Agenturchef sieht viele Fragezeichen

„Etliche Fragezeichen“ sieht der Geschäftsführer der Duisburger Agentur für Arbeit, Ulrich Käser, in seiner vorsichtigen Prognose für den Arbeitsmarkt in 2015. Da ist zum Beispiel die Einführung des Mindestlohns mit Jahresbeginn, deren Konsequenzen der Arbeitsmarkt-Experte noch nicht abzuschätzen vermag. Gibt es deshalb in Duisburg einen Arbeitsplatzabbau? Steigen deshalb die Arbeitslosenzahlen? Man weiß es nicht. Noch nicht.

Zwei Szenarien sind möglich. Die positive Möglichkeit: Die Zahl der sogenannten Aufstocker sinkt, weil der Mindestlohn in Kraft getreten ist. Aufstocker sind die Menschen, die zwar arbeiten, aber so wenig verdienen, dass das Jobcenter einspringt. Das waren in Duisburg im vergangenen Jahr fast 11.000 Menschen, darunter etwa 900 Selbstständige. Die würden nun, weil sie mehr Geld verdienen, keinen Anspruch mehr auf zusätzliche Leistungen des Staates haben.

Zweite Möglichkeit: Weil Betriebe nicht bereit oder in der Lage sind, den Mindestlohn zu zahlen, fallen Arbeitsplätze weg, die Betroffenen werden arbeitslos und beziehen Geld vom Staat. Wahrscheinlich wird es eine Mischung aus beiden Szenarien in Duisburg geben, doch niemand kann prognostizieren, in welche Richtung das Pendel stärker ausschlagen wird. Ulrich Käser: „Das kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt niemand seriös beziffern.“

Zwei Schwerpunkte will die Arbeitsagentur im neuen Jahr setzen: Jugend und Langzeitarbeitslosigkeit. „Die unter 25-Jährigen waren im Jahr 2014 ein Schwerpunkt unserer Arbeit. Besonders die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte zeigt mir, dass sich so Fortschritte erreichen lassen. Bis zum Jahresende konnte die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen jungen Menschen deutlich reduziert werden. Wir liegen aktuell auf dem Niveau des exzellenten Jahres 2008“, sagt Käser. Das ist für ihn aber kein Endpunkt, sondern nur ein Etappenziel: „Auch 2015 werden wir uns mit der gleichen Intensität dem Thema Jugendarbeitslosigkeit widmen. Gerade wegen der demografischen Veränderungen müssen wir uns dieser Personengruppe besonders intensiv widmen.“ Und er nimmt die Arbeitgeber in die Pflicht: „Ich erwarte hier mehr Mut und Offenheit bei den Betrieben“, sagt Käser im Hinblick auf Klagen über mangelnde Ausbildungsreife. Gerade für diese Klientel habe die Agentur ein breites Spektrum an Hilfen im Portfolio, um bestehende Defizite zu beheben.

Besondere Aufmerksamkeit wollen Agentur und Jobcenter auch den Langzeitarbeitslosen widmen, deren Anteil in Duisburg besonders hoch ist. „Nur wenn es uns gelingt, die Integrationschancen zu erhöhen und die Startpositionen zu verbessern, werden wir mittelfristig eine deutliche Senkung der Arbeitslosigkeit erreichen“, ist der Geschäftsführer der Arbeitsagentur überzeugt.