Das aktuelle Wetter Duisburg 19°C
Bildung

An den Schulen drohen 2013 Streiks

11.12.2012 | 07:00 Uhr
An den Schulen drohen 2013 Streiks
Angestellte Lehrer verdienen 500 bis 600 Euro netto weniger als ihre verbeamteten Kollegen, obwohl sie die gleiche Arbeit leisten.Foto: Irmine Skelnik

Duisburg. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – so sollte es eigentlich sein. Doch davon können die angestellten Lehrer an den Schulen im Moment nur träumen. Rund 200.000 angestellte Lehrer unterrichten in Deutschland. Viele sind Seiteneinsteiger, die nicht verbeamtet wurden. In Duisburg sind es rund 1000, zumeist an Gesamtschulen, Berufskollegs und Hauptschulen. „Die Differenz zum Entgelt der beamteten Lehrer beträgt netto 500 bis 600 Euro“, erklärt Norbert Müller, der Vorsitzend der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Duisburg. „Das ist auf die Lebensarbeitszeit gerechnet ein kleines Einfamilienhaus.“

Beamtete Lehrer profitieren

Das Problem: Mit jeder Erhöhung, die für angestellte Lehrer festgelegt wird, steigt automatisch auch das Beamten-Entgelt. „Die Schere wird also immer größer“, kritisiert Müller. Und: Es gibt keinen Tarifvertrag. Die Bezahlung wird vom Arbeitgeber geregelt. Doch damit will die Gewerkschaft nun bald Schluss machen und motiviert ihre Mitglieder, um sie auf einen möglichen Arbeitskampf im Frühjahr vorzubereiten. „Die Erzieherinnen haben mit ihrem Streik gezeigt, was möglich ist“, unterstreicht Norbert Müller.

Ziel der Gewerkschaft ist neben der Erhöhung des Entgelts um 6,5 Prozent, der Abschluss eines Tarifvertrages über eine Eingruppierungsregelung. Im einzelnen stehen folgende Forderungen auf dem Papier:

- eine auf die Tätigkeit und die Ausbildung bezogene Eingruppierung;

- eine schulformunabhängige Eingruppierung aller Lehrerinnen und Lehrer;

- die einheitliche Eingruppierung der Lehrer in Ost und West bei gleicher Tätigkeit und Ausbildung;

- die Eckeingruppierung für Lehrkräfte mit gefordertem wissenschaftlichen Hochschulabschluss wie für andere Beschäftigte des öffentlichen Dienstes der Länder mit gefordertem akademischen Abschluss.

Joachim Jankowski, Leiter des Arbeitskreises Angestellte in der GEW: „Schon 2009 waren uns Verhandlungen darüber versprochen worden. Die Gespräche wurden jedoch abgebrochen.“ Die Durchsetzung eines Tarifvertrages über die Eingruppierung sei die einzige Möglichkeit der angestellten Lehrer, für sich selbst eine Verbesserung zu erreichen.

Ihnen ist – anders als den Beamten – der Streik erlaubt. Sollte die dritte Verhandlungsrunde Anfang März kein Ergebnis bringen, rechnet die Duisburger GEW mit längeren Streiks und damit verbundenen Unterrichtsausfällen. 350 der 1000 angestellten Lehrer in Duisburg sind Mitglieder der GEW. Während der Verhandlungen, die am 31. Januar beginnen werden, sind Warnstreiks nicht ausgeschlossen. „Wir setzten natürlich auch auf die Solidarität der verbeamteten Kollegen“, so Müller.

Alfons Winterseel


Kommentare
11.12.2012
08:46
An den Schulen drohen 2013 Streiks
von muehsam2011 | #5

Es ist ein ganz altes Lied:
Lässt man sich von seinem Arbeitgeber bezahlen wie dieser das für richtig hält oder wird das ausgehandelt.
Wenn der Arbeitgeber nicht verhandeln möchte, darf/soll/muss er dazu gezwungen werden.
Wenn dann im Falle von angestellten streikenden Lehrern Unterricht ausfällt, ist das nicht die Schuld der Lehrer, mit denen anderenfalls nicht verhandelt würde.

Alle, die bei der Bezahlung durch ihren Arbeitgeber nicht willkürlich behandelt werden wollten, sollten/müssen dann solidarisch sein.

Die Stimmung ist leider oft anders und das ist Hauptgrund für steigende Reallöhne, Sozialleitungen und Renten.

Es gibt aber Leute, die diese unsoldirarische Stimmung gebrauchen können, nämlich die, die auf Löhne, Sozialleistungen und Renten pfeifen bzw. an deren Sinken und Zerschlagen Interesse haben.

1 Antwort
An den Schulen drohen 2013 Streiks
von muehsam2011 | #5-1

Leider muss es so heißen: Die Stimmung ist leider oft anders und das ist Hauptgrund für SINKENDE Reallöhne, Sozialleitungen und Renten.

11.12.2012
08:32
An den Schulen drohen 2013 Streiks
von SarahOB | #4

Und was kommt als nächstes? Na klar! Bei den Stadtverwaltungen gibt es reichlich Angestellte, die auch keine andere Arbeit machen als die verbeamteten Kollegen. Dann müssten auch diese streiken. Menschenskinder, Lehrer werden mir immer unsympathischer….. Einfach nicht den Hals voll bekommen. Erst jammern, weil sie evtl. für Parkplätze vor der Schule zahlen sollen (wie alle anderen das ohne Getöse schon lange machen) und jetzt das. Da fällt mir langsam nichts mehr zu ein.

3 Antworten
An den Schulen drohen 2013 Streiks
von bluesbower | #4-1

Leute wie Sie, sind die besten Erfüllungsgehilfen des unsolidarischen Ellbogenstaates. Wenn Beschäftigte die gleiche Arbeit machen, dann ist das doch egal. Wenn Lehrkräfte berechtigte Forderungen haben, dann sind sie unsympathisch. Sie haben nichts begriffen.

An den Schulen drohen 2013 Streiks
von chemikus08 | #4-2

Alle Angestellten Kräfte im öffentlichen Dienst, mit Ausnahme der Lehrerinnen und Lehrer, verfügen über einen Tarifvertrag, der sie eindeutig eingruppiert. Würde man die hier geltenden Eingruppierungsbestimmungen schlichtweg auf die Gruppe der Lehrer übertragen, so ergibt sich, dass die meisten Kolleginnen und Kollegen nach Entgeltgruppe 13 (Eckeingruppierung für alle Beschäftigte mit Hochschulabschluss) eingruppiert würden, werden sie aber nicht. Die Eingruppierung aller Lehrerinnen und Lehrer für die Sek I liegt bei maximal Entgeltgruppe 11 oder sogar weniger!

SarahOB arbeit nach meinem Wissen im technischen Rathaus in OB und schießt auf alles, was über ihrer eigenen eingruppierung liegt. Sie prahlt im Forum öffentlich mit Insiderwissen im Bereich bauamt. manchmal frage ich mich angesichts der Postings,
von PressefreiheitistVerantwortung | #4-3

ob die alle außerhalb der bezahlten Arbeitszeit liegen.
Und wie der Vorredner schon sagte: solidarisch ist sie nur zu sich selbst.

11.12.2012
08:03
An den Schulen drohen 2013 Streiks
von Kalutti | #3

Die sogenannten Seiteneinsteiger wussten doch worauf und auf welche Bezahlung sie sich einlassen. Da kann man ja jetzt nicht kommen und die Bezahlung anprangern.

2 Antworten
An den Schulen drohen 2013 Streiks
von bluesbower | #3-1

Falsch - den Seiteneinsteiger wurden andere Bezahlbedingungen versprochen als man sie geködert hat.

An den Schulen drohen 2013 Streiks
von chemikus08 | #3-2

Erstens hat man in der Tat früher einmal höhere Bezahlungen in Aussicht gestellt. Zum Anderen verfügt der Staat hinsichtlich der Einstellungsmöglichkeit als Lehrer mehr oder minder über ein Monopol. Wenn mich die Tätigkeit also prinzipiell interessiert, habe ich gar keine andere Möglichkeit als nach den derzeit geltenden Bedingungen erst einmal das Angebot anzunhemen, oder auf die Tätigkeit ganz zu verzichten. Umgekehrt gibt es aber nunmal alle zwei Jahre Tarifverhandlungen und hier finde ich es nicht verkehrt, wenn die Betroffenen anprangern, dass das jeweilige Land den Grundsatz "Gleiches Gelf für gleiche Arbeit" in diesem Fall grob missachtet. Ein Grundsatz übrigens, der zumindest in NRW, in der Verfassung des Landes garantiert wird.

11.12.2012
08:03
An den Schulen drohen 2013 Streiks
von greco | #2

Gäähhhn. Man muss ja nicht so tun,a ls ob Lehrer schlecht verdienen würden. Trotz Belastungen außerhalb des Regelunterrichts (der in der Woche circa 10-15 Stunden umfasst) wie beispielsweise Elternsprechtage, Unterrichtsvorbereitung und Korrekturen, erhält ein verbeamteter Berufseinsteiger (!) über 2.600€ netto! Obwohl man hier noch die private Krankenversicherung abziehen muss, bleibt immer noch ein Gehalt übrig, dass man in der freien Wirtschaft erst mit Personalverantwortung bekommt, wenn man nicht gerade vom IG-Metall-Tarif gefüttert wird.

500-600€ als angestellter Lehrer sind deswegen immer noch eine Heidensumme (zumal diese keine private Krankenversicherung bezahlen müssen). Hier wird nicht nur auf hohem, sondern verdammt hohen Niveau gejammert.

Darüber hinaus gehört der Beamtenstatus eh für jede Berufsform außerhalb der Polizei und der Feuerwehr abgeschafft.

2 Antworten
An den Schulen drohen 2013 Streiks
von bluesbower | #2-1

Es geht hier nicht um Jammern auf hohen Niveau - es geht um Gerechtigkeit.

An den Schulen drohen 2013 Streiks
von chemikus08 | #2-2

@ Greco
Thema verfehlt. Die Bezahlung einer verbeamteten Lehrkraft ist sicherlich nicht schlecht. Berücksichtigen Sie bitte jedoch hierbei, dass im Vergleich zum europäischen Umland diese Lehrkraft auch eine um etwa 20%-höhere Unterrichtsverpflichtung hat.
Zur Diskussion steht hier aber die Bezahlung der angestellten Lehrkräfte. Ich habe daher Ihr Beispiel nochmals aufgegriffen und berechne Ihnen hiermit (Entgeltgruppe 11, Stufe 1; die einschlägigen Berechnungsprogramme sind im Internet frei zugänglich) das Einstiegsgehalt (Netto) einer nichtverheirateten tarifbeschäftigten Lehrkraft:
1676,21 EUR
Ja Sie haben richtig gelesen, und für den Fall dass diese Lehrkraft nur über einen
FH-Abschluss verfügt, jedoch an den gleichen Konferenzen teilnimmt, Klassenleitungen übernimmt usw:
1627 EUR
Hiervon müssen Sie keine private Krankenversicherung abziehen. Wenn Sie genauso umfangreich abesichert sein wollen, aber nochmal 200 EURO für Zusatzversicherungen.

11.12.2012
07:50
An den Schulen drohen 2013 Streiks
von The_Rebel | #1

Neben den finanziellen Unterschieden zwischen Beamten und Beschäftigten, die sich aber aus der unterschiedlichen Grundlage der Ermittlung der Gehälter, nicht aus der unterschiedlichen Arbeit ergeben - zwischen denen es auch keinen Automatismus des gegenseitigen Anpassens gibt - wird nun wieder klar, warum Lehrer verbeamtet sein sollten. Hier proben die Gewerkschaften wieder mal den Klassenkampf auf dem Rücken der Kinder. Unterrichtsausfall vor dem Hintergrund verkürzter Schulzeiten, die Kinder und Eltern wird es freuen. Hat irgendjemand diese Menschen gezwungen, diesen Beruf zu ergreifen zu diesen Konditionen? Ich denke mal nicht, also können sie auch was anderes machen, in der BRD herrscht ja Berufsfreiheit.

1 Antwort
An den Schulen drohen 2013 Streiks
von chemikus08 | #1-1

@ The Rebel
Damit auch Sie es verstehen:
1.) Ich habe früher in der freien Wirtschaft gearbeitet und mein Fazit für den Lehrerberuf als angestellte Lehrkraft lautet schlicht:
Ich habe noch nie in meinem Leben so viel für so wenig Geld gearbeitet.
Ich war aber mit dem was ich tue, insbesondere mit der sinnstiftenden Arbeit die ich verrichte, noch nie so zufrieden
2.) Im Rahmen meiner Berufsfreiheit denke ich also gar nicht daran mir einen anderen Beruf zu ergreifen. Da ich bei meiner Einstellung, wie Sie schön schreiben, wusste worauf ich mich einlasse, nehme ich auch die geringere Bezahlung zunächst hin, aber:
3.) Auch mein Arbeitgeber hat gewusst worauf er sich einlässt, nämlich auf einen Tarifbeschäftigten Arbeitnehmer mit Streikrecht. In einem Bundesland, indem das Recht auf gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit in der Verfassung steht, halte ich einen Streik wg. Verstoss hiergegen moralisch für vertretbar.

Aus dem Ressort
Telekom nutzt Notlage eines 82-jährigen Duisburgers aus
Verbraucher
Ein 82-jähriger Telekom-Kunde, zu 80 Prozent schwerbehindert, sollte kurzfristig einen teuren Servicevertrag abschließen. Nur dann werde seine gemeldete Störung binnen 24 Stunden behoben. Die Verbraucherzentrale in Duisburg ist empört über den Fall. Das Vorgehen der Telekom sei höchst bedenklich.
1066 Wähler in Duisburg-Beeck müssen neu wählen
Wahlpanne
Nach der Panne bei der Wahl zur Bezirksvertretung in einem Beecker Wahllokal will das Wahlamt nur in dem betroffenen Stimmbezirk erneut abstimmen lassen. Die Stadt Duisburg will zudem alle Einsprüche gegen die Wahl am 25. Mai abweisen.
„Wir konnten uns wenigstens verabschieden“
Loveparade
Anlässlich des vierten Gedenktages der Loveparade-Katastrophe sprach die WAZ mit Edith Jakubassa und Friedhelm Scharff, den Eltern der damals ums Leben gekommenen Marina (21) aus Hochheide
Problemhaus-Bewohner in Duisburg-Rheinhausen ziehen aus
Zuwanderung
Das als Problemhaus bekannt gewordene Haus In den Peschen ist so gut wie leer. Mittlerweile lebten nur noch 44 Menschen in dem Hochhaus, das bis Ende des Monats geräumt sein muss. Die Stadt Duisburg hofft darauf, dass auch die übrigen Bewohner das für unbewohnbar erklärte Haus freiwillig verlassen.
Ein Abend als VIP in der MSV-Arena
WAZ-Aktion
Drei begeisterte WAZ-Leserinnen durften am Montagabend in Begleitung das Fußball-Benefizspiel zwischen dem MSV Duisburg und Bayern München in der König-Pilsener-VIP-Loge der MSV-Arena schauen. DIe WAZ hatte die Karten gemeinsam mit der Duisburger Brauerei verlost und begleitete die Gewinnerinnen.
Fotos und Videos
Leser besuchen das Landesarchiv
Bildgalerie
WAZ-Serie
Chronik einer Katastrophe
Bildgalerie
Loveparade