Architekt hält "Gläsernen Hut" für Duisburger Bahnhofsplatte nicht realisierbar

Der „Gläserne Hut“, der früher über der Stadtautobahn thronte, hat viele Fans in Duisburg – vor allem seit es auf der Bahnhofsplatte nicht vorangeht.
Der „Gläserne Hut“, der früher über der Stadtautobahn thronte, hat viele Fans in Duisburg – vor allem seit es auf der Bahnhofsplatte nicht vorangeht.
Foto: waz
Was wir bereits wissen
Eine Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook will den "Gläsernen Hut" wiederhaben. Das gläserne Rondell mit Gastronomie und Lädchen, das von 1956 bis 1981 an der Duisburger Mercatorstraße stand, war einst ein Wahrzeichen der Stadt. Doch allen Wünschen zum Trotz: So wie damals wäre der Bau heute nicht mehr möglich.

Duisburg.. „Wir wollen den Gläsernen Hut wiederhaben“, schallt es durch die virtuelle Welt der Online-Netzwerke – auf Facebook zum Beispiel –, seitdem die Planung für die Bahnhofsplatte in der Duisburger Innenstadt von vorne beginnt. Für die Jüngeren: Der Gläserne Hut, das war für 25 Jahre, von 1956 bis 1981, so was wie das Wahrzeichen Duisburgs: ein gläsernes Rondell mit Gastronomie und Lädchen, an der Mercatorstraße gelegen, mit Exklusivblick auf die Stadtautobahn (A 59).

Karlheinz Schauenburg amüsierte es, als er jüngst las, dass er, der Architekt des Gläsernen Hutes, noch lebe – als ob das sensationell sei. 84 ist er mittlerweile zwar, lebt in Speldorf, in Steinwurfnähe zur Stadtgrenze und erfreut sich bester Gesundheit. Der Gläserne Hut war damals sein vielleicht zweiter oder dritter Auftrag als junger, selbstständiger Architekt in Duisburg. Gerade mal 27 Jahre alt war er und zog mit dem Auftrag ein Traumlos. „Das war ein Lebenserlebnis, den Gläsernen Hut bauen zu dürfen“, sagt er heute noch. Und hält doch nichts davon, das dereinst hoch gelobte Rondell als Kopie wieder zu errichten. Alles hat seine Zeit. So reagierte er schon, als der Abriss 1981 erfolgte: „Man muss sich irgendwann von seinem Kindern trennen können“, sagte er 2006, zum 50-Jahr-Gedenken an „seinen“ Hut. Bauen würde er ihn heute allerdings so wie damals.

Gebaut 1956, abgerissen 1981

Related content 1956: Der Gläserne Hut, der im Auftrag der Verkehrsbetriebe damals als DVG-Pavillon gedacht war, war fraglos ein Kind seiner Zeit. Ein modernes Kind aus Glas und Stahl zwischen Wirtschaftswunder und Nierentisch, mit gewagter Architektur und statischer Raffinesse. Und einem gehörigen Schuss „Bauhaus“, also der Gestaltungswelt der 20er und 30er Jahre zwischen Avantgarde und Moderne, die in ihrem ganzheitlichen Anspruch nicht nur Gebäude entwarf, sondern Gebrauchsgegenstände vom Küchenlöffel bis zum Sitzmöbeln.

Schauenburg blieb dieser im Studium in Stuttgart aufgesogenen Formsprache treu: Er entwarf nicht nur den Hut als Hülle, sondern hatte auch bei der Innenarchitektur den Hut auf, er zeichnete Mobiliar und Theke, ließ das 18 Meter lange Büfett nach seinen Plänen bauen und kreierte nebenbei auch den Schriftzug „Gläserner Hut“ mit dem keck schrägen Sektglas nebst Hut, versteht sich. Speisekarten, Kaffeetassen, Servietten, Löffel zierte der Name im 50er Jahre-Look.

„Kajütte“, die Bar im Keller

Allen Wünschen zum Trotz: Der Gläserne Hut könnte so gar nicht mehr (nach-)gebaut werden. Denn er krönte dereinst zur Fertigstellung der Stadtautobahn einen der Widerlager der Brücke über die Trasse, passte sich eben dem Betonrund an. Schauenburg ließ Bullaugen hineinschneiden, fertig war die „Kajütte“, die Bar im Keller.

Aus einer alten Rheinbrücke in Hochfeld ließ es zwei mächtige Stahlträger in die Innenstadt wuchten und betonierte sie aufrecht ein. Daran wurden die ausladenden Kragplatten gesetzt. Stahlskelett und Glas an den Rand platziert und fertig war der Gläserne Hut, auf dem sich der Stuttgarter Stern drehte. Stattliche 3000 Mark im Monat ließ sich Mercedes die markante Werbung kosten. Und schon damals war vertraglich fixiert: Nach 25 Jahren kommt der Abriss für den vorausgeplanten Ausbau der „Nord-Süd-Achse“.

Heute ist ein Deckel auf der Autobahn. Statt des dreidimensionalen Raums mit Tiefe ist da nun nur noch (triste) Fläche, lehrt Schauenburg sein geschultes Auge. So grün und so kommunikativ wie möglich sollte der Platz sein, rät er den Planern. Und tunlichst nicht verbaut – auch nicht mit einem Gläsernen Hut.