Alt-Walsum - Sprudelwasser und Wacholder
07.03.2011 | 17:28 Uhr 2011-03-07T17:28:00+0100
Duisburg. Straßennamen wie Zum Alten Mann, Zum Füllort, Zum Aufhauen erinnern an Walsums Bergbauvergangenheit - aber ansonsten ist beileibe nicht alles alt in Alt-Walsum. WAZ-Redakteur Willi Mohrs ließ sich für die Serie Stadtteilrundgang herumführen.
Alt-Walsum? Von wegen alt – alles ist neu am Beginn des Rundganges, den sich Elmar Klein für uns ausgedacht hat. Obwohl: Straßennamen wie Zum Alten Mann, Zum Füllort, Zum Aufhauen erinnern an Walsums Bergbauvergangenheit. Aber die Häuser links und rechts sind definitiv nicht älter als zwei Jahrzehnte.
Wir starten nahe der Trasse der historischen Bahnlinie Richtung Voerde und Oberhausen an einem Mahnmal zur Erinnerung an einem Lager für Zwangsarbeiter, die für die Nazi-Wirtschaft Kohle machen mussten. Bahnlinie, Kaiserstraße und Nordhafen begrenzen Alt-Walsum, das in den letzten Jahren ordentlich gewachsen ist. Auf 2500 bis 3000 schätzt Klein, CDU-Ratsherr und Karnevalist, die Zahl der Neu-Alt-Walsumer. Doch trotz der Vielzahl überwiegend schmucker Neubauten sei es gelungen, die „dörfliche Gemeinschaft“ zu erhalten. Zumal viele Ur-Walsumer – Klein nennt sie Dörfler – in die neuen Siedlungen mit ihren gepflegten Spielstraßen gezogen sind.
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Über die Förderstraße erreichen wir einen Spielplatz, wie er seinesgleichen sucht, mit jungen Bäumen, einer Liegewiese, einem Bolzplatz . Ein paar Schritte weiter kommen wir an ein Gehöft mit grasenden Gänsen, weitere stattliche alte Höfe finden sich an der Kaiserstraße, denkmalgeschützt, sehenswert, wenn auch nicht mehr der Landwirtschaft gewidmet.
Natur - dank Industrie
Alt-Walsum gehört zum Stadtbezirk Walsum, dem nördlichsten der sieben Duisburger Bezirke, und hat nach amtlichen Angaben 4326 Einwohner. Davon sind 2197 weiblichen und 2129 männlichen Geschlechts. Der Ausländeranteil liegt bei 3,9 Prozent.
Besonders sehenswert ist das Naturschutzgebiet Rheinaue Walsum, das auf einer Fläche von über 500 Hektar Lebensraum für zahllose, zum Teil seltene Tier- und Pflanzenarten ist. Gezählt wurden allein 187 verschiedene Vogelarten als Brutvögel, Durchzügler und Wintergäste.
Eine Besonderheit Walsums ist die Fährverbindung nach Orsoy, die auch Rad-Ausflügler schnell und bequem ins Linksrheinische bringt. Empfehlenswert für Radler wie Wanderer ist auch der gut ausgebaute Weg über den Rheindeich.
Auf der anderen Straßenseite beginnt die Walsumer Rheinaue, ein Stück Natur, das ganz wesentlich der Industrie zu verdanken ist. Der Bergbau in der Tiefe führte weiträumig zur Absenkung des Geländes. Und Kohle war und ist nicht der einzige Schatz in Walsums Boden: Die Rheinfels-Quelle fördert nach wie vor und sehr erfolgreich Mineralwasser aus dem Untergrund der Aue.
Beliebt ist das ausgedehnte Naturschutzgebiet mit seinen vielen Gewässern bei brütenden Vögeln und erholungsuchenden Spaziergängern gleichermaßen. „Schäfer sind hier an dauernd unterwegs“, erklärt mir Klein, als wir die Höhe des Rheindeichs erklimmen, ein einzigartiger Panoramablick vor unseren Augen, vom 181 Meter hohen Kühlturm des neuen Walsumer Kraftwerks über den Hafen von Orsoy auf der anderen Rheinseite bis zur leuchtend weißen Wolke über dem Kraftwerk Voerde im Norden, dazu der Turm der Dionysius-Kirche im Dorf sowie die beiden Fördertürme der im Juni 2008 stillgelegten Zeche Walsum, von denen einer erhalten bleiben soll.
Über den Deich, der hier mehr einem Hochplateau gleicht, geht’s an Massen von Wildgänsen im grünen Rhein-Vorland vorbei an der denkmalgeschützten stählernen Hubbrücke über den Nordhafen und ins Dort zurück.
Die Kirche im Mittelpunkt
Hier finden Sie die Serien der Lokalredaktionen in der Übersicht, zum Beispiel alle Stadtteilreports und alle Folgen von Duisburgs Top Ten.
Die katholische Kirche markiert den Mittelpunkt, gegenüber die laut Klein fast 300 Jahre alte Gaststätte „Wacholder-Claus“, wo es das hochprozentige „Nationalgetränk“ der nördlichsten Duisburger gibt. Die Jahreszahl 1715 prangt stolz am Brennerei-Anbau. Kirchenchor, Karnevalsverein, Schützenverein – so laute der „Walsumer Dreisatz“, erklärt Elmar Klein, der Alt-Walsumer sei dort in der Regel überall Mitglied. Domizil des munteren Vereinslebens ist der Festsaal „Zum Johanniter“ an der Königstraße. Und das sonstige gastronomische Angebot? „Nun ja“, lacht Klein, man habe noch zwei „Glückauf-Schenken“. Das habe nichts mit Bergbau-Historie zu tun: „Man muss Glück haben, wenn die auf haben.“
Auch zum Einkaufen müsse man in den meisten Fällen Alt-Walsum verlassen. Bäcker, ein kleiner Lebensmittelladen gibt’s, wer mehr will, muss beispielsweise zum Franz-Lenze-Platz ins nahe Vierlinden. Weiteres Wachstum ist fest eingeplant in Alt-Walsum. Den Friedhof habe man auf Erweiterung geplant, die nicht mehr nötig sei, sagt Klein. Platz für Neubauten könne man hingegen brauchen.

11:00
@8 ZebraZ1
Danke!
22:51
Sie haben Recht. Mein Kommentar war überzogen.Eigendlich sind die Bergleute genauso von der Politik über den Leisten gezogen worden wie sie.So ein Kraftwerk war schon lange vor der Schließung des Bergwerks geplant.Eigendlich tut es mir sogar Leid für Alt-Walsum.
11:00
@5 ZebraZ1
Die Straßen umbenennen ist eine klasse Idee von Ihnen. Sie haben vollkommen recht, dass die Dörfler es nicht verdient haben (das habe ich wirklich nicht verdient), dass die Straßen Namen des Bergbaus tragen.
Jetzt müssten noch die Beschäftigten des Kraftwerkes ihre vorgeschlagenen Namen ablehnen (auch das haben die Dörfler nicht verdient) und schon könnte Namen verwenden, die die Tradition dieses Stadtteiles wiederspiegeln.
an @6 Ihre Beobachtungen stimmen! Leider!
21:28
ich habe den Artikel genau studiert die Fotos sind toll aber leider nicht die Realität. Bin sehr oft in Walsum unterwegs aber dörfliches habe ich nicht gefunden, selbst die alten Bauerhäuser fallen kaum ins Gewicht, schade.Stadt bleibt Stadt und dort wird nun mal ein Dorf untergehen. Man braucht viel Fantasie um das Dörfliche zusehen.
22:29
Ich würde die Strassen umbenennen!
Zum Beispiel: Zum grossen Kühlturm,der Pfad im Schatten oder Sonnencreme freie Zone. Ihr seid auch nicht würdig die Namen des Bergbaus zu tragen.
15:44
#3
Wieso nomen est omen? Es kann ja nicht nur oberflächliche Ja-Sager geben.
13:55
@hombuerger
die Dörfler wollten auch diese Straßennahmen nicht! Aber wir wurden nicht gefragt! Alt Walsum hatte zwar die Zeche aber keine Bergwerkstradition! Ist auch schon ein paar hundert Jahre älter als die Zeche!
@b.scheuert (Nomen est omen?)
Und tschüss! :-)
12:18
Nach zwölf Jahren Alt-Walsum bin ich endlich weggezogen. Trostlose Gegend, schlimmes Volk.
09:27
...Obwohl: Straßennamen wie Zum Alten Mann, Zum Füllort, Zum Aufhauen erinnern an Walsums Bergbauvergangenheit....
von der aber kaum einer mehr was wissen will von denen,die da wohnen.Da leben nämlich einige der Berbaugegner.Schlimm ist,das ehemalige Berbauangehörige gegen das Walsumer Bergwerk demonstriert haben.Aber hauptsache billig gebaut.
Wer da gebaut hat wußte doch auf was er sich einlässt.
Einfach traurig.