Das aktuelle Wetter Duisburg 21°C
Extremsport

Anne-Marie Flammersfeld - die härteste Frau der Welt

20.01.2013 | 18:50 Uhr
Anne-Marie Flammersfeld - die härteste Frau der Welt
Anne-Marie Flammersfeld ist als erste Deutsche vier Wüsten mit den strengsten Klimazonen der Welt im gleichen Jahr durchlaufen. Foto: privat

Duisburg.  1000 Kilometer bei extremen Witterungsbedingungen - Anne-Marie Flammersfeld ist als erste Deutsche im gleichen Jahr durch die trockenste, die heißeste, die windigste und die kälteste Wüste gelaufen. Im Interview spricht die "Desert Queen" über ihre Leidenschaft, Psycho-Tricks und die "Wüstenrennsemmel".

Sie läuft und läuft und läuft… - durch Sand, über Steine, bei starkem Wind und in tiefstem Schnee. Vier Wüsten hat Anne-Marie Flammersfeld beim "4 Deserts Race" im vergangenen Jahr im Laufschritt durchquert – als erste Deutsche überhaupt. Dabei meisterte sie insgesamt 1000 Kilometer durch die trockenste (Atacama), die steinigste (Gobi), die heißeste (Sahara) und die kälteste Wüste (Antarktis) der Erde. Die 34-Jährige hat nicht nur als erste Frau der Welt alle vier Rennen in einem Jahr gewonnen, sondern konnte gar jede einzelne Etappe für sich entscheiden – und hat dabei manchen Männern mit ihrem Tempo ordentlich eingeheizt. Damit erlief sich die gebürtige Duisburgerin in Extremsport-Kreisen den Spitznamen „Desert Queen“.

Was für Anne-Marie Flammersfeld ihre Leidenschaft ist, mögen Hobby-Sportler aus der Entfernung als „puren Wahnsinn“ bezeichnen. Welche Motivation steckt hinter so einem außergewöhnlichen Vorhaben? „In mir steckt das Entdecker- und Abenteurer-Gen, wie es einst auch Christoph Kolumbus in sich trug“, sagt die Extremsportlerin im Gespräch mit der WAZ Mediengruppe. Für sie sei der Sport keine Sucht oder Droge, sondern schlicht Gewohnheit.

Als erste Deutsche beim "4 Desert Race" durchhalten

Für Wüstenläuferin Anne-Marie Flammersfeld ist der Sport keine Sucht sondern Gewohnheit.

Zum Laufen kam die Diplom-Sportwissenschaftlerin, nachdem es sie vor einigen Jahren beruflich in die Schweiz nach St. Moritz gezogen hatte. Dort leitet sie als Fitness-Trainerin ihr eigenes Unternehmen namens "All Mountain Fitness". „In St. Moritz gibt es keine Handball-Vereine, also musste ich mir einen neuen Sport suchen“, erzählt die Personal Trainerin. Dass sie Talent als Läuferin hat, merkte sie spätestens, als sie ihren zweiten Marathon in nur 3 Stunden und 13 Minuten absolvierte.

2010 kam es dann in Argentinien zu einer wegweisenden Begegnung: „Dort traf ich einen Extremsportler, der wenig später am 4 Deserts Race teilnahm“. Als sie las, dass noch keine deutsche Frau die Wüstenlaufe in einem Jahr absolviert hatte, nahm Anne-Marie Flammersfeld die Herausforderung an. „Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch, der große Freude daran hat, sich Ziele zu setzen“ – eine Eigenschaft, die ihr in mancher Etappe noch sehr helfen sollte.

Training mit dem Stepper in der Sauna

Extremsport
Laufen für den guten Zweck

Anne-Marie Flammersfeld unterstützte mit Ihrer Teilnahme am "4 Deserts Race" die Paulchen Esperanza Stiftung. Sie setzt sich für die Belange benachteiligter Kinder in Entwicklungs- und Schwellenländern ein. „Kinder wachsen teilweise unter sehr schwierigen Lebensbedingungen auf. Gerade in den Regionen, die ich bei meinem Wüstenlauf durchkreuze. Diese Kinder brauchen mehr Hilfe – auch von uns", sagt Anne-Marie Flammersfeld.

Die Projekte befinden sich unter anderem in Argentinien und Sri Lanka. "In Buenos Aires gibt es jetzt ein Laufprojekt, wo Kinder einmal in der Woche Sport treiben. Das hilft ihnen dabei Ziele zu setzen und steigert ihr Selbstbewusstsein". (ik)

Ein Jahr lang bereitete sie sich auf die Wüstenläufe vor. Ihren Trainingsumfang steigerte sie auf 160 Wochenkilometer durch die Schweizer Berge. Jede Einheit gestaltete sie unterschiedlich mit einer Länge von 20 bis 40 Kilometern – mal mit harten Tempo-Läufen, mal als lockere Ausdauer-Übung.

Stets dabei hatte sie einen mehrere Kilo schweren Rucksack, an den sie sich früh gewöhnen wollte. Der Veranstalter verpflichtet jeden Teilnehmer dazu, 30 verschiedene Dinge während der Rennen bei sich zu tragen: Erste-Hilfe-Paket, Schlafsack, genügend Essen, Wechselwäsche, Kompass usw. Während der Wüstenläufe war eine spezielle Ernährung wichtig - oft bestand sie aus Energie-Riegeln, Gels, Gummibärchen und Cashewnüssen. "Wir mussten mindestens 2000 Kalorien im Gepäck zu haben", erzählt Anne-Marie Flammersfeld.

Die besonderen Begebenheiten wie das Laufen in Sand und Schnee konnte sie in den verschneiten Bergen von St. Moritz im Training gut simulieren. Einen gehörigen Respekt hatte sie vor der Hitze. „Deshalb habe ich einen Stepper in die Sauna gestellt, aber im Nachhinein hat das dann doch nicht so viel gebracht.“

Extremsport bei Minus-Temperaturen in der Antarktis.Foto: Scott Manthey

Mindestens so wichtig wie die physische Fitness war für Anne-Marie der psychologische Aspekt: „Jeder Wettkampf wird im Kopf entschieden. Wenn der Wille stark genug ist, dann tragen dich deine Beine auch ins Ziel.“ Deshalb hat sie sich mit einer Mental-Trainerin speziell vorbereitet: „Ich habe mir im Kopf eine Kommode mit Schubladen geschaffen, in die ich Geschichten hinein gepackt habe“. Diese sollten ihr bei Tiefpunkten in den Rennen helfen: „Beim Lachen werden positive Stoffe im Hirn freigesetzt.“ Solche Tricks hatte sie auch bitter nötig, wie sie noch feststellen sollte.


Kommentare
21.01.2013
22:53
Anne-Marie Flammersfeld - die härteste Frau der Welt
von dongiovanni | #1

Meine Hochachtung.
Und ich war schon stolz auf einen Standard Marathon, der ist ja dagegen Kindergeburtstag.

Aus dem Ressort
Die Suche dauerte sieben Jahre
Kunst
Die Kunstsammler Dirk Krämer und Klaus Maas wollten unbedingt Zeichnungen von Hans von Marées erwerben. Jetzt sind sie im Museum DKM mit einer Installation von Erwin Wortelkamp zu sehen.
Das Gotteshaus an der Wildstraße öffnet den Blick zum Himmel
Kirche
Eine Million Euro hat die evangelischen Kirche in den Umbau des Gemeindehauses an der Wildstraße investiert. Entworfen und umgesetzt wurde der Bau von der Architektin Jutta Heinze. Sie findet es spannend, „Gebäude im Bestand zu sanieren“. Entstanden ist ein funktionaler Kirchsaal mit klaren Linien.
Warum immer mehr Duisburger ihre Hunde bei der Stadt melden
Hundesteuer
Erstaunlich: In Duisburg wurden im 2013 knapp 1500 Hunde neu bei der Stadt angemeldet. Nun liegt das weniger daran, dass die Bürger auf den Hund gekommen sind. Wahrscheinlicher ist, dass die Hundekontrollen Wirkung zeigen. Sobald die Mitarbeiter auftauchen, steigt dort die Zahl der Anmeldungen.
Duisburger Hühner legen bunte Eier
Osterhasen-Konkurrenz
Diese Hühner machen dem Osterhasen Konkurrenz: Von Natur aus legen die Federviecher, die Marianne und Heinrich Schimmel züchten, bunte Eier – und im Frühling sogar besonders viele.
Duisburger Diensthundestaffel hat ein gutes Näschen
Polizei
Polizist Henrik Richter und sein Rottweiler Quintus gehören zur 13 Teams umfassenden Diensthundestaffelder Polizei Duisburg. Gemeinsam bestreiten sie die zahlreichen Einsätze im Dienst – aber auch ihr Alltagsleben.
Fotos und Videos
MSV holt drei Punkte
Bildgalerie
3. Bundesliga
Baustellen-Rundfahrt im Duisburger Westen
Bildgalerie
Stadtentwicklung
Lkw kippt auf A42 um
Bildgalerie
Unfall