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Schicksalsschlag

ALS-Kranke Duisburgerin glaubt noch an ein Wunder

08.09.2014 | 18:05 Uhr
ALS-Kranke Duisburgerin glaubt noch an ein Wunder
Gaby Haeser ist als ALS erkrankt. Sie und ihr Mann Michael erzählen aus ihrem Leben.Foto: Fabian Strauch

Duisburg.  „Schreiben Sie mal, dass wir noch an Wunder glauben!“ Wer Michael Haeser solche Sätzen sagen hört, spürt schnell, wie wichtig dieser Glaube ist, diese Kraft, die Hoffnung gibt. Michael Haesers Frau Gaby (53) ist an ALS erkrankt.

„Schreiben Sie mal, dass wir noch an Wunder glauben!“ Wer Michael Haeser solche Sätzen sagen hört, spürt schnell, wie wichtig dieser Glaube ist, diese Kraft, die Hoffnung gibt. Michael Haesers Frau Gaby (53) ist an ALS erkrankt.

Jene unheilbare Krankheit, die auf einmal jeder kennt, der im Internet unterwegs ist und Filmchen sieht, auf denen sich mehr oder weniger Prominente Eiswasser über den Kopf gießen, um Spenden für die ALS-Forschung zu sammeln. Was für viele Teilnehmer der sogenannten „Ice Bucket Challenge“ eher ein lustiger Spaß für einen guten Zwecke ist, ist für Betroffene wie das Ehepaar Haeser grausamer Alltag: das Leben mit ALS.

Deshalb kommt auch die Retoure so prompt, wenn man das Ehepaar nach der Sinnhaftigkeit dieser Nominierungswettbewerbe fragt. „Würden Sie dann hier sitzen? ALS war die ganze Zeit eine kaum beachtete Krankheit. Es interessierte sich niemand dafür. Es gibt kein Heilmittel, also lasst die Kranken doch sterben... Plötzlich reden alle darüber.“ Eindeutiger kann ein Votum über Sinn und Unsinn von Eiswasser-über-den-Kopf-gieß-Filmchen kaum ausfallen.

Es begann mit Wadenkrämpfen

Angefangen hat bei Gaby Haeser alles ganz harmlos mit Wadenkrämpfen im April 2013. Dann konnte sie im Urlaub kaum ihren Fuß heben. Kann ja ein eingeklemmter Nerv sein, oder ein Bandscheibenvorfall dachte sie noch, suchte im Juli einen Osteopathen auf, doch der verwies sie an den Hausarzt zurück. Der schickte Gaby Haeser ins Krankenhaus in die Neurologie zu diversen Tests. Am Ende stand fest: Gaby Haeser leidet an ALS. „Es gibt ja nur eine Ausschlussdiagnose“, weiß Michael Haeser. Deshalb ist ALS auch nicht einfach zu erkennen. Doch bei Gaby Haeser gab es nur wenig Zweifel. „Sie hatte vormittags den Termin, bekam die Ergebnisse und schickte mir eine SMS „Komm nach Hause“.“ Michael Haeser kam, seine Frau erzählte ihm von den Ergebnissen und beide weinten. Sie wussten einigermaßen, was auf sie zukommt. Ein Freund von ihm war 2008 an ALS gestorben, ein Bekannter leidet sei 14 Jahren an ALS.

Die Erkrankung
Das Vereinstreffen von ALS - der Wunsch zu leben

Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS genannt, ist eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems, die bisher unheilbar ist. Von 100.000 Menschen erkranken pro Jahr etwa ein bis drei Personen neu.

ALS-der Wunsch zu Leben e.V.“ ist eine Selbsthilfevereinigung, die sich aus ALS-Erkrankten, deren Angehörigen und Menschen zusammensetzt, die Betroffenen helfen möchten. Sie unterstützen Betroffene im Alltag und helfen, ihre Selbstbestimmtheit und Selbstständigkeit zu erhalten.

Am 20. September findet von 11 bis 18 Uhr im Bürgerhaus Hagenshof das jährliche Vereinstreffen statt.

Aber keiner von beiden konnte sich vorstellen, was tatsächlich auf sie zukommt, welche Hürden sie überwinden mussten. Denn die Krankheit entwickelt sich erst einmal sehr schnell. Nach der Diagnose fühlten sich die Haesers vom Klinikum allein gelassen. „Es gab die Empfehlung, dass wir doch erst einmal in den Urlaub fahren sollen“, schüttelt Michael Haeser noch heute sauer den Kopf, wenn er daran denkt. Kein Infoblatt, keine Adressen, an die man sich wenden kann. Dass es auch anders geht, erfuhren sie dann Anfang Oktober in Ulm, wo sich ein Krankenhaus auf ALS-Patienten spezialisiert hat. „Diese Menschlichkeit, diese Wärme, diese Güte“. Michael Haeser gerät ins Schwärmen. Seine Frau würde wahrscheinlich in den Chor einfallen, kann es aber nicht mehr. Das Sprechen fällt ihr schwer. Die Diagnose war immer noch dieselbe, aber die Menschlichkeit der Mitarbeiter hat die Haesers beeindruckt.

Am 12. Oktober, zur Party von Michael Haesers 60. Geburtstag, musste Gaby Haeser zum ersten Mal den Rollator benutzen, schaffte aber noch mit ihrer Trommeltruppe einen Auftritt. Nur die Tanzeinlage, die klappte nicht mehr. Dabei wäre es so schön gewesen, denn durch das Tanzen hatten sie sich 1979 kennengelernt, gemeinsam Turniere bestritten, sich aber dann aus den Augen verloren und erst 2004 wieder gefunden.

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Kommentare
08.09.2014
20:01
ALS und der Glaube an ein Wunder
von Halima | #1

Ich kann das sehr gut nachvollziehen.
Vor 10 Jahren hatte ich einen Mitarbeiter bei einem persönlichen Besuch kennenhelernt, als er einen...
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ALS-Kranke Duisburgerin glaubt noch an ein Wunder
ALS-Kranke Duisburgerin glaubt noch an ein Wunder
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http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/als-und-der-glaube-an-ein-wunder-id9799085.html
2014-09-08 18:05
Duisburg, ALS, Ice Bucket Challenge, Rollstuhl, Pflege, Intensiv-Pflege, Rampe, Ulm Forschung
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