„Aida“ abseits von Ägypten

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Als Giuseppe Verdis „Aida“ am 24. Dezember 1871 im Opernhaus in Kairo uraufgeführt wurde, war das Publikum begeistert vom orientalischen Flair der Musik und den prächtigen Bildern aus der Pharaonenzeit, in der die tragische Liebesgeschichte zwischen der äthiopischen Sklavin Aida und dem ägyptischen Feldherrn Radames spielt. Philipp Himmelmann verlegt in seiner „Aida“-Inszenierung an der Deutschen Oper am Rhein, die am Sonntag, 29. März, ihre Duisburg-Premiere im Stadttheater hat, in die Zeit der Entstehung, also ins späte 19. Jahrhundert.

In der „Opernwerkstatt“ erläuterten am Mittwochabend Dramaturgin Hella Bartnig, Generalmusikdirektor Axel Kober und Stefanie Salm, Leiterin der Kostümabteilung, Aspekte der Neu-Inszenierung. Warum Himmelmann das Stück in eine andere Zeit verlegte? Deutschland hatte im September 1870 bei Sedan den französischen Kaiser Napoléon III. gefangen genommen. Ein Krieg, der an die Auseinandersetzung zwischen Äthiopien und Ägypten und die Situation des Königs Amonasro erinnere. „Dadurch ließ sich Verdi, als er im November 1870 Aida fertigstellte, beeinflussen“, so Hella Bartnig.

Das Team mit Bühnenbildner Johannes Leiacker und Gesine Völlm, die im Herbst 2014 im „Jahrbuch Opernwelt“ bereits zum dritten Mal zur „Kostümbildnerin des Jahres“ gewählt worden ist, hat sich für Kostüme im Stil der Gründerzeit entschieden. Stefanie Salm erläuterte, wie intensiv recherchiert und gearbeitet wurde. Statt Leinenhemdchen und Sandalen gibt es Kleider aus grünem, grauem oder schwarzen Seidensamt und Korsetts. Teilweise haben sich die Kostümbildnerinnen aus dem Kleiderfundus bedient, manche Teile aber mussten eigens angefertigt werden. Etwa das „Cul“, das Ende des 19. Jahrhundert für das abstehende Gesäß unter den Kleidern sorgte. „Es war ein wahnsinnig großer Aufwand, aber er hat sich definitiv gelohnt“, sagt Salm über den Entstehungsprozess der 160 individuellen Kostüme.

„Aida hat keine klassischen ägyptischen Klangelemente. In der Musik ist eine sehr europäische Sichtweise auf Ägypten zu hören, die allenfalls exotisch oder östlich klingt“, sagt Generalmusikdirektor Axel Kober. Er ist begeistert von der Aussagekraft der Partitur. Verdi habe in seiner Komposition nicht nur Platz für große Arien gelassen, sondern als einer der ersten Musik als Handlungselement eingesetzt. „Gerade der Triumphmarsch oder die Kriegsaufforderung sind viel mehr als eine reine Untermalung des Stücks. Sie sind wesentlich für die Stimmung auf der Bühne“, sagt Kober.