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Kampf ums Überleben

Duisburg, 07.01.2009, Anja Hasenjürgen

Zwei Vereine und die Bahnhofmission kümmern sich um Obdachlose, die trotz der Kälte die Notunterkünfte scheuen.

Josef ist 75 Jahre alt. Einen großen Teil seines Lebens hat er draußen verbracht. Im Moment lebt Josef in einem steinernen Rund eines Parks, ganz in der Nähe der Stadt. Dort will er nicht weg. Trotz der bitteren Kälte. Jeden Morgen schaut Kurt Schreiber, Vorsitzender des Vereins „Gemeinsam gegen Kälte” nach Josef. Schaut nach, ob Josef die Nacht überlebt hat – ebenso wie fünf andere Obdachlose in der Stadt. Und ist erleichtert, wenn es so ist. Auch den Mann, der jüngst am Bahnhof gestorben ist, hat der Verein betreut.

Auch gestern galt der erste Weg des „Gemeinsam gegen Kälte”-Teams Josef. Alles war in Ordnung – soweit man das so nennen darf. Mit Engelszungen versucht der Verein seit Jahren, Josef zu bewegen, zumindest die Nächte drinnen zu verbringen. Sogar der ärztliche Dienst hat dem Senior-Obdachlosen einen Besuch abgestattet, um zu prüfen, ob man „eine Betreuung gegen seinen Willen einleiten” könne, so Schreiber. Vergeblich. Josef „weiß, was er tut.” Und das müsse man respektieren. Trotzdem versucht der Verein zu helfen. Mit Kleidung, mit Kaffee. Sogar einen anderen Platz, in der Nähe des Marientors, hatte der Verein ausgespäht. „Da hätte er zumindest drei feste Wände und ein Dach gehabt”, erzählt Schreiber. Josef wollte nicht.

Den Kaffee immerhin nimmt Klaus, der sich neben einem verlassenen Supermarkt in Neudorf, in dem ehemaligen Einkaufswagen-Kabuff eingerichtet hat, an. Auch mal ein wenig zu essen. Weg möchte er aber nicht. Zu weit sei es in die Stadt, zu Fuß, mit all den Sachen.

Das Haus am Hafen böte Raum – aber da, weiß Petra Krüger, „wollen viele nicht hin”. Petra Krüger engagiert sich beim Verein „Bürger für Bürger”, der Obdachlosen derzeit im Zelt am Bahnhof eine Bleibe bietet – in Kooperation mit der Bahnhofsmission und „Gemeinsam gegen Kälte”. Haus am Hafen? „Da kann ich die Sachen gleich aus dem Fenster werfen”, sagt ein junger Mann, der auf einer der zehn Liegen in dem Zelt mit seinem Hund „Fabrizio” kuschelt und ansonsten in den Rheinwiesen übernachtet. In der Unterkunft gebe es Probleme mit Dieben. Und Hunde sind ohnehin verboten. In dem beheizten Zelt ist 24 Stunden ein Helfer vor Ort. „Hier passiert nix”, sagt Petra Krüger.

Solange die Temperaturen im Minusbereich liegen, bleibt das Zelt stehen. Die Helfer sind dankbar für die gute Zusammenarbeit der Vereine mit der Bahn und der Bahnhofsmission. Und für die Hilfe der Obdachlosen. „Die Jungs sind echt o.k. Die packen an, wo sie können, schleppen Töpfe, alles”, sagt Petra Krüger und fügt hinzu: „Das ist ihre Art, uns etwas zurück zu geben.” (aha)

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