Das aktuelle Wetter Duisburg 15°C
Ausblick

Was eine Wahrsagerin der Stadt Duisburg für 2013 prophezeit

01.12.2012 | 15:00 Uhr
Sandra Schiffer nennt sich „Medium“ und blickt für die NRZ in das Neue Jahr 2013Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.  2012 war für Duisburg ganz schön durchsetzt von Hiobsbotschaften. Eigentlich kann es ja nur noch besser werden im neuen Jahr. Oder? Die Wahrsagerin Sandra Schiffer blickt ins Jahr 2013 und plaudert und plaudert ...

Das ist das Schöne an einem allerletzten Tag im Jahr: Nur noch ein paar Stunden und fünf Glas Punsch – dann werden die Karten fürs neue Jahr ganz neu gemischt. Neues Spiel, neues Glück: Das zu Ende gehende Jahr 2012 in Duisburg, es war ja ganz schön durchsetzt von Hiobsbotschaften wie strauchelnde städtische Gesellschaften, gähnend leere Stadtkassen und völlig verkorkste öffentliche Bauprojekte. Eigentlich kann es ja nur noch besser werden im neuen Jahr. Oder?

Aber wer will das schon wissen? Das kann doch keiner wissen, denken Sie? Von wegen! Irgendwo im Dellviertel, da wohnt Sandra Schiffer . Fragt man die blonde, lebensfrohe Mitvierzigerin nach ihrer Profession, so erfährt man zunächst eher neutral die Beschreibung „Dozentin“. Aber dann flüstert sie augenzwinkernd hinterher: „Ich bin eine Berufshexe.“

Im neuen Jahr eine große Spende von außen

Oh! Sandra ist ein „Medium“, ein „Orakel“, eine „Wahrsagerin“. Spricht sie „wahr“? Sag’ uns die Wahrheit, Sandra. Blicke für uns ins kommende Jahr.

Wahrsager
Von Glauben und Aberglauben

Ob Wahrsager tatsächlich zukünftige Ereignisse vorhersagen können, ist seit dem 18. Jahrhundert nicht mehr Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. Den Glauben daran rechnen Kirchen und Theologen dem Aberglauben zu. Die kath. Kirche und maßgebliche ev. Theologen lehnen das Wahrsagen ab und argumentieren, es handele sich um eine Anmaßung des Menschen gegenüber Gott und sei mit dem christlichen Glauben unvereinbar.

Diese Stadt Duisburg ist so pleite, sie ist so arm und du, Sandra, du bist so reich an mystischem Wissen und seherischer Kraft, blicke für uns in die Tarot-Karten und erzähle uns, was werden wird.

Kein Wunder, dass ein Medium, dermaßen höflich befragt, sich nicht lange bitten lässt: „Im neuen Jahr“, so prophezeit das Medium vom Dellviertel, „wird es eine große Hilfe von Außen für diese Stadt geben, eine finanzielle Wohltat, die uns alle weiterbringt.“ Die Karte „Rad des Schicksals“ zusammen mit der Karte „Harmonie“ sagen ihr das ganz genau. Dann muss es ja stimmen. Das Universum, so sagt sie, hält für diese Stadt eine großen Geldsack bereit. Wunderbar!

Bei der Mercatorhalle kann nur noch ein Wunder helfen

A propos Geldsack: Könnte der dann nicht auch beim furchtbaren Murkel-Bau „Mercatorhalle“ hilfreich sein? Wann erklingt hier wieder Musik der Philharmoniker? Oh, der Blick der Kartenleserin, er verfinstert sich, sie starrt auf einzelne Karten mit den symbolträchtigen Namen „Fünf der Kelche“ und „Münzritter“, die sie so eben auf den Glastisch geblättert hat und sie orakelt: „Hier kann eigentlich nur noch ein Wunder helfen, dass im Jahr danach wieder die Musik erklingt.“ Au weh, selbst der verschobene Neueröffnungstermin vom Sommer 2014 steht also auf wackligen Füßen, um den Pfusch am Bau in der Mercatorhalle komplett zu beseitigen? „Es fehlt das Geld, ein Münzritter, ein großzügiger Sponsor muss sich finden.“

Neues Jahr, neues Glück - mit einem Blick in die Karten. Foto: Tanja Pickartz

Aha, ein Münzritter, also! Na, das sind ja deprimierende Aussichten, meine hochvereehrte Frau Sandra! „Ja“, sagt sie „ich wäre ja auch viel lieber die Glücksfee“, doch was soll ich machen, die Karten sind unbestechlich.“ Ach so.

Wie wird man eigentlich Wahrsagerin? Bist du mit Harry Potter zur Zauberer-Universität gegangen? Über diese dämliche Frage kann Sandra nur milde lächeln: Sie habe an der Uni in Essen Kommunikationswissenschaften und Geschichte studiert, war danach freischaffende Management-Trainerin für die Ruhrkohle AG und hatte durch viele Krankheiten und manche so genannte „Nahtod-Erfahrungen“ schon sehr früh einen Sensus für das Hüben und Drüben, für das Gewesene und für das Kommende. Irgendwann habe sie die bürgerliche Welt der Büros und der kernarbeistzeit abgelegt und sei nur noch als „Medium“ unterwegs.

Zu ihr kommen Politiker aus der Stadt, Ärzte und Rechtsanwälte

Zum Beispiel in der Vorweihnachtszeit trifft man Sandra telefonisch an der „Astroline“ – für stolze 2,49 Euro pro die Minute legt sie fernmündlich den Anrufern die Karten.

Jahresrückblick
Themen, die 2012 in Duisburg Schlagzeilen machten

Von der Abwahl des Oberbürgermeisters Adolf Sauerland über den 500. Geburtstag von Gerhard Mercator bis zur vorläufigen Rettung des Lehmbruck-Museums:...

Aber sie empfängt auch zu Hause, im Dellviertel, in ihrer Burg voller Phantasie, Symbolik und freifliegender Vögel , ihre meist männliche Kundschaft. Da kommen Politiker aus der Stadt, Ärzte und Rechtsanwälte, sie alle wollen Hilfestellung und Auskunft für ihr Tagwerk und für ihr Seelenleben. Und Sandra legt die Tarotkarten, lässt die ägyptischen Runen über den Glastisch poltern, oder blickt tief in den „Astro-Charger“ eine imposante Apparatur mit Brennglas und Teelicht.

Ja, kann sie denn wirklich die Zukunft voraussagen, liebe Sandra? „Zufälle“, sagt Sandra, seien „Geschehnisse“, die dem Menschen aus dem großen Universum „zufallen“. Und das Universum, es sei voller Energie und voller Botschaften. Man müsse sie nur verstehen, richtig aufzunehmen.

Wir danken artig, der Zeitungsmann und die Fotografenfrau, ziehen davon, um eine bunte Erfahrung reicher und neugierig auf das neue Jahr 2013. Man sieht sich.

Das war 2012 in Duisburg

 

Stefan Endell

Kommentare
02.01.2013
06:45
Was eine Wahrsagerin der Stadt Duisburg für 2013 prophezeit
von TVtotal | #6

Schon traurig womit hier der Platz verschwendet wird!

Funktionen
Lesen Sie auch
Aus dem Ressort
Unsichere Jobs werden in Duisburg zum „Normalfall“
Arbeitsmarkt
Leiharbeit, Teilzeit- und Mini-Job statt regulärer Beschäftigung: Gewerkschaften nennen die Situation in Duisburg „alarmierend“.
Hitze verursacht Stress in den Notfall-Ambulanzen
Hitze-Welle
Rund ein Drittel mehr Patienten als an einem „normalen“ Wochenende suchten wegen der Hitze Hilfe in den Duisburger Ambulanzen.
Attacke mit Böller auf Wohnung im Duisburger Norden
Polizei
Ein sogenannter „Polen-Böller“ zerstörte in der Nacht zum Sonntag den Balkon der Wohnung eines Ehepaares in Neumühl. Die Kriminalpolizei ermittelt.
Brand in Duisburg vernichtet Gewächs- und Lagerschuppen
Feuerwehr
Unweit der Aakerfährbrücke brannte in der Nacht zum Sonntag ein Gebäude ab. Die Feuerwehr konnte verhindern, dass zwei Gasflaschen explodieren.
Ritchie Blackmores Reise ins Mittelalter
Kultur
Deep-Purple-Gitarrist Ritchie Blackmore war mit „Blackmore’s Night“ im Theater am Marientor zu Gast. Ein klatschbereites Publikum feiert die Musiker.
Fotos und Videos
Hitze im Westen
Bildgalerie
Wetter
Rundgang durch das Stadttheater
Bildgalerie
WAZ öffnet Pforten
Nachwuchs im Zoo Duisburg
Bildgalerie
Seelöwen-Babys
MSV-Kicker schwitzen für die 2. Liga
Bildgalerie
MSV-Trainingslager
article
7433846
Was eine Wahrsagerin der Stadt Duisburg für 2013 prophezeit
Was eine Wahrsagerin der Stadt Duisburg für 2013 prophezeit
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/alles-wird-gut-oder-etwa-nicht-id7433846.html
2012-12-01 15:00
Wahrsagerin,Duisburg
Duisburg