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Bechstein-Konzert : Denys Proshayevs lyrische Feinheiten

Duisburg, 27.10.2009, Hajo Berns

Der junge Pianist zeigte nach dem Prokofjew-Parforceritt von 2008 jetzt im 1. Kammerkonzert seine Nuancierungskunst.

Im Mai 2008 war Denys Proshayev Solist beim Abschlusskonzert des WDR-Musikfestes. Die pianistisch mörderische Viertelstunde des 1. Prokefjew-Konzerts hielt ihn damals nicht davon ab, als Zugabe auch noch aus dessen 7. Sonate das auch nicht gerade entspannte Finale folgen zu lassen. Aber der Parforceritt verstellte keineswegs den Blick darauf, dass dieser junge Mann, Jahrgang 1978, auch in den wenigen lyrischen Momenten eine Menge zu sagen hatte. Jetzt kehrte er mit einem Recital in die Philharmonie Mercatorhalle zurück, bei dem sich dieses Bild eindrucksvoll bestätigte. In einem Programm, das hohe Nuancierungskunst erforderte.

Charakterstücke

Schuberts a-Moll-Sonate D 784 und Schumanns Davidsbündlertänze waren die Hauptwerke. Zu Beginn jedoch gab's zwei Stücke von Rameau, dem Proshayev ja seine erste CD bei einem Renommierlabel gewidmet hat – ein eigenwilliges, mutiges Debüt. Verglichen mit Tzimon Barto, der ja ebenfalls seine Liebe für den Franzosen entdeckt hat, spielt Proshayev das weniger zugespitzt, eher wie kleine Charakterstücke. Unterschiedliche Sichtweisen, dabei durchweg auf Augenhöhe. Nicht nur schön zu hören, sondern auch schön zu sehen war im Stück „Les trois mains”, wie durch häufiges Übergreifen der linken Hand die Illusion entsteht, als seien eben „drei Hände” im Spiel.

Mit seinen traurigen Klavierwerken wie dem a-Moll-Rondo KV 511 hat Mozart uns ja wunderbare Nachtstücke hinterlassen, fast schon im Sinne der Romantik – was den Pianisten gottlob nie zu Manierismen verleitete.

Trügerischer Trost

Proshayevs Schubert-Spiel hatte Tiefe. Der epische Formbegriff, der seine Spannung aus dem Nebeneinander von Verzweiflung und trügerischem Trost zieht, war schlüssig vermittelt.

Mit nicht minder feinem Gespür waren Schumanns überrumpelnde Fantastereien entwickelt. Nach Beethovens Zertrümmerungen hat Schumann (neben merkwürdig verschleierten Sonaten wie dem „Konzert ohne Orchester”) sein Heil ja vorwiegend in den kleinen Formen gesucht. Aber anders als etwa Grieg dachte Schumann dabei zyklisch – so auch in den Davidsbündlertänzen, die bei Proshayev ein wunderbares Ganzes bildeten.

Zwei Zugaben von Schumann und Brahms. – Es war übrigens das 1. Kammerkonzert und zugleich der Start der Bechstein-Konzertreihe.

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