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Architektur

Architekt hält "Gläsernen Hut" für Duisburger Bahnhofsplatte nicht realisierbar

14.11.2012 | 10:00 Uhr
Der „Gläserne Hut“, der früher über der Stadtautobahn thronte, hat viele Fans in Duisburg – vor allem seit es auf der Bahnhofsplatte nicht vorangeht.Foto: Rolf Preuß

Duisburg.  Eine Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook will den "Gläsernen Hut" wiederhaben. Das gläserne Rondell mit Gastronomie und Lädchen, das von 1956 bis 1981 an der Duisburger Mercatorstraße stand, war einst ein Wahrzeichen der Stadt. Doch allen Wünschen zum Trotz: So wie damals wäre der Bau heute nicht mehr möglich.

„Wir wollen den Gläsernen Hut wiederhaben“, schallt es durch die virtuelle Welt der Online-Netzwerke – auf Facebook zum Beispiel –, seitdem die Planung für die Bahnhofsplatte in der Duisburger Innenstadt von vorne beginnt. Für die Jüngeren: Der Gläserne Hut, das war für 25 Jahre, von 1956 bis 1981, so was wie das Wahrzeichen Duisburgs: ein gläsernes Rondell mit Gastronomie und Lädchen, an der Mercatorstraße gelegen, mit Exklusivblick auf die Stadtautobahn (A 59).

Karlheinz Schauenburg amüsierte es, als er jüngst las, dass er, der Architekt des Gläsernen Hutes, noch lebe – als ob das sensationell sei. 84 ist er mittlerweile zwar, lebt in Speldorf, in Steinwurfnähe zur Stadtgrenze und erfreut sich bester Gesundheit. Der Gläserne Hut war damals sein vielleicht zweiter oder dritter Auftrag als junger, selbstständiger Architekt in Duisburg. Gerade mal 27 Jahre alt war er und zog mit dem Auftrag ein Traumlos. „Das war ein Lebenserlebnis, den Gläsernen Hut bauen zu dürfen“, sagt er heute noch. Und hält doch nichts davon, das dereinst hoch gelobte Rondell als Kopie wieder zu errichten. Alles hat seine Zeit. So reagierte er schon, als der Abriss 1981 erfolgte: „Man muss sich irgendwann von seinem Kindern trennen können“, sagte er 2006, zum 50-Jahr-Gedenken an „seinen“ Hut. Bauen würde er ihn heute allerdings so wie damals.

Gebaut 1956, abgerissen 1981

Karlheinz Schauenburg, der Architekt des Gläsernen Hutes. Foto: Stephan Glagla

1956: Der Gläserne Hut, der im Auftrag der Verkehrsbetriebe damals als DVG -Pavillon gedacht war, war fraglos ein Kind seiner Zeit. Ein modernes Kind aus Glas und Stahl zwischen Wirtschaftswunder und Nierentisch, mit gewagter Architektur und statischer Raffinesse. Und einem gehörigen Schuss „Bauhaus“, also der Gestaltungswelt der 20er und 30er Jahre zwischen Avantgarde und Moderne, die in ihrem ganzheitlichen Anspruch nicht nur Gebäude entwarf, sondern Gebrauchsgegenstände vom Küchenlöffel bis zum Sitzmöbeln.

Gläserner Hut
Pralles Leben von der schummrigen Kajütte bis zum sonnigen Bellevue
Pralles Leben von der schummrigen Kajütte bis zum sonnigen...

Ob in der schummrigen Kajütte mit Aquarium und Steuerrad und einem Seilhandlauf vom Ruhrorter Schiffshandel oder an der Theke in der (Hut-)„Krempe“ im Erdgeschoss mit eiförmiger Theke und Schwinghockern oder im gläsernen „Bellevue“ mit der Sonnenschirm-beschirmten Terrasse und seinen 100 Sitzplätzen: Der Gläserne Hut war viele Jahre der beliebte City-Treff zum Ausgehen.

Dort traf man sich, zischte ein Pils zum „Lumpensalat“ oder Tartarbrötchen für einsfünfzich oder speiste à la carte unterm drehenden Stern. Mit Blick auf den rauschenden Verkehr der Nord-Süd-Achse – Duisburg die Großstadt. Gar mit dem legendären Café Kranzler in Berlin wurde der Hut verglichen, farbige Postkarten zeigten das Wahrzeichen. Als „frech, farbenfroh und trotzdem charmant“ lobte die Gastronomie-Fachwelt das ungewöhnliche Rondell aus Duisburg.

Zum Ende wurde es ein einsamer Hut

Mit dem damaligen Pächter Fritz Mindermann, der auch das Bahnhofshotel führte, stand ein gewiefter Wirt an der Theke, erinnert sich Schauenburg. Duisburgs Oberbürgermeister August Seeling ließ es sich nicht nehmen, zur feierlichen Eröffnung zu kommen. Die Reihe der folgenden Partys und Veranstaltungen war lang, der Hut wurde zum gesellschaftlichen Treff der Stadt. Zum Ende hin, auch das ist Geschichte, wurde es einsamer im den Hut, standen die Geschäfte leer, verlor der Hut auch seine Bedeutung als Pavillon der DVG . (-er)

Schauenburg blieb dieser im Studium in Stuttgart aufgesogenen Formsprache treu: Er entwarf nicht nur den Hut als Hülle, sondern hatte auch bei der Innenarchitektur den Hut auf, er zeichnete Mobiliar und Theke, ließ das 18 Meter lange Büfett nach seinen Plänen bauen und kreierte nebenbei auch den Schriftzug „Gläserner Hut“ mit dem keck schrägen Sektglas nebst Hut, versteht sich. Speisekarten, Kaffeetassen, Servietten, Löffel zierte der Name im 50er Jahre-Look.

„Kajütte“, die Bar im Keller

Allen Wünschen zum Trotz: Der Gläserne Hut könnte so gar nicht mehr (nach-)gebaut werden. Denn er krönte dereinst zur Fertigstellung der Stadtautobahn einen der Widerlager der Brücke über die Trasse, passte sich eben dem Betonrund an. Schauenburg ließ Bullaugen hineinschneiden, fertig war die „Kajütte“, die Bar im Keller.

Kommentar
Der Gläserne Hut, ein Kind seiner Zeit

Der Gläserne Hut war das markante Zeichen aus Glas und Stahl für den Aufbruch damals. Wirtschaftswunder Duisburg unter dem Mercedes-Stern. Und darunter raste der Großstadtverkehr über die neue Stadtautobahn. Man traf sich zum Bier, sonnte sich auf der Bellevue-Terrasse. Der Gläserne Hut war einer der pulsierenden Gastronomie-Treffs, die wir heute in der Innenstadt so schmerzlich vermissen. Zur Wahrheit gehört aber auch: In den Jahren vor dem Abriss waren die goldenen Zeiten vorbei.


Stünde der Gläserne Hut heute noch, wäre er vielleicht ein vernageltes Relikt vergangener Zeiten mit zerschlagenen Scheiben. Er war das Kind seiner Zeit. Als das sollte er auch in guter Erinnerung bleiben – allen Wiederaufbau-Wünschen zum Trotz.

Wie falsch man mit übereifrigen Baugelüsten liegen kann, zeigt der sperrige, völlig deplatzierte Klotz der ehemaligen Stadt-Info vor dem Averdunk-Center. Wer nun den Bahnhofsvorplatz planen und beleben will, der überlege gut, was er tut.

Aus einer alten Rheinbrücke in Hochfeld ließ es zwei mächtige Stahlträger in die Innenstadt wuchten und betonierte sie aufrecht ein. Daran wurden die ausladenden Kragplatten gesetzt. Stahlskelett und Glas an den Rand platziert und fertig war der Gläserne Hut, auf dem sich der Stuttgarter Stern drehte. Stattliche 3000 Mark im Monat ließ sich Mercedes die markante Werbung kosten. Und schon damals war vertraglich fixiert: Nach 25 Jahren kommt der Abriss für den vorausgeplanten Ausbau der „Nord-Süd-Achse“.

Heute ist ein Deckel auf der Autobahn. Statt des dreidimensionalen Raums mit Tiefe ist da nun nur noch (triste) Fläche, lehrt Schauenburg sein geschultes Auge. So grün und so kommunikativ wie möglich sollte der Platz sein, rät er den Planern. Und tunlichst nicht verbaut – auch nicht mit einem Gläsernen Hut.

Duisburgs Gläserner Hut
Bilder aus 114 Jahren Stadtgeschichte in...

Oliver Schmeer


Kommentare
07.04.2013
21:03
Architekt hält
von katercarlo | #2

Mit Geburtsjahr 1950 durfte ich den "Gläsernen Hut" noch mitertleben. Ein gepflegtes Pils im Erdgeschoss und vorzügliche Speisen im Obergeschoss. Erstklassiges Publikum und vorbildliche "Kneipenkultur". Mit dem Abriss erfolgte auch der Niedergang Duisburgs.

14.11.2012
23:43
Architekt hält
von astor97 | #1

ach...was waren das noch Zeiten... da hatte Duisburg noch Charme... smile.. schönen Tsg noch....

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