Akrobatik, Tanz und afrikanische Lebensfreude pur

„Khayelitsha – my home“: So heißt ein südafrikanisches Township. Und das Alltagsleben seiner Bewohner stand im Mittelpunkt des gleichnamigen Programms. Tanz, Musik und showreife Akrobatik bilden den roten Faden der Erfolgsshow, mit der das Ensemble von Mother Africa am Sonntagabend im Theater am Marientor gastierte.

„Khayelitsha“, das bedeutet übersetzt: „Unsere neue Heimat“. Rund zwei Millionen Menschen wohnen in diesem Township, ihr Leben ist oft gekennzeichnet von bitterer Armut. Doch Winston Ruddle, Kreativdirektor und Erfinder des Stückes, will die klischeehaften Vorurteile über das Leben in den Townships mit einem Augenzwinkern umdrehen und das gängige westliche Bild von Afrika auf den Kopf stellen.

Seine Show lebt von einem Mix aus Moderne und traditionsreichem Zulu-Stil. Das 40-köpfige Ensemble aus sieben afrikanischen Nationen inspiriert sich dabei gegenseitig. Innerhalb der Gruppe treffen unterschiedliche Sprachen, Religionen und Kulturen aufeinander, die sich auf der Bühne zu einer vielfältigen Performance verbinden.

Neben einem Einblick in ferne Kulturen überzeugt die Show mit atemberaubender Akrobatik. Die Gesetze der Schwerkraft scheinen für die Darsteller außer Kraft gesetzt. Anders ist es kaum zu erklären, dass der Äthiopier Abreham Abebe Mola es schafft, minutenlang auf einer freistehenden Leiter nicht nur zu balancieren, sondern sie auch im Eiltempo und ohne fremde Hilfe, hoch und herunter zu klettern.

Sein Landsmann, der erst 14-jährige Tomas Temu Alemu, sorgte für Staunen. Sein Tanzpartner schleuderte ihn auf seinen Füßen regelrecht durch die Luft. Und als sei dies noch nicht genug, nutzte Tomas die Zeit in der Luft noch für ein paar Salti. Egal, ob schwindelerregende Touren auf einem Einrad, Balanceakte auf Rohren oder einem Menschen, der sich einmal gänzlich durch einen Tennisschläger zwängt: Alle Darbietungen sind spektakulär.

Die Live-Band „In Africa“ sorgte für die musikalische Untermalung. Mit traditionellen Instrumenten, Gesang und ganz viel Rhythmus sorgten sie für eine ausgelassene Stimmung. Als alle Tänzer am Ende der Show gemeinsam die Bühne betraten und tanzten, wurde eines deutlich: Auch wenn nicht jeder Kniff saß, war Khayelitsha nicht nur anspruchsvolle Akrobatik, Tanz und Musik, sondern pure Lebensfreude, die das Publikum ansteckte.