Apotheken-Sterben in Duisburg nach Gerichtsurteil befürchtet

Der Europäische Gerichtshof hat die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente gekippt.
Der Europäische Gerichtshof hat die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente gekippt.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Dr. Christoph Herrmann, Sprecher der Duisburger Apotheken, ist über das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Preisbindung schockiert.

Duisburg.. Schockierend nannte der Sprecher der Duisburger Apotheker das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), die Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente in Deutschland für rechtswidrig zu erklären. Für Dr. Christoph Herrmann sind dadurch bis zu 20 Prozent der hiesigen mehr als 100 Apotheken in ihrer Existenz bedroht. „Umsatz und Arbeitsplätze werden ans Ausland verloren gehen“, so der Sprecher, der selbst zwei Apotheken im Duisburger Süden betreibt.

Fall vor Europäischem Gerichtshof

Anlass für die Entscheidung des EuGH war eine Kooperation, die die Selbsthilfeorganisation Deutsche Parkinson Vereinigung mit der niederländischen Versandapotheke „DocMorris“ eingegangen war. Die Mitglieder konnten von der Apotheke Boni für rezeptpflichtige Parkinson-Medikamente bekommen. Laut der deutschen Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs verstieß das aber gegen die in Deutschland gesetzlich vorgeschriebene Festlegung eines einheitlichen Apothekenabgabepreises. In erster Instanz hatte die Wettbewerbszentrale mit ihrer Klage Erfolg. Der Fall landete dann vor dem EuGH.

EU-Recht „Wir Apotheker“, sagt Christoph Herrmann, „müssen nun einerseits weiterhin verschreibungspflichtige Medikamente zu festen Preisen einkaufen, uns anderseits aber beim Verkauf überlegen, ob wir uns Preiskampf überhaupt stellen können.“ Vor allem für die kleineren Apotheken werde dies äußerst schwierig. „Mit ihnen würden dann auch Service und Zuwendung vor Ort verschwinden und die Wege für die Kunden noch weiter.“

Er möchte sich nicht ausmalen, wenn als Folge des Urteils die Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente in Deutschland generell abgeschafft würde. „Seltene Arzneimittel werden dann ganz sicher nicht billiger, sondern teurer“, sagt der Apotheker-Sprecher. „Wir haben jetzt schon Lieferengpässe bei zwei bis drei Prozent der verschreibungspflichtigen Medikamente.