Agentur der Bandbreite unterstellt Betrug bei Voting für The Dome (RTL II)

Die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Eva Herman bewarb für den sendungsbewussten wie umstrittenen Kopp-Verlag den Aufruf der Duisburger Band „Die Bandbreite“ für die „9/11“-Demo in Karlsruhe (im Bild: das Video auf www.kopp-verlag.de). Die Booking-Agentur der Polit-Popper indes wirft Bandbreite-Konkurrenten  im Kampf um einen Gig im Vorprogramm von „The Dome“ (RTL II) Betrug vor.
Die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Eva Herman bewarb für den sendungsbewussten wie umstrittenen Kopp-Verlag den Aufruf der Duisburger Band „Die Bandbreite“ für die „9/11“-Demo in Karlsruhe (im Bild: das Video auf www.kopp-verlag.de). Die Booking-Agentur der Polit-Popper indes wirft Bandbreite-Konkurrenten im Kampf um einen Gig im Vorprogramm von „The Dome“ (RTL II) Betrug vor.

Duisburg.. Die Lieblingsband deutscher Verschwörungsfans versetzt RTL II und ihre Kritiker in Aufregung: Die Booking-Agentur der Musiker von „Die Bandbreite“ wirft der Konkurrenz im Kampf um einen Auftritt bei „The Dome“ Betrug vor und bewirbt eine „9/11“-Demo zwielichtiger Blogger.

Die Verschwörungstheorien verbreitende Duisburger Band „Die Bandbreite“ wittert eine Verschwörung auf den Internetseiten des Privatsenders RTL II: Die Booking-Agentur „Solievent“ von Sänger Marcel „Wojna“ Wojnarowicz und DJ Torben (Eckhoff) verbreitete am Mittwoch Betrugsvorwürfe gegen die Karlsruher Deutschrocker „Was wäre wenn“. Die haben es wie „Die Bandbreite“ ins finale Online-Voting zu „The Dome 59“ von RTL II geschafft, sollen dieses aber mit gefälschten User-Profilen zu ihren Gunsten manipulieren. Das zumindest wirft „Solievent“ der Gruppe in einer Pressemitteilung vor. Offenbar steht für die Musiker viel auf dem Spiel: Der Sieger des Votings darf im Teenie-Paralleluniversum des Privatsenders den Anheizer für Casting-Teilnehmer und internationale Teenie-Stars geben.

RTL II: „Vorwürfe entbehren jeder Grundlage“

„Eine super Möglichkeit, der breiten Masse mal alternative Wahrheiten vor die Nase zu setzen und für die wahren Probleme in unserem Land zu sensibilisieren“, hofft Wojnarowicz, dem Kritiker mehrfach Antisemitismus vorgeworfen haben. Sie alle verklagte der Polit-Popper auf Unterlassung dieser Behauptung, weshalb etwa die taz nicht mehr berichten darf, die Bandbreite verbreite anti-semitische Texte. Musikalisch ist Wojnarowicz jedes Mittel recht, um seine Botschaften zu verbreiten: Seine Ausflüge in den Kalauerpop, etwa mit der nationalstolzen Ballermann-Hymne „Weltmeister (Ja wat denn)“ führten ihn 2010 bei „Schlager total“ ins Vorprogramm von Michael Wendler. Zuletzt ließ sich das Duo bei seinem Protestsong gegen Duisburgs OB Adolf Sauerland zu Volksmusik hinreißen.

Am 31. August nun will die mit der Anti-Hymne „Dat is Duisburg“ über die „truther“-Szene (siehe Infobox) hinaus bekannt gewordene Bandbreite tausende Teenager mit der Rap-Ballade „Was ist los in diesem Land“ in Ludwigsburg konfrontieren. Darin nennt Wojnarowicz Bundestagsabgeordnete „verhurte Volksvertreter“ und „Extremisten“, beschuldigt Deutschland der Teilnahme am „Völkermord“ in Afghanistan und die Nato des Einsatzes von Uran in Kabul.

Truther-Bewegung Allerdings befürchtet die Band, durch „Betrug“ ihrer neuen Zielgruppe beraubt zu werden: Zwar hat sie mit einer Netzwerk-Offensive im Web 2.0, den Verschwörungsfans im deutschsprachigen Raum und der „Unterstützung durch Nina Hagen“ (Solievent) Platz eins im Endvoting erobert. Die Konkurrenten von „Was wäre wenn“ haben jedoch jüngst mächtig Boden gut gemacht. „Solievent“ und Bandbreite-Fans haben Betrugsvorwürfe unter Berufung auf die Nutzungsbedingungen der Website nicht nur an die ihnen verhassten „Mainstreammedien“ geschickt, sondern auch an die Administratoren von www.the dome.de. Die aber lassen auch die angeblich gefälschten Profile nicht gelten. Die RTL-II-Pressestelle teilt mit: „Wir haben den Fall eingehend geprüft. Die Vorwürfe entbehren jeglicher Grundlage. Bei den abgegebenen Stimmen für die Band 'Was wäre wenn' konnten wir keinerlei Verstöße feststellen. Die Abstimmung läuft somit völlig regelkonform.“

Joachim Nagel, Keyboarder bei „Was wäre wenn“, erklärt, von gefälschten Profilen auf thedome.de und den Vorwürfen aus Duisburg nichts zu wissen. An die Anhänger seiner Karlsruhe Kapelle appelliert er dennoch vorsichtshalber, „so etwas zu unterlassen. Das würde doch eh auffliegen. Wir wollen auf ehrlichem Wege zu ‚The Dome’.“

Bündnis von rechtspopulistischen Bloggern und 9/11-Verschwörungstheoretikern

In Nagels Heimatstadt hat „Die Bandbreite“ einen großen Auftritt übrigens bereits sicher: Vor dem zehnten Jahrestag der Anschläge vom 11. September veranstaltet ein Netzwerk der selbst ernannten „Wahrheitsbewegten“ eine „9/11“-Demo für „Wahrheit und Aufklärung der Vorfälle vom 11. September“. Dem Bündnis gehören etwa die Macher des rechtspopulistischen Blogs „Alles Schall und Rauch“ und der Site „The Real Stories“ an. Letztere berichtet beispielsweise über die Vereinigungen des Laienpredigers Ivo Sasek, die von Landeskirchen als gefährliche Sekten eingeordnet werden.

Die El-Kaida-Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon sind eines der Lieblingsthemen der Bandbreite: „Habt ihr dat vielleicht selbst gemacht, den Terror selbst in die Welt gebracht“, reimt die Band in „Selbst gemacht“. Statt der islamistischen Terroristen – so vertreten es „Wojna“ und DJ Torben allen Ernstes – seien die US-Regierung oder eine geheime Elite für den Massemord verantwortlich.

Eva Herman meldet Bandbreite-Aufruf für umstrittenen Kopp-Verlag

MT Loveparade Duisburg Spezialseite Und nicht nur Marcel Wojnarowicz wirbt mit einem Video für die Demo am 10. September. Auch der Kopp-Verlag, der sich auf Esoterik-Themen sowie Literatur von Verschwörungstheoretikern spezialisiert hat „und dessen Autoren zum Teil eine inhaltliche Nähe zur rechten Szene aufweisen“ (evangelisch.de, Gemeinschaftswerk der evangelischen Publizistik), trommelt für den Aufmarsch in Karlsruhe: In seinen „Nachrichten, die Ihnen die Augen öffnen“ ließ der Verlag online die 2007 entlassene Tagesschau-Sprecherin Eva Herman die Veranstaltung ankündigen.

Nicht nur in der Heimatstadt der Bandbreite erhitzte Herman nach der Loveparade mit der Andeutung einer Gottesstrafe die Gemüter: Am Tag nach der Katastrophe, bei der 21 Menschen tödlich verletzt wurden, ließ sich die Anti-Feministin über das „Sodom und Gomorra mit katastrophalen Folgen“ aus: „Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen! Grauenhaft allerdings, dass es erst zu einem solchen Unglück kommen musste.“