Angeklagte mauern im Prozess um MHD-Pleite
02.09.2010 | 13:51 Uhr 2010-09-02T13:51:00+0200
Duisburg.Der Prozess um die Pleite der Duisburger Sudamin MHD GmbH könnte sich hinziehen: Am zweiten Verhandlungstag ließen sich die Angeklagten so gut wie gar nicht auf die ihnen gestellten Fragen ein.
Die geplanten 12 Fortsetzungstermine könnten nur dann ausreichen, wenn sich die Positionen der Verfahrensbeteiligten annähern würden, hatte der Vorsitzende der Wirtschaftsstrafkammer zu Prozessbeginn am Mittwoch gemahnt. Doch davon kann nach dem gestrigen Termin im Prozess gegen vier ehemals leitende Angestellte der Sudamin MHD GmbH, die sich wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung verantworten müssen, keine Rede sein.
Der Verteidiger des bis Oktober 2004 verantwortlichen Geschäftsführers kritisierte die Anklage, die davon ausgeht, dass durch Bilanzmanipulationen Kredite erschwindelt, durch verspätete Insolvenzanmeldung Lieferanten um Millionen geprellt wurden. Die Staatsanwaltschaft habe ihre Anschuldigungen pauschal gehalten, so der Anwalt. Konkrete Sachverhalte, zu denen sein Mandant sich einlassen könne, fehlten.
Mann mit Visionen
Der Mandant, der die Geschicke des Hüttenunternehmens bis September 2004 nur ein Jahr führte, stellte sich als Mann mit Visionen dar. Die Umstellung von teuren Primär- auf günstige Sekundärmaterialien - sprich von Erzen auf zinkhaltige giftige Abfälle - sei eine „sexy story“ gewesen. Man habe den Banken nicht wegen Betriebskrediten hinterherlaufen müssen. Und in den ersten drei Monaten 2004 habe das Unternehmen gezeigt, dass es Gewinn machen könne. Dass der später wieder einbrach, habe an „individuellen Bedienungsfehlern“ der Belegschaft gelegen.
Was sein Nachfolger anders sieht. Die Betrieb sei nie rund gelaufen, betonte der 69-jährige Jurist, der im Herbst 2004 die Geschäftsführung übernahm. Es habe technische Probleme gegeben. Aber auch er sei bis zuletzt überzeugt gewesen, dass die Banken ein Interesse am Weiterbetrieb hatten. „Die Insolvenzordnung ist ein schlechtes Mittel, einen Betrieb zu führen“, so der Angeklagte. Mitarbeiter hätten motiviert werden müssen, Lieferanten durften nicht verunsichert werden. „Wir haben nicht verspätet Insolvenz angemeldet, um zu betrügen, sondern weil wir glaubten, dass wir es schaffen.“
An jeden Strohhalm geklammert
Der damalige technische Geschäftsführer (60) räumte ein, dass er sich bis zuletzt an jeden Strohhalm geklammert habe. Er habe damals wohl nicht bedacht, dass durch die Nichtbegleichung von Rechnungen Arbeitsplätze in anderen Unternehmen gefährdet worden seien. „Dafür entschuldige ich mich bei den Betroffenen.“
Der ehemalige Chefbuchhalter schien mit der Frage überfordert, warum das Unternehmen nach 27 Mllionen Euro Verlust im Vorjahr plötzlich Anfang 2004 schwarze Zahlen geschrieben habe. Da müsse er sich erst die Bilanzen noch einmal ansehen, so der Angeklagte.

19:01
Was für clevere Verteidiger.
Und was für schlappe Ankläger.
Nehmen Sie sich die Gerichtsakten Krupp - Gödde - Rheinform (Wetter) vor.
Man muss auch als Jurist nicht permanent das Rad neu erfinden.
Ansonsten scheint das ein verfolgenswerter Prozess zu werden.