An Altweiber regieren die Möhnen ganz Duisburg

Auf dem Burgplatz vor dem Rathaus in der Innenstadt feierten Hunderte Möhnen ausgelassen.
Auf dem Burgplatz vor dem Rathaus in der Innenstadt feierten Hunderte Möhnen ausgelassen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Bestens gelaunt feierte das jecke Duisburger Narrenvolk in Hochheide, Alt-Hamborn, Aldenrade und vor dem Rathaus in der Innenstadt.

Duisburg.. Kunterbunt verkleidet und lustig geschminkt waren die Möhnen, die gestern an Altweiberfastnacht im gesamten Stadtgebiet das närrische Regiment übernahmen. In Homberg zogen sie in die Glückauf-Halle und feierten ausgelassen, während Närrinnen und Narren aus dem Norden in Walsum den Kometenplatz und in Hamborn das Rathaus samt Ratskeller stürmten. Auch in der Innenstadt ging es rund: Der Burgplatz war fest in Möhnenhand.

Der Burgplatz

Pünktlich um 11.11 Uhr begann die Herrschaft der Möhnen in der Innenstadt. OB Sören Link wehrte sich zwar nach Kräften, ergab sich aber doch den Erstürmerinnen des Rathauses. Bei solch einer weiblichen Übermacht war einfach nichts zu machen. Von hübschen Damen wurde der als bayrischer Seppel verkleidete Oberbürgermeister aus seinem Büro und dem Rathaus eskortiert. Draußen auf dem Burgplatz empfing ihn der Stabsmusikzug der Prinzengarde mit Pauken und Trompeten. Übertönt wurde die Kapelle nur vom frenetischen Jubel der zahlreichen Möhnen.

„Ich habe wieder gekämpft wie ein Löwe und musste mich doch geschlagen geben“, rief Link den Jecken zu, als er auf der großen Bühne steht. Sechs Schnitte brauchte Obermöhne Maike dann, um Link unter lauten Anfeuerungsrufen die Krawatte abzuschnibbeln. Sowohl das Kinderprinzenpaar Janik I. und Paula I. als auch Prinz Thomas I. sorgten mit ihren Karnevalsliedern für Stimmung. Mit Olaf Henning stand dann als Höhepunkt sogar ein richtiger Schlagerstar auf der Bühne. Mit Hits wie „Herzdame“ und „Ein blinder Passagier“ brachte er die Jecken zum Toben.

Unter den Feiernden waren auch die Freundinnen Ute Fritz und Elke Wannen. „Wir sind jedes Jahr dabei und feiern hier“, so die als Biene verkleidete Fritz. Wannen fügte hinzu: „Der Rathaussturm gehört einfach zu einer Karnevalsstadt wie Duisburg dazu.“

Der Kometenplatz

Für Georg Salomon war es eine Premiere. Der Schlips des Bezirksbürgermeisters, dessen Design mit „quietschbunt“ nur unzureichend beschrieben werden kann, musste um 11.11 Uhr ab. Dagmar Kock von der Walsumer KG Gruen-Weiss gab mit ihrem energischen Schnitt den Startschuss für die größte Open-Air Weiberfastnachtsparty am Niederrhein. Tausende Möhnen feierten bei Sonnenschein und blauem Himmel vor dem Bühnen-Truck auf dem Kometenplatz. Herrlich kostümiert: Eine Bande von (Riesen-)Babys ward ebenso gesichtet wie ein großes menschliches Blumenbeet. Übermutig wurden einige alkoholisierte Gäste gegen Ende der Feier. Wie die Polizei meldete, wurden zehn Anzeigen wegen Beleidigung und Körperverletzung ausgefertigt.

Der Ratskeller

Spätestens als Obermöhne Melanie Arndt im bis zum letzten Platz gefüllten Hamborner Ratskeller drohend ihren riesigen Holzlöffel schwang, blieb Robin Hood – alias Bezirksbürgermeister Uwe Heider – nur noch Kapitulation. Klar, dass er jetzt den Rathausschlüssel rausrücken musste. Der Rächer der Enterbten kapitulierte und wurde sodann mit einer zünftigen Feier belohnt. Die Karnevalisten der 1. Großen KG Rot-Weiss Hamborn-Marxloh gestalteten das Bühnenprogramm in Hamborns guter Stube, Volker Mosblech und Christina Becker führten launig durchs Programm.

Die Glückauf-Halle

Zum dritten Mal krallten sich die Möhnen den Schlüssel des Bezirksamtes nicht mehr im Rathaus selbst, sondern bei der Altweiber-Party in der Hochheider Glückauf-Halle. Bezirksbürgermeister Hans-Joachim Paschmann hatte sich diesmal nicht lange bitten lassen, im Gegenteil, er sank auf die Knie und drückte Obermöhne Brigitte Keller den überdimensionalen Schlüssel in die Hand.

Den Rest der Party, die Programm bis in den Nachmittag bot, dominierten auch die Frauen. Prinzessin Sabine I. vom Kulturausschuss Grafschafter Karneval nutzte die Gelegenheit, ihrem Prinzen Markus I. das Mikrofon wegzuschnappen, um die Feiernden zu unterhalten. Und das mit erkältungsbedingt nicht mehr allerbester Stimme, „das macht aber nichts, wenn Frauen im Durchschnitt 30.000 Worte am Tag sprechen, spreche ich 40.000, ich bin schließlich Friseurin.“