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Ermittlungen

Anwalt fordert Untersuchungsausschuss zur Duisburger Loveparade

21.05.2013 | 18:27 Uhr
Thomas Feltes, Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie an der Ruhr-Universität Bochum, vertritt eine Opferfamilie.Foto: Ralf Rottmann

Duisburg.  Der Anwalt der Opfer der Duisburger Loveparade Thomas Feltes befürchtet, dass es nie zu einer Anklage im Rahmen der Katastrophe von vor drei Jahren kommen wird. Denn ein Strafverfahren diene nicht dazu die Ereignisse vollständig aufzuklären, so der Jurist. Er fordert einen Untersuchungsausschuss, um den Hergang unabhängig aufzuklären.

Fast drei Jahre nach dem Loveparade-Unglück befürchtet Opferanwalt und Kriminoligie-Professor Thomas Feltes, dass es nie zu einer Anklage kommen wird , da eine komplexe Ereigniskette die Beweisführung besonders schwierig machen.

„Die Staatsanwaltschaft wird nur dann Anklage erheben, wenn sie mit 99-prozentiger Sicherheit mit einer Verurteilung rechnet“, sagte Feltes der Nachrichtenagentur dpa. Zudem warnt Feltes im Gespräch mit der WAZ davor, sich zu viel von einem Prozess zu versprechen. „Ein Strafverfahren ist, wie dies gerade auch beim NSU-Prozess diskutiert wird, nicht dazu da, Ereignisse und die politischen Verantwortlichkeiten vollständig aufzuklären, sondern in einem Strafverfahren geht es um die individuelle, strafrechtlich relevante Schuld.“

Staatsanwaltschaft arbeitet mit Hochdruck an der Aufklärung

Aus der Einstellung eines Verfahrens könne man deshalb nicht automatisch schließen, dass alles korrekt gelaufen sei. Generell gehe es den Opfern um die Aufklärung, was bei der Vorbereitung der Loveparade schief gelaufen sei. „Die Bestrafung ist da eher nachrangig“, betont Feltes.

Video
Vor zwei Jahren geschah das Unglück auf der Loveparade in Dusiburg. Auch heute noch spürt man am Unglücksort die tiefe Betroffenheit und Trauer der Betroffenen und Bürger.

Unter den Opfern war eine Studentin der Uni Bochum, deshalb hat sich Feltes der Sache angenommen. Er fordert, dass nach Abschluss der Ermittlungen, vom Landtag doch ein Untersuchungsausschuss eingesetzt wird, um den Hergang der Loveparade unabhängig aufzuklären.

Staatsanwalt Michael Schwarz und seine Kollegen arbeiten indes mit Hochdruck an einer Aufklärung des Unglücks. „Allerdings können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, wann und mit welchem Ergebnis unsere Arbeit abgeschlossen ist.“

Von einem nahenden Jahrestag lassen sich seine Kollegen nicht beeinflussen – ebenso wenig von Mutmaßungen, dass vielleicht gar keine Anklage erhoben werden könnte.

Die zentralen Akteure der Loveparade

Fabienne Piepiora



Kommentare
22.05.2013
18:36
Anwalt fordert Untersuchungsausschuss zur Duisburger Loveparade
von xxyz | #4

Wenn man das Verhalten der Verantwortlichen , die Profiteure und die Ermittlungen betrachtet, kann man das Vertrauen in Staat und Politik verlieren.

Schlimmer geht es nicht.

Viele Teilnehmer , Opfer und Angehörige erwarten Ergebnisse.

Ein Untersuchungsausschuss könnte vielleicht helfen

22.05.2013
09:48
Loveparade-Opferanwalt fordert Untersuchungsausschuss
von Zentrum | #3

Wenn Betreuer/innen im Kontext mit Kinder- oder Jugendgruppen z. B. im Rahmen einer Ferienfreizeit eingesetzt werden sollen, dann sind Geeignetheit sowie ein erweitertes Führungszeugnis zwingend vorgeschrieben. Wenn da mal was passiert, wird ermittelt, bis die Schwarte kracht.

Noch exzessiver wird bei den Tagesmüttern hingeschaut...Fluchttüren u.s.w.

Wenn Entscheider in der 13. größten Stadt Deutschlands ein Megaevent mit ..um die eine Million meist ortsunkundigen und aufgekratzten peoples aus Nah und Fern planen, dann braucht es nur irgendwelche Leute, die der Liebe Gott sowieso ernährt.

Wenn dann noch solche habilitierten Koniferen anfangen, die Erwartungen i. S. Schuld/Verantwortung dieser Megafolgenreichen Fehlplanungen runterzufahren, dann kann man sich sicher sein, dass wir im Zeitalter der Lobbykratie / Zuschauerdemokratie angekommen sind.

Oben....werden keine Fehler gemacht. Basta.

Glückauf

3 Antworten
#3: "Oben....werden keine Fehler gemacht. Basta."
von wattearvolt | #3-1

...und diese nicht gemachten Fehler werden noch durch ein Gefälligkeitsgutachten untermauert, welches mehr als 700.000 Euro teuer war !! Aus welchem Topf wurde dieser Betrag noch gleich entnommen ? Aus dem Fonds für die Opfer der Loveparade. Die wahren Opfer sitzen bzw. saßen in Wirklichkeit eben doch im Rathaus :-(

Gottlob dürfen wir in diesem Rechtsstaat leben.... - Leben wir im Rechtsstaat !
von JoachimMutz | #3-2

Allerdings befremden einen viele, viele "Ungereimtheiten"...

Überlange Verfahrensdauern, "Verschrobene" Darstellungen, Intransparenz...

"Die Revolution frisst ihre Kinder - aus Gauleitertum wenig gelernt? - der Rechtsstaat fährt sich selbst an die Wand..." - solange der Bürger "es sich gefallen lässt...?"

Vieles müsste und KÖNNTE richtiger laufen...!

....Haftungsgesetz für Politiker... - Anstand, Verantwortung, Vertrauen... ?

Verbessern wir, setzen wir uns für den Rechtsstaat ein !

Zentrum | #3
von keepcalm | #3-3

"Oben....werden keine Fehler gemacht." (Ironie aus, denke ich)
OBEN wurden die Fehler gemacht. Jeder wache Duisburger weiß es, die Polizei weiß es, die Stadtverwaltung weiß es besser als jeder andere, die Staatsanwaltschaft müsste es inzwischen besser wissen als der Rest der Stadt. Hoffen wir, dass sie genug Mumm haben, die Schuldigen endlich anzuklagen, auch wenn sie nie etwas unterschrieben haben.... Hoffen wir, dass Rabe und Dressler Klartext reden werden um ihren eigenen Hintern zu retten.

21.05.2013
22:11
Loveparade-Opferanwalt fordert Untersuchungsausschuss
von keepcalm | #2

Xtra-News hat den Hintergrund des Herrn Feltes näher beleuchtet. Er ist kein keineswegs Strafrecht- noch sonstiger Jura-Profi, sondern lediglich Uni-Theoretiker. Eine 99-%-ige Sicherheit der Staatsanwaltschaft ist nicht erforderlich. Es reicht eine 51%-ige Sicherheit und die sollte bei einem oder mehreren der 15/16 Beklagten locker zu Stande kommen. Es wurden Genehmigungen erteilt, die nie hätten erteilt werden dürfen, es wurden laue Auflagen nicht eingehalten, es wurde die Einhaltung erteilter lauer Auflagen bewusst nicht kontrolliert. Glückauf, Staatsanwaltschaft Duisburg, zeigen Sie den Schuldigen, was Sie ermittelt haben. Verdienen Sie sich die Anerkennung der Duisburger und klären die Verantwortlichkeiten auf. Ist schwer, wenn Sauerland und seine Dezernenten aus "gutem" Grund keine schriftlichen Anweisungen hinterlassen haben. Aber: Unsere Hoffnung stirbt zu Letzt.

3 Antworten
Der Zeitpunkt dieser Verlautbarungen des Kriminologen irritiert gewaltig... - denn erst Mal ist die Staatsanwaltschaft am Zuge, endlich die Bekanntgabe ihrer Ermittlungsergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren...
von JoachimMutz | #2-1

und auch, dass die WAZ diese theoretischen Gedankenspiele mittlerweile in DREI (!) Artikeln dem Leser vorsetzt;
21.05. 13:17 Uhr = Anklage .. nicht sicher
21.05. 18:27 Uhr = Opferanwalt fordert U-Ausschuss
22.05. 00:18 Uhr = Anklage nicht sicher

Drei Mal... - anstatt wie gefordert, die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft "Wann sind die Ermittlungen zu Ende?" und auch die Stellungnahme des Opferanwaltes Julius Reiter einzuholen...
Normalerweise liefert die Presse recherchierte Daten, Zahlen, Fakten - informiert die Leserschaft...und gibt auch Meinungen wieder...

Aber Drei Mal.... Was soll das ?

JoachimMutz | #2-1
von keepcalm | #2-2

Laut Xtra-News ist Feltes keineswegs ein Straf-Jurist-Praktiker, sondern ein Uni-Theoretiker, der sich dazu herablässt, eine geschädigte Bochumer Studentin als Nebenkläger zu vertreten. Seine hochgepuschte persönliche Meinung ist nicht mehr als heiße Luft und eigentlich keine Zeitungsmeldung wert.

keepcalm - Im Volksmund spricht man ja des öfteren vom "zerstreuten Professor..."
von JoachimMutz | #2-3

daher hatte ich ja die WAZ sofort (!) gebeten, bei STA DU und RA Reiter nachzufragen und die Leserschaft anhand dieser Recherchen ordentlich zu informieren..

Ich sprach bewusst nur von dem Kriminologen (nicht RA !) - dessen wie aus dem Himmel gefallener "rätselhafter Vorstoß" doch wohl nur als "Türöffner/Wegbereiter" dienen soll, anzusehen ist...
Da ist ja noch der Kollege Stauprofessor - der offenbar unbeeindruckt aller schrecklichen Ereignisse immer wieder vor Kameras steht - anstatt der Staatsanwaltschaft zur schnelleren Beendigung der Untersuchungen Rede und Antwort zu stehen...
Anscheinend steht alles still - ist Prof. Still angesichts sehr klarer Fakten gelähmt ?

Die theoretisch mögliche, maximale Verkehrsbelastung auf der Autobahn "rechnet sich auch" - ...bis es beim kleinsten Patzer gewaltig knallt...! - Bei gegeneinander laufenden Zugangsströmen passiert das Gleiche, wenn zudem "die Verlockung ruft - dröhnende Musik oder flatternde Geldscheine die Masse lockt...!"

Anklagen!

21.05.2013
18:41
" Er fordert, dass nach Abschluss der Ermittlungen, vom Landtag doch ein Untersuchungsausschuss eingesetzt wird, um den Hergang der Loveparade unabhängig aufzuklären."
von wattearvolt | #1

Herr Feltes träumt !! Bis September 2010 hatten alle politisch Verantwortlichen der Loveparade zusammen eine "Wagenburg" gebildet, weil jeder in irgendeinem Punkt Dreck am Stecken hatte und hat. Da war nichts mehr mit Transparenz. Das würde sich bei einem politisch besetzten U-Ausschuss nur wiederholen, denn wer stellt schon gerne unangenehme Fragen, wenn dadurch die Parteikarriere gefährdet ist. Herr Feltes, träumen Sie weiter.

3 Antworten
Richtig - wattearvolt ! Gestatten Sie bitte zwei Anmerkungen;
von JoachimMutz | #1-1

Der Herr Professor hätte besser nur still vor sich hergeträumt...
vor allem aber GESCHWIEGEN !

Die Staatsanwaltschaft ist gefordert, ist am Zuge, ihr Ergebnis der Ermittlungen bekannt zu geben !

Aus welchem Grund mischt ER sich zum JETZIGEN Zeitpunkt überhaupt ein ?
Was soll das sein oder werden, Taktik oder was ?

Und was bezweckt die WAZ mit diesem weiteren Beitrag hier - obwohl im Vorgängerbeitrag quasi das gleiche steht ?

#1 wattearvolt
von taosnm | #1-2

Ein Untersuchungsausschuss wäre nur Geld zum Fenster rauswerfen. IM Jäger, Bürger der Stadt Duisburg und sicherlich ortskundig, hatte offenbar niemals Bedenken gegen die Planung der Loveparade. Als oberster Befehlshaber der Polizei kommt ihm zudem eine weitere wichtige Rolle zu. Selbst bei grosser Phantasie kann ich mir nicht vorstellen, wie er sich einem Untersuchungsausschuss stellen will. Das gilt für alle beteiligten Duisburger Politiker, die nicht nur vor, sondern besonders nach der Katastrophe so elend versagten und niemals auch nur den Hauch von Verantwortung empfanden.

Es ist nicht vorstellbar, dass es nicht zu Anklagen kommt, denn falsches Handeln ist und war offensichtlich. Das muss unter allen Umständen juristisch aufbereitet werden, selbst, wenn es aufgrund mangelnder Beweislage nicht zu Verurteilungen kommt. Das ist die Justiz den Opfern schuldig.

#1-1 "Aus welchem Grund mischt ER sich zum JETZIGEN Zeitpunkt überhaupt ein ? "
von wattearvolt | #1-3

Das habe ich mich auch schon gefragt. Mit welcher Intention füttert dieser Professor aus Bochum mit seinen Thesen die Medien (Focus, RP und nicht zuletzt den WDR - gestern in der AKS-). In dem folgenden Bericht in der AKS zu einem anderen Thema trat übrigens dieser Professor aus Duisburg , der durch Ferndiagnose und ohne Ortskenntnis Bewegungsdiagramme für die LoPa erstellen konnte - auch auf. Es gibt Gesichter, auf die möchte ich in Zukunft im TV verzichten. Das Gesicht von Herrn Schreckenberg gehört definitiv dazu !!

@#1-2: keine Einwände, taosnm !!
Herr Jäger überspielt ja jetzt alles nonchalant mit seinem Blitzermarathon, möglichst in ganz Deutschland. Er nimmt offenbar den Song von Rio Reiser "Wenn ich König von Deutschland wär" sehr ernst. Aufklärungskönig für Duisburg würde mir als Rolle für Jäger90 schon reichen.

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