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AfD-Vorsitzender in Duisburg tritt nach NPD-Affäre selbst zurück

02.11.2014 | 17:41 Uhr
AfD-Vorsitzender in Duisburg tritt nach NPD-Affäre selbst zurück
Der verbliebene AfD-Vorstand (v.l.): Marion Stöbbe, Ulrich Martel, Heiko Thyssen und Rolf Cappel.Foto: Daniel Wiberny

Duisburg.   Der umstrittene AfD-Vorsitzende Holger Lücht ist nach der NPD-Affäre beim mit Spannung erwarteten, außerordentlichen Kreisverbandstag in Duisburg selbst zurückgetreten und damit wohl einer Abwahl entgangen. Lücht soll außerdem aus der Partei ausgeschlossen werden.

Holger Lücht schaffte gleich zu Beginn selbst Fakten und trat als Vorsitzender des Duisburger Kreisverbandes der „Alternative für Deutschland“ (AfD) zurück. Im Vorfeld des außerordentlichen Parteitags am Sonntag war er bereits als Fraktionsvorsitzender abgewählt worden.

Hintergrund sind gemeinsame Abstimmungen mit rechtsextremen Parteien wie der NPD im Rat und eine ausgebliebene Distanzierung davon. Seit Wochen tobt deswegen eine Schlammschlacht an der Spitze des Kreisverbandes. Gegenseitige Anschuldigungen setzten sich in einer teils sehr emotional geführten Debatte während der Versammlung fort. So hatte Lücht seinen Abwahlantrag mit Abwahlanträgen gegen andere Vorstandsmitglieder gekontert, die im weiteren Verlauf aber mit großer Mehrheit abgeschmettert wurden.

„In unserer Satzung distanzieren wir uns ganz klar von rechtsextremer Ideologie"

Lüchts Rücktritt begrüßte nicht nur ein Großteil der gut 30 anwesenden Mitglieder mit Beifall, sondern auch ausdrücklich der Landesvorsitzende der AfD, Marcus Pretzell. Er hatte sich frühzeitig klar im Machtkampf positioniert und war extra zum Parteitag nach Duisburg gekommen. „In unserer Satzung distanzieren wir uns ganz klar von rechtsextremer Ideologie. Und ich habe absolut kein Verständnis dafür, wenn jemand wie Herr Lücht das einfach nicht einsehen will.“ Deshalb laufe auch bereits ein Parteiausschlussverfahren, dem Pretzell ein weiteres folgen lassen will. Grund sind Äußerungen während der Versammlung eines einfachen AfD-Mitglieds, die das gemeinsame Abstimmungsverhalten mit rechtsextremen Parteien im Rat verharmlosten und darin gipfelten, Moscheen nicht als Gotteshäuser anerkennen zu wollen. Pretzell: „Wer auch noch die Religionsfreiheit in Frage stellt, hat bei uns nichts zu suchen.“

Lücht sieht seinem Parteiausschlussverfahren gelassen entgegen. Er wolle weiter für die AfD arbeiten. In verantwortlicher Position wird er dies aber zumindest vorerst nicht mehr tun. Nach einem eindeutigen Votum der Versammlung gehört er ebenso wie Almut Wielpütz auch nicht mehr zu den Landesdelegierten. Wielpütz, die sich demonstrativ an Lüchts Seite stellte, war zu Beginn außerdem als stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes zurückgetreten.

Kommentar
Von klarer Kante und verlorenem Vertrauen

Der Rücktritt von Holger Lücht war überfällig. Ein Parteiausschluss wäre die nächste richtige Konsequenz. Wer gemeinsame Sache mit rechtsextremen Parteien macht und noch uneinsichtig ist, diskreditiert sich – erst recht als Vorsitzender.

Es ist wichtig, dass der Landesvorsitzende Pretzell und ein Großteil der gestrigen Versammlung klare Kante gezeigt haben. In Duisburg wird es die AfD nach den unsäglichen Personalquerelen und bisher fehlenden programmatischen Duftmarken trotzdem schwer haben, verlorenes Vertrauen wieder aufzubauen. Von Daniel Wiberny

Neuwahlen wurden auf den ordentlichen Parteitag im nächsten Januar verschoben. Der restliche Vorstand mit Rolf Cappel, bisher stellvertretender Vorsitzender, Schatzmeister Ulrich Martel, den beiden Besitzern Marion Stöbbe und Heiko Thyssen sowie dem Pressesprecher Michael Truebert bleibt solange im Amt. Ein kommissarischer Sprecher soll in Kürze gewählt werden.

Daniel Wiberny

Kommentare
03.11.2014
19:59
Konsequente Arbeit der Partei - das muss man auch mal anerkennen
von peritrast | #4

Erstaunlich, wie die Partei hier Striche zieht. Sie sollte allerdings nicht über jedes hingehaltene Stöckchen springen.

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http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/afd-vorsitzender-in-duisburg-tritt-nach-npd-affaere-selbst-zurueck-id9995038.html
2014-11-02 17:41
Afd,NPD,Schlammschlacht,Rücktritt,Duisburg
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