Anton erobert die Herzen

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Mäuserich Anton hat das Herz von Ulrike Thelen im Sturm erobert. Und das wird der liebenswerten Feldmaus zweifellos auch bei den Kindern und Erwachsenen gelingen, die das Buch „Die Stadtmaus und die Landmaus“ in die Hand bekommen. Dass es dieses Buch gibt, ist Illustrator Horst Kriese, dem Texter Bernward Müller und eben Ulrike Thelen zu verdanken, die noch im Rentenalter zur Verlegerin geworden ist.

Mit schönen Dingen hat sich die Inhaberin des „Farbklecks“ an der Friedrich-Wilhelm-Straße schon lange beschäftigt, kennt sich mit Rahmen, Farben und edlen Deko-Objekten aus. Mit der Frage, wie ein Buch verlegt wird, hatte sie sich noch nicht beschäftigt. Als dann aber Horst Kriese, der als freier Illustrator in Duisburg arbeitet, mit seinem Buchprojekt in der Tür stand, hat sie den Schritt gewagt. „Das hat mich angesprungen. Anton gehört zu meinen frühen Kindheitserinnerungen“, sagt Ulrike Thelen. „Wir haben den Schwarz-Weiß-Film in der Mozart-Schule gesehen. Das hat meine Seele erwärmt.“

Von echten und falschen Freunden

Die Zuneigung zu Anton hielt über Jahrzehnte an. Und Ulrike Thelen erkannte, dass diese wunderbar kolorierten Bilder, die Kriese in Öl gemalt hatte, ein schönes Buch ergeben müssten. Sie gründete den Verlag „Gold-Auge“, auf der letzten Seite des Buches heißt es: „Der Magie einer vergangenen Zeit verfallen, ist mit viel Freude und Leidenschaft diese Erstveröffentlichung entstanden. Auf dass weitere folgen mögen.“

Bernward Müller hat die Fabel des griechischen Dichters Aesop (600 v. Chr.) für heutige Leser neu formuliert. Im Buch folgt auf eine Doppelseite Text, die auch mit detailgenauen Zeichnungen von Tieren und Pflanzen zum Entdecken einlädt, eine Doppelseite mit dem farbigen Bild. So wird der Leser eingeführt in die Welt der Landmaus Anton, der sich für seinen Ausflug zu Cousin Pasquale in die Stadt höchst ordentlich wäscht, die Zähne putzt und kräftig frühstückt. Der Leser begleitet Anton auf dem nicht ungefährlichen Fußmarsch in die Stadt zu seinem Cousin, der ihn zu einem vornehmen Bankett einlädt. Angesichts der exquisiten Speisen fühlt sich Anton wie im Schlaraffenland – bis die Katzen der Hausherrin dem Treiben der Mäuse-Gesellschaft ein Ende bereiten. Während alle anderen schnell verschwunden sind, muss Anton Todesangst ausstehen, denn niemand hat ihm gesagt, wo das Fluchtloch ist. „Das ist der aktuelle Bezug: Freunde helfen in der Not“, sagt Ulrike Thelen, die sich sehr freut, dass das Buch alle Hürden genommen hat.