Altes Hospital wird zum Duisburger Asyl-Dorf

Zehra Yilmaz (li.), Thomas Voß vom DRK und Peter Riek (Vertreter des Investors), inspizieren eines der neu gestalteten Zimmer.  im Landesasyl im ehemaligen St. Barbara Hospital in Duisburg-Neumühl
Zehra Yilmaz (li.), Thomas Voß vom DRK und Peter Riek (Vertreter des Investors), inspizieren eines der neu gestalteten Zimmer. im Landesasyl im ehemaligen St. Barbara Hospital in Duisburg-Neumühl
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Das ehemalige Barbara-Hospital in Duisburg soll als Landesasyl künftig 500 Flüchtlinge aufnehmen können. Selbst ein Kiosk und eine Moschee gibt es.

Duisburg.. Die Mitarbeiter kennen sich noch nicht so recht aus. „Da geht’s lang“, ruft Zehra Yilmaz, Leiterin des Landes-Asyls, den neu eingestellten Betreuern zu. Nachdem bereits 100 Personen im alten Schwesternwohnheim untergebracht wurden, ist nun das alte Krankenhaus selbst fertig gestellt. Vor ein paar Tagen sind die ersten 150 Flüchtlinge eingezogen. Mittelfristig könnten bis 500 Asylbewerber auf dem Gelände wohnen.

Die Zahl der Plätze wurde erst vor kurzem von der Bezirksregierung Arnsberg aufgestockt. „Wir hätten noch mehr Kapazitäten, aber wir wollen eine gute Betreuung gewährleisten“, erklärt Thomas Voß, Projektleiter des DRK-Landesverband Nordrhein, warum die Zahl gedeckelt wurde.

Küchentrakt im Bau

Die Räume sind hell und sauber, alles riecht noch frisch. Im Schnitt bleiben die Flüchtlinge sechs bis acht Tage in der Unterkunft, dann werden sie an die Städte verteilt. „Die meisten sind traurig, weil die anderen Unterkünfte in schlechterem Zustand sind“, weiß Zehra Yilmaz. Die Busse halten auf dem Hof des alten Krankenhauses. Neben dem Gebäude wird noch ein Küchentrakt aufgebaut. „Die alte Küche konnte man nicht mehr nutzen“, erklärt Peter Rieck. Das Essen wird geliefert und in Konvektomaten aufgewärmt. Die erste Zeit, in denen die Aufenthaltsräume noch kahl sind, gibt’s Zimmerservice.

Peter Rieck vertritt den Investor, der das Hospital hergerichtet hat, bevor es dann nach drei Jahren in ein neues Wohnquartier umgewandelt wird. „Die Brandschutzanlage hat am meisten Geld verschlungen“, erklärt Rieck. „Aber hier ist alles auf Zeit angelegt.“ Platz genug gibt es. Dort, wo früher Rheuma- und Dermatologie-Patienten versorgt wurden, wohnen nun die Asylbewerber.

Kleiderkammer im Keller

„Wir wissen nie, wer kommt“, sagt Zehra Yilmaz. Familien werden möglichst in einem Zimmer untergebracht. Im Keller wird eine Kleiderkammer eingerichtet. Dutzende engagierte Gemeindemitglieder haben Anziehsachen gespendet. Aber auch Koffer stehen herum. Die werden gebraucht, um die neuen Habseligkeiten zu verstauen. Wenn die Unterkunft zur Größe eines Dorfes gewachsen ist, soll auch ein kleiner Kiosk einziehen, bei dem die Bewohner zum Beispiel Zahnpasta oder andere Dinge des täglichen Bedarfs kaufen können.

Da St. Barbara ein katholisches Krankenhaus war, gibt’s noch eine Kapelle. „Die wurde nicht entweiht. Pater Tobias hat angeboten, hier mal einen Gottesdienst abzuhalten“, so Voß. Eine Moschee wurde ebenfalls eingerichtet. Auch zu den islamischen Gemeinden wurden Kontakte geknüpft.

Kommentar: Transparenz nimmt Ängste

In Tröglitz hat ein Haus gebrannt, aus dem ein Asylbewerber-Heim werden soll. Wer sich darüber aufregt, muss nicht so weit schauen: Auch in Duisburg gibt es immer wieder Diskussionen und heftigste Debatten, wenn die Stadt eine neue Unterkunft einrichten will. In einem Schwerpunkt liefert die WAZ Hintergründe zum Thema Asyl, zeichnet Entwicklungen nach und spricht mit Wissenschaftlern über die aufgeheizte Stimmung. Gerne hätten wir eine Sammelunterkunft besucht, und mit Flüchtlingen gesprochen. Doch da mauerte die Stadt. Anders die Betreiber des Landes-Asyls, die regelmäßig Einblick gewähren. Nach erregten Debatten im Vorfeld, läuft dort übrigens alles geräuschlos.