„Aida“ ganz nobel im Salon

Für die Solisten und den Chor der Deutschen Oper am Rhein muss diese „Aida“-Premiere, die mit einer Schweigeminute für Oleg Bryjak und alle anderen Opfer des Flugzeugabsturzes in den französischen Alpen begann, ein schwieriger Abend gewesen sein. Trotz dieser traurigen Umstände zeigen am Sonntag alle Künstler im Duisburger Theater großen Einsatz und werden am Ende einhellig gefeiert.

Regisseur Philipp Himmelmann verlegt Verdis Oper um Liebe, Eifersucht, Politik und Krieg, die ihre Düsseldorfer Premiere schon im vergangenen November erlebt hatte, aus dem alten Ägypten in ihre Entstehungszeit um 1870. Da die Konflikte, die in dieser Oper gezeigt werden, zeitlos sind, kann man das machen, zwingend notwendig erscheint es nicht.

Johannes Leiacker hat schon für Essen und Hamburg „Aida“-Bühnenbilder entworfen, die einen Tunnel zeigen, der scheinbar in die Unendlichkeit reicht. Sein Entwurf für die Rheinoper kann da nicht mithalten: Diesmal hat er sich einen großbürgerlichen Salon mit Sofa, Sesseln, Klavier und Palmen erdacht. Umgeben ist dieser Raum von einer Gitterwand aus Neonröhren, die zeigen soll, dass die Figuren in den gesellschaftlichen Zwängen der Zeit gefangen sind.

Trauermarsch mit Särgen

Zwar betont die Rheinoper, man wolle mit dieser „Aida“ keine Gigantomanie auf die Bühne bringen. Jedoch wurde bei den noblen Roben und Gewändern, die Kostümbildnerin Gesine Völlm entworfen hat, nicht gespart.

Gut ist die Idee, während des Triumphmarsches keine Jubelfeier zu zeigen, sondern auch die inneren Konflikte der Hauptfiguren darzustellen. Die Tatsache, dass der Trauermarsch bei Himmelmann zur großen Totenfeier mit vielen Särgen wird, die dann auch in der Nil-Szene des dritten Aktes die Bühne dominieren, dürfte für die Künstler nach dem Tod ihres langjährigen Kollegen Oleg Bryjak keine leichte Situation gewesen sein.

Insgesamt muss man aber bewundern, wie professionell und engagiert die Solisten und Chöre es schaffen, ihre Rollen zu verkörpern. Morenike Fadayomi, die Aida des Abends, spielt die Zerrissenheit ihrer Figur aus, deren Liebe zum Feldherr Radames gleichzeitig Verrat an der Heimat bedeutet.

Als ihre Rivalin Amneris gelingt es Susann MacLean, die dramatischen und lyrischen Aspekte der Rolle gut zu kombinieren. Sergej Khomov gestaltet den Radames mit lyrischem Tenor eher als jugendlichen Schwärmer in der Nähe eines Werther denn als großen Politiker. Auch in seiner noblen Gewandung wirkt er nicht wie ein Feldherr, sondern wie ein Philosoph.

Mit einem imposanten Bariton singt Boris Statsenko den Amonasro, und Bogdan Talos gefällt als König mit seiner warmen Bassstimme. Sami Luttinen ist als Oberpriester Ramfis ein dekadenter Intrigant, und Eva Badorová darf als Tempeldienerin nicht nur schön singen, sondern auch noch einen Ausdruckstanz zeigen.