte Speichergebäude aus, bevor die Zwischendecken eingezogen wurden.Foto: krischerfotografie

Duisburg. Schwer wird die Geschichte des Landes auf seinem neuen Archiv in Duisburg lasten . Besser: auf dem Baugrund am Innenhafen nahe am Wasser. Detailliert präsentierte der Bauherr BLB am Montag unter anderem die aufwendigen Fundamentarbeiten für den Koloss am Schwanentor. Sie tragen beträchtlich zum buchstäblich gewichtigen Kostenanstieg für das Landesarchiv bei.

19 000 Tonnen Beton und Archivmaterial muss das Fundament des 77 Meter hohen Betonturmes tragen können. Das ist zu viel für den Boden, auf dem das Speichergebäude aus den 30er Jahren steht. Mit anschaulichem Bildmaterial erklärten die Projektleiter des BLB mit einer Fotogalerie die umfangreichen Gründungsarbeiten zu Beginn der Bauarbeiten Mitte 2010.

Besondere statische Anforderungen

Auch verlangt ein Archivgebäude , ein so großes zumal, besondere statische Anforderungen. So dürfen die Geschossebenen später unter Last nur eine minimale Neigungstoleranz von einem Zentimeter aufweisen, weil sich sonst die tonnenschweren Regalwände nicht mehr verschieben lassen.

Innenstadt
Das Landesarchiv in Duisburg nimmt Gestalt an

Der knapp 200 Millionen Euro teure Neubau des Landesarchivs am denkmalgeschützten RWSG-Speicher im Duisburger Innenhafen geht seiner Fertigstellung entgegen. Der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb hat jetzt erstmals die Pläne zum skandalträchtigen Projekt bekannt gemacht.

Im Landesarchiv NRW

Der Landesrechnungshof hatte in seinem Bericht mehrfach die unrealistischen Kostenkalkulationen und hohen Kosten für die „Bestandsertüchtigung“ gerügt und in Frage gestellt, ob ein altes Speicher-Denkmal überhaupt die richtig Standort-Wahl sei. „Man habe Aufwand und Kosten zunächst so nicht abschätzen können“, erklärte BLB-Niederlassungsleiter Lövenich.

Flutung des gesamten Fundaments

Wie auch immer: Der BLB brauchte festen Grund unter dem Archiv. Also wurde für das Speichergebäude im einstigen Keller eine zweieinhalb Meter dicke Betonplatte gegossen. 504 Betonpfähle reichen 14 Meter tief ins instabile Erdreich. Über fünf Stockwerke verstärken 18 vierbeinige Pfeiler die alten Speicher-Stützen und 300 Bohrpfähle gründen die Stahlbetonbodenplatte des 160 Meter langen Anbaus entlang des Hafenbeckens. Kosten und Zeitverzug verursachte die Flutung des kompletten Fundamentes 2010, als Hochwasser drohte, die Bodenplatte anzuheben.

Bautechnisch ungewöhnlich ist auch das aufgesetzte Giebeldach des Turmes. Es besteht aus speziellen Hohlziegeln, die auf Alurohre aufgefädelt wurden. Was von unten wie ein dichtes Dach aussieht, hat Lüftungsschlitze und verbirgt die Klima- und Lüftungsanlagen.

Luftschleusen sorgen für geregeltes Klima

Auch die sind ebenso hoch spezialisiert wie kostenträchtig: Die Dokumente benötigen ein besonderes Archivklima: Das liegt bei konstant 16 ° und einer Luftfeuchtigkeit von 50 %. Ständig muss die Luft in den Archivbereichen ausgetauscht werden, halten Luftschleusen die Werte konstant. Nach Fertigstellung dauert es Monate, bis das Archiv seine richtig temperierten Räume bestücken kann.

 

Oliver Schmeer

Facebook
 
Kommentare
01.11.2012
03:12
Archiv-Koloss in bester Hochwasserlage
von maria40 | #7

hier wird etwas gebaut was fast so unsinnig ist wie ein Atomkraftwerk im Erdbebengebiet
allein die Wahl eines solchen Standortes ist für mich nur durch Korruption erklärbar

30.10.2012
16:03
Archiv-Koloss in Duisburg steht auf 500 Pfeilern
von Duisburger9999 | #6

Das ist mal wieder typisch für eine Verwaltung, die ein bestimmtes Projekt durchsetzen will.
Erst günstig "kalkulieren" unter bewusster Ausklammerung der eigentlich erkennbaren Risikofaktoren und dann, wenn die tatsächlichen Erfordernisse benannt werden, sich von diesen "überraschen" lassen. Eigentlich sollte jeder, der am Niederrhein große Bauwerke plant, wissen, dass der Untergrund zum Teil bis in große Tiefen aus Sedimenten und nicht aus gewachsenem Fels besteht.
Ein sinnvollerer Bauplatz, der auch verfügbar gewesen wäre, wäre in Duisburg mit Sicherheit schwierig zu finden gewesen sein.

30.10.2012
11:01
Archiv-Koloss in Duisburg steht auf 500 Pfeilern
von ExWalsumer | #5

Eigentlich hätte man so ein Gebäude neubauen müssen und nciht ein altes umbauen und der Standort ist auch nicht unbedingt intelligent gewählt. Aber wenn man woanders eine freie Fläche genommen hätte, hätten andere sich nicht so gut daran bereichern können.

30.10.2012
10:41
Archiv-Koloss in Duisburg steht auf 500 Pfeilern
von RennYuppieRenn | #4

Eine Toplandmarke, so ein fensterloser Riesenbunker.

30.10.2012
10:10
Archiv-Koloss in Duisburg steht auf 500 Pfeilern
von Malakostraka | #3

Ich war die Tage in Hamburg und habe die Baustelle zur Elbphilharmonie angesehen.
Ein tolles Leuchtturmprojekt - gut, dass wir in NRW auch bald so eine moderne Location besitzen werden.

1 Antwort
@ Malakostraka - die Elbphilharmonie ist ein leuchtendes Projekt...
von JoachimMutz | #3-1

...der Turm des Landesarchivs hat dagegen eher nur "erleuchtende" Wirkungen;

Diese Erleuchtungen will die Politik in Wahrheit aber nicht wissen - bekanntlich startet man den Untersuchungsausschuss darüber nicht neu..!

Zu Ihrer "Location" darf ich anmerken, dass das Archiv tatsächlich zur Landmarke (oder Wassermarke) werden kann;

Wenn trotz Statik die Lasten zur Überschreitung der gerade mal EINEN Zentimeter betragenden Neigungstoleranz führen - schließen die tonnenschweren Türen...!

...diese Bautechnik erinnert an die Meister in der Geschichte.. - dann hätten wir DIE Landmarke...

Pyramide in DU?



30.10.2012
08:41
Damit er nicht wegschwimmt, steht der Archiv- Koloss auf 500 Pfeilern
von DerBotevomNiederrhein | #2

Eine optimale Standortentscheidung!

Im Kapitel 6 / Seite 22 hätte man nützliche Hinweise finden können:

http://www.lanuv.nrw.de/wasser/hochwasserfibel.pdf

30.10.2012
08:34
Archiv- Koloss steht auf 500 Pfeilern
von JoachimMutz | #1

"Wer ist denn schon der Landesrechnungshof?"

Hauptsache ist doch - man bewegt Erde (Kaufverträge), schafft Umsatz (Materialien) und sorgt vor allem für Arbeit...

Da ja der Steuerzahler letzten Endes eh für Alles aufkommen muss - ist es offenbar legal egal... - eben weil die Frage der Verantwortung UND Haftung nicht richtig geregelt ist!

"Schürmann-Bau Bonn - Stadtarchiv Köln - Landes..." - Gott bewahre uns ...!

Wie sähe es mit unseren Staatsfinanzen aus, wenn
...der Staat das viele Geld, was er eigentlich nicht hat, aber für die Dinge ausgegeben hat, die er eigentlich nicht braucht - lieber für die so notwendigen, dringend benötigten Dinge wie z.B. der Verbesserung aller Infrastruktur ausgegeben hätte...?

"Zeit kostet Geld!" - und so beschleunigt Politik lieber Verfahren - "ohne richtig zu prüfen" und stellt halt später fest "Man habe Aufwand und Kosten zunächst so nicht abschätzen können"...

Ein Schelm, der Böses dabei denkt..? - Die Rechnungsprüfer müssen eher ins Boot!





Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/7242779/create

Delfinarium schließen?
Die Grünen im Bundestag wollen die Haltung von Delfinen in Deutschland verbieten lassen ( zum Artikel ). Unter den Zoo-Vertretern und Tierschützern, die das Bundesministerium zur Überarbeitung des

Die Grünen im Bundestag wollen die Haltung von Delfinen in Deutschland verbieten lassen (zum Artikel ). Unter den Zoo-Vertretern und Tierschützern, die das Bundesministerium zur Überarbeitung des "Säugetiergutachtens" eingeladen hatte, war auch die Delfinhaltung ein Streitthema (zum Artikel ). Das Delfinarium Duisburg ist aber ein Publikumsmagnet. Was denken Sie?

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Fotos und Videos
MSV gewinnt 3:2
Bildgalerie
Fußball
Friemersheim feiert
Bildgalerie
Volksfest
Jahreshauptversammlung
Bildgalerie
Fußball
Aus dem Ressort
Zwei Verletzte nach Messerattacke in Duisburg
Duisburg
Der Täter fuhr im Auto vor und attackierte eine Gruppe junger Leute. Er türmte, konnte aber nach einem Autounfall in Gelsenkirchen festgenommen werden. Die Hintergründe seiner Attacke sind noch unklar.
Neues Gewerbe soll sich am Güterbahnhof Hamborn ansiedeln
Wirtschaft
Auf dem 60000 Quadratmeter großen Gelände, das bislang nur zu einem Viertel von Gewerbetreibenden genutzt wird, sollen sich neue Unternehmen ansiedeln.