Alt-Hamborn – Rund um den „Vatikan“
03.08.2010 | 18:53 Uhr 2010-08-03T18:53:00+0200
Duisburg.Wir treffen uns mitten im Leben, auf dem Hamborner Altmarkt. Obst, Gemüse, Textilien, Schnäppchen aller Art. Klaus Becker, Mitglied des WAZ-Leserbeirats, schwärmt: „Dreimal die Woche brummt hier der Bär.“
Klar, manchmal werde auch genörgelt über die vielen Händler mit Migrationshintergrund. Aber wenn’s um frische Lebensmittel geht, so weiß Becker, „hat jeder seinen Türken auf dem Markt“.
Und auch rund um den Platz pulsiert das Geschäftsleben, kleine und mittlere Läden decken den täglichen Bedarf weit über Alt-Hamborn hinaus. Umso störender ein Leerstand an prominenter Ecke: die frühere Kaufhalle, in der sich seit Jahren nichts tut.
Ein paar Schritte weiter das Rathaus-Center, eine Passage, die in der Vergangenheit auch Sorgen bereitet hatte. „Die ist wieder gut frequentiert“, sagt Becker. Alle Läden seien vermietet, ebenso die Gastronomie im Inneren.
Klaus Becker hat sich gut vorbereitet für unsere 60 Minuten in „seinem“ Stadtteil, der Hamborner Löwe ziert sogar seine Kappe. Stolz zeigt er mir die Zeugnisse des großstädtischen Dorfes, das Hamborn um 1900 war: „Ist das Rathaus nicht wunderschön?“ Ist es, keine Frage. Nebenan das einst stattliche Hotel „Handelshof“, gegenüber die Hauptpost, die frühere Landeszentralbank, das Amtsgericht (im Pflaster des Vorplatzes taucht wieder der Löwe auf), der Kaufhof (jetzt Elektro-Geschäft) – alles, was eine Großstadt braucht.
Alt-Hamborn gehört zum Stadtbezirk Hamborn und hat 11.191 Einwohner, davon 5826 Frauen, 5365 Männer, 8755 Deutsche, 2436 Ausländer.
Vom 8. Jahrhundert an lassen sich Besiedlungsspuren archäologisch nachweisen. Die älteste schriftliche Erwähnung Hamborns stammt aus dem 10. Jahrhundert. Um 970 wurde das Besitzverzeichnis der Abtei Werden geschrieben, in dem auch ein Stück Land in „Weitfelde iuxta Havenburnen“ verzeichnet ist, das heißt: in Witfeld bei Hamborn. Das Gebiet Hamborn war bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein rein ländlich geprägt. Die Industrialisierung beginnt 1848 mit der Errichtung eines Zinkblechwalzwerkes an der Emscher bei Neumühl. 1879 begann die erste Kohleförderung. 1911 erhielt Hamborn mit rund 103?000 Einwohnern Stadtrechte und wurde 1929 mit knapp 130.000 Einwohnern Teil der neuen Großstadt Duisburg-Hamborn. (Quelle: Stadt Duisburg)
Wir gehen ein paar hundert Meter weiter und noch ein Jahrhundert zurück: Bis zu Napoleons Zeiten dominierte die Abtei Hamborn: „Der Abt hatte das Sagen“, berichtet Becker, der im Schatten der Zeche Neumühl geboren ist und heute im „Vatikan von Hamborn“ wohnt, doch davon später mehr.
Erst erkunden wir die Jägerstraße mit ihren Geschäftshäusern, die mit viel Stuck und Erkern von bürgerlichem Selbstbewusstsein und Wohlstand künden. Doch die kleinen und mittleren Fachgeschäfte, klagt Becker wie viele Hamborner, sind rar geworden, dafür gebe beispielsweise es auf kurze Distanz mehr als eine Handvoll Back-Filialen: „Bei uns ist offenbar der Backwahn ausgebrochen.“
Hier finden Sie die Serien der Lokalredaktionen in der Übersicht, zum Beispiel alle Stadtteilreports und alle Folgen von Duisburgs Top Ten.
„Die Menschen sagen immer, die Zeiten werden schlimmer. Doch die Zeiten bleiben immer, nur die Menschen werden schlimmer.“ So steht’s an der Fassade der Gaststätte „Zur alten Post“, die leider eine Ex-Gaststätte ist. Was an der Aktualität des Spruches nichts ändert.
Stadtpark und Botanischer Garten sind die grünen Oasen des einstigen Industriedorfes und nur wenige Schritte vom Altmarkt entfernt. Sorgen macht sich Becker, weil städtische Sparpläne die gläsernen Gewächshäuser bedrohen, die den Garten ausmachen.
Und dann sind wir am und im „Vatikan“ Hamborns. Die 1475 von Prämonstratensern gegründete Pfarrschule verweist auf frühe Bildungsanstrengungen, das Abtei-Gymnasium mit Erweiterungsbau steht für die Zukunft der Schule, die Abteikirche erinnert an die Funktion Hamborns als geistliches Zentrum fürs Umland, und das 1929 gebaute Sankt-Johannes-Hospital beeindruckt durch Größe und Architektur. Drei steinerne Porträts an der Seite der halbrunden Fassade würdigen den einstigen Pfarrer, den Architekten und den Geldgeber August Thyssen, einen überzeugten Katholiken.
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„Die versteckte Perle des Ruhrgebiets“ wirbt Eigentümer Immeo für die „Jupp-Kolonie“, unserer letzten Station. Die alte Bergarbeiter-Siedlung ist in einem Top-Zustand, bewohnt sind die Häuser laut Becker sowohl von „uralten Hambornern“ als auch von Menschen mit türkischen Wurzeln.
Beckers Fazit der Stadtteil-Erkundung: „Hamborn hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt.“ Handlungsbedarf bestehe aber beim Wohnungsbestand, der vielfach nicht mehr zeitgemäß sei: „Das muss etwas passieren. Und wenn es Abreißen ist.“

20:14
Mal was zur WAZ.
Da gibt es eine
Serie von sehr guten Luft-Aufnahmen Duisburgs.
Wirklich!
Sehr gut!
Suchen Sie da mal nach
auch nur - 1 - in Worten: EINER - Aufnahme des Hamborner Altmarktes mit oder ohne Wochenmarkt.
Hamborn - gibt es nicht.
Nicht mal Duisburg-Hamborn!
Noch nicht gemerkt?
Duisburg-Nord gibt es.
Schöngeredet ?
19:54
Welchen Grund mag es haben, dass hier alles schöngeredet wird ?
#1 von Tischleindeckdich , am 04.08.2010 um 10:56
Meiner unmaßgeblichen Meinung nach:
Alles aufkaufen, von sowas Ähnlichem wie das da in Duisburg an der küppersmühle abgeht -
Alles abreissen -
Alles zur - natürlich kostenpflichtigen - Tiefgarage machen -
und dann - naklaaar doch - Factory outletcenter drauf - und selbstverständlich das GRÖÖÖSSTE -
mit 100.000 Kunden aus aller Welt!
Nein - nicht monatlich - mindestens Wöchentlich besser TÄGLICH-
Schöngeredet?
Was sagt Asterix zu Obelix: Die spinnen - DIE!
Nachschlag:
Test an alle Schönredner:
Wie lange schon reist Die Moderne Rhein-Ruhr-Halle schon ab?
Naaa?
Mindestens schon seit 25 Jahren.
Reist DIE ab.
Wann- wenn jemals - wird sie - abgereist sein?
Dank und Vertrauen an alle Ratsmitgliedere aller
Jemals seit 1958 in Duisburg ratenden - besser- Hamborn verratenden Rats-Mitglieder!
Gück ab - sagen Flieger -
im Gegensatz zu Bergleuten.
16:12
die Jägerstraße ist schon lange fertig. Wie in Marxloh ist es schade um jeden Euro, der hier verplempert wird. Selbst der Markt ist Schrott. Man fahre mal zB nach Moers, um zu sehen, was ein Wochenmarkt ist.
09:53
Ich bin in (Alt-) Hamborn aufgewachsen, im Jahre ´99 Beruflich weggezogen und seit gut einem Jahr wieder zurück in der Heimat. All die Jahre immer wieder zu Besuch bei Freund und Familie.
Was sich dort alles verändert hat, was NICHT im Artikel steht ist unglaublich! Was jucken mich die Architekturieschen Bauten, wenn ich hier nichts kaufen kann? Versucht doch mal für sich selbst oder für Kinder vernünftige Bekleidung zu erwerben! Backwaren oja die gibt es hier, Hunger leiden muß somit schonmal keiner! In den ´90ger Jahren gab es hier einen ordentlichen Mix der Geschäfte, damals bin ich selten bis garnicht in Nachbarstadtteile gefahren. Hamborn hatte ein sehr gutes Geschäftemix, aber heute? Wer brauch 5 Bäcker? Wer brauch Ramschläden ala 1 Euro? Hier fehlt es heute an allem. Selbst einen Metzger gab es auf der Jägerstraße. Lediglich der Samstagsmarkt hat sich (Qualitativ) gehalten. Als Kinder konnten wir noch hier und dort Bolzen, Toben, Spielen. Heute haben die Kinder nichtmehr diese Möglichkeiten. Da wird im Bereich Altmarkt lieber das Geld zum Umbau rausgeworfen, der dann als Parkflächenerweiterung Mißbraucht (!?) wird. Selbst das spontane Essen gehen mit der Familie ist hier nicht möglich, wo nichts ist kann man nicht hingehen! Ein Blick zu der Mitgliederliste auf werbering-hamborn.de spricht für sich! Früher gab es mehr miteinander, einen zusammenhalt unter den Anwohnern und Geschäftsleuten, aber heute?
Das Leben in Hamborn ist möglich, sicherlich, solange man (aus meiner Sicht) seine Freizeit / Einkäufe (außer Lebensmittel) woanders tätigt bzw. nachgeht.
Und wer sich nun fragt warum isser den dann wieder zurück wenn er nur mault...dem sei gesagt Privatsache!
19:10
Muß meine Vision vom 27.08. noch einmal kurz aufgreifen: Mußte heute auf besagtem IKBAL-Platz Slalom laufen! Gezählte Falschparker dort: 21...! Damit war die Kapazität eigentlich fast schon erreicht. Aber so eine Einladung unserer Stadt (abgeflachter Bordstein) lässt man sich ja auch nicht entgehen.
13:33
Die Juppkolonie kann man doch garnicht mehr ohne Polizeischutz betreten. Die älteren Mitbewohner dieses Ghettos trauen sich doch Abends garnicht mehr aus dem Haus.
20:58
Das war mal meine Heimat. Vor etlichen Jahren.
Es ist ungefähr so, als würde man den Bayern die Berge wegnehmen und irgendwelche Spinner erzählen einem dann noch, wie weit man ohne Berge sehen kann.
08:24
tischleindeckdich,ist das pssende wort,oder auch friedefreudeeierkuchen
18:46
Und Hamborn ist jetzt um eine weitere Attraktion reicher: Der neugeschaffene Platz mit Sitzbänken vor der IKBAL-Bäckerei am Altmarkt. Da die Parkmöglichkeiten gegenüber schließlich 20 Meter entfernt liegen, wird der Platz wohl kurzfristig für Pide-Einkäufe zweckentfremdet werden, wie schon zuvor die dortige Bushaltestelle! Wetten?! Interessiert aber eh kein Schwein mehr, oder?
15:15
Ich wohne nun seit Ende 2005 nicht mehr in der versteckten Perle des Ruhrgebietes ... mein Gott, wie abscheulich ist es dort mittlerweile wenn man es mit nun zeitlichem Abstand betrachtet.
Aber eine hübsche Werbung für den Verkäufer immeo.
Netter Versuch liebe ***********.