Absage an Fabrik ohne Menschen

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Kunden bestellen online, Systeme geben die Aufträge automatisch weiter, Roboter fertigen, Maschinen bestellen selbst ihren Nachschub und Verbraucher entwickeln in sozialen Netzwerken die Produkte selbst. Das sind einige Visionen, die die „Industrie 4.0“ möglich machen kann. Doch wer ist verantwortlich, wenn das System falsch bestellt? Wie müssen sich die Schutzvorrichtungen verändern, wenn Roboter und Mensch eng zusammenarbeiten? Verliert der Mensch seine Rolle als steuerndes Element der Produktion? „Bei ‚Industrie 4.0‘, insbesondere bei ‚Arbeit 4.0‘, tauchen eine Menge Fragen auf“, weiß Jürgen Paschold, Verbandsingenieur des Unternehmerverbandes.

Die digitale Vernetzung bringt für das Zusammenarbeiten bahnbrechende Änderungen mit sich, nicht nur bei der Produktentwicklung, sondern vor allem für Arbeitsmarkt, -gestaltung, -zeit, -recht, -organisation und -schutz. Doch Paschold schränkt ein, dass das Thema bei der Mehrzahl der Unternehmen noch in den Kinderschuhen stecke: „In vielen Betrieben sind die produktionstechnischen und arbeitsorganisatorischen Rahmenbedingungen meist (noch) nicht vorhanden. Industrie 4.0 ist keineswegs Revolution, sondern eine viele Jahre dauernde Evolution und Fortentwicklung gegenwärtiger Produktionssysteme.“

Zunächst einmal müsse die Hausaufgabe gemacht werden, die Produktion zu stabilisieren und zu standardisieren. „Denn sind betriebliche Prozesse unbekannt, intransparent oder gar instabil, oder kämpft eine Fabrik noch um Ordnung, Sauberkeit und gegen Verschwendungen, sind internetbasierte Systeme schnell zum Scheitern verurteilt“, so Paschold.

Da die Mitarbeiter in einer vernetzten Arbeitswelt autonomer agieren, seien sie weniger auf eine klassische Führungskraft angewiesen. Paschold: „Die Führungskraft, die ‚Mikromanager‘ ist, diktatorisch Anweisungen gibt und den Mitarbeiter erst einmal machen lässt, ist passé. Gefragt ist das Vorbild, der Begeisterer, der ganzheitlich denkende Unternehmer.“