Arbeitsamt in Duisburgs City unerwünscht

Das in den 50er Jahren für das Arbeitsamt errichtete Gebäude am Duissernplatz.
Das in den 50er Jahren für das Arbeitsamt errichtete Gebäude am Duissernplatz.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
In den 50er Jahren gab es Streit um neuen Standort der im Kriege ausgebombten Arbeitsverwaltung. Die Landeszentralbank sah Risiken für die Geldtransporte.

Duisburg.. Stadt und Arbeitsamt im heftigen Streit – so war’s in den 50er Jahren, als für das im Krieg zerstörte Gebäude der Arbeitsverwaltung ein neuer Standort gesucht wurde.

Citynah sollte dieser sein und ein Provisorium beenden. Nachdem Bomben das frühere Arbeitsamt an der Ruhrorter Straße zum Trümmerhausen gemacht hatten, behalf sich die Behörde mit angemieteten, aber unzureichenden Räumen am Sonnenwall. Daher präsentierte die Leitung des Arbeitsamtes im Juni 1953 Überlegungen zu einem Neubau an der Düsseldorfer Straße. Das Arbeitsamt sei eine Dienststelle mit starkem Publikumsverkehr, die saisonal und konjunkturell hohen Schwankungen unterliege. Das ins Auge gefasste unbebaute Grundstück war aus Sicht des Arbeitsamtes optimal und befand sich zwischen Düsseldorfer Straße und Heuserstraße (heute Kaufhof). Das Grundstück gehörte der Stadt. Doch der Plan des Arbeitsamtes, an dieser Stelle das neue Gebäude zu errichten, sollte sich so nicht erfüllen.

Widerstand gegen abseitige Lage

Denn die Zukunft des wertvollen Grundstücks, das aus Sicht der Stadt für neue Impulse im aufziehenden Wirtschaftswunder sorgen sollte, war damals von völlig anderen Interessenlagen bestimmt. Flugs präsentierte die Stadt dem Arbeitsamt eine Alternative: ein Grundstück am Duissernplatz, an der damals schon geplanten Einmündung der Wintgenstraße. Diese Option lehnte das Arbeitsamt wegen der abseitigen Lage ab. Die internen Diskussionen über den Neubau zogen sich in die Länge. Die Stadtverwaltung schob mehrere Argumente nach, die gegen den Neubau in Citylage sprachen: Die Düsseldorfer Straße sei für die hohe Frequenz von Pkw und Fahrrädern zu eng, die Bürgersteige zu schmal. Zum anderen wurde das neue städtebauliche Konzept mit aufgelockerter Verkehrsführung angeführt, die keine Behördenballung in der City vorsah.

Hinter den Kulissen formierten sich zudem die Gegner des City-Arbeitsamtes und wandten sich per Telegramm an den Verwaltungsausschuss des Arbeitsamtes: Die Landeszentralbank an der Düsseldorfer Straße (später „Brauhaus Schacht 4/8“) lehnte den Arbeitsamtsneubau auf dem gegenüberliegenden Grundstück ab und wies auf „Risiken für die Geldtransporte“ hin. In einem weiteren Schreiben legte der Duisburger Polizeichef dar, „dass die Errichtung eines Arbeitsamtes an der Düsseldorfer Straße sowohl verkehrspolizeilich als auch aus sicherheitspolitischen Gründen“ unerwünscht sei. Geschäftsleute befürchteten Wertminderungen und der Inhaber des Deli-Theaters erhob ebenfalls Einspruch gegen das Arbeitsamt.

Damalige Arbeitsamtchef

Der damalige Arbeitsamtschef verwahrte sich zwar insbesondere gegen das Schreiben der Landeszentralbank, es „stemple Arbeitslose und Arbeitssuchende zu Menschen zweiter Klasse“ ab. Letztendlich siegte bei der Grundstücksvergabe durch die Arbeitsverwaltung die wirtschaftliche Vernunft. Die sprach eindeutig für den Duissernplatz. Dort lag der Grundstückspreis bei 43.000 DM – ein Schnäppchen im Vergleich zum teuren Filetstück in der City. Der Umzug zum Duissernplatz erfolgte 1956. Und bald darauf entstand an der Düsseldorfer Straße das Kaufhaus Merkur, aus dem später erst Horten, dann Kaufhof wurde.