Angriffe auf Klinikpersonal in Notaufnahmen

Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann

Derbe Beschimpfungen und Drohgebärden gegen Ärzte und Pfleger – in Notfallaufnahmen mancher Duisburger Krankenhäuser gehört aggressives Verhalten von Patienten und ihren Angehörigen offenbar zum Alltag. „In den letzten Jahren ist die Zahl der Übergriffe auf das Klinikpersonal merklich gestiegen“, sagt etwa Dr. Andrea Kutzer, Leitende Ärztin der zentralen Notaufnahme im Evangelischen Krankenhaus Duisburg-Nord in Fahrn.

Für die Medizinerin sind Randalierer längst keine Ausnahme mehr. Häufig seien sie und ihre Kollegen Beschimpfungen ausgesetzt. Manchmal käme es auch zu körperlichen Übergriffen. „Man wird geschubst oder jemand stellt ein Beinchen“, beschreibt sie.

Mit Klinge am Hals bedroht

Auch von weniger Harmlosem kann sie berichten: „Wir hatten hier schon den Fall, dass jemand mit einer Klinge am Hals bedroht wurde.“ Mehrmals pro Woche müsste die Polizei anrücken. Erst im November hatte Kutzer Anzeige erstattet, weil ein Streit in der Notaufnahme eskaliert war.

Solche Erfahrungen passen in das Bild, das sich in vielen Kliniken an Rhein und Ruhr zeigt. Jüngst hat eine Klinik in Lünen bekanntgegeben, einen Sicherheitsdienst einsetzen zu wollen und damit eine Debatte um schärfere Sicherheitsmaßnahmen ausgelöst.

Auch im Fahrner Krankenhaus ist ein Sicherheitsdienst im Gespräch. „Security wäre angebracht, viele Mitarbeiter sind verunsichert“, sagt Kutzer. Nur vier Kilometer weiter, in der Helios-Klinik St. Johannes in Hamborn, ist ein Sicherheitsdienst längst Realität. Er unterstützt die Mitarbeiter im Bedarfsfall, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. Zusätzlich habe die Klinik ein internes Alarmsystem eingerichtet. Darüber können mehrere Mitarbeiter verschiedener Bereiche zeitgleich informiert werden. Sie seien dann innerhalb kürzester Zeit vor Ort, um zu helfen.

Auch im Bethesda-Krankenhaus ist die Notaufnahme vorbereitet. Einen Sicherheitsdienst gibt es dort nicht, aber die Klinik hat Kameras installiert. Zudem tragen Mitarbeiter sogenannte Funkfinger, über die sie einen Notruf an Klinik-Zentrale und Polizei senden können.

Erst am 2. Februar musste die Polizei zu einem Einsatz ins Bethesda-Krankenhaus ausrücken. Drei Frauen, 74, 48 und 18 Jahre alt, waren mit dem Klinikpersonal aneinander geraten und hatten später sogar eine Polizistin geschlagen, berichtet die Polizei . Als ein Angehöriger reanimiert und den Frauen der Zugang zu ihm verwehrt wurde, eskalierte die Situation.

Seit Jahresbeginn zählte die Duisburger Polizei zehn Einsätze, die auf Randalierer in Kliniken zurückgehen, teilt die Behörde auf Anfrage mit. Allerdings könne es sein, dass nicht alle Einsätze erfasst werden. Die Polizei zu verständigen und Anzeige zu erstatten, wollen die Kliniken soweit es geht vermeiden. Stattdessen setzen sie auf Deeskalation. In Schulungen lernen die Klinik-Mitarbeiter, brenzlige Situationen zu entschärfen. „Wir haben zum Glück Pflegepersonal“, sagt Andrea Kutzer, „das schon viele Jahre in der Notfallaufnahme arbeitet und eine gewisse Routine darin zeigt, Streitigkeiten diplomatisch zu klären.“

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