72-Jähriger stach auf seinen Sohn ein

Nicht zum ersten Mal soll ein 72-jähriger Rheinhauser in der Nacht zum 16. September 2014 gegenüber seinem Sohn gewalttätig geworden sein. Diesmal hatte der Übergriff dramatische Folgen: Nur eine Not-Operation konnte das Leben des durch Messerstiche schwer verletzten 42-Jährigen retten. Seit gestern steht der Rentner nun vor dem Landgericht am König-Heinrich-Platz.

Die ursprüngliche Anklage lautete auf versuchten Mord. Das Schwurgericht kam aber zu dem Schluss, dass ein so genannter strafbefreiender Rücktritt vom Versuch vorliege. Zwar habe der Angeklagte zunächst seinen Sohn töten wollen, als er ihm von hinten in den Oberschenkel stach und dann den sich umdrehenden Mann im Unterbauch verletzte. Allerdings habe der Angeklagte das Messer weggeworfen, nachdem sich auch noch seine Ehefrau in den Streit einmischte. Eröffnet wurde das Verfahren daher nur wegen gefährlicher Körperverletzung vor einer allgemeinen Strafkammer.

„Was da in der Anklageschrift steht, stimmt überhaupt nicht“, so der Angeklagte. Er habe das Messer nicht genommen, um seinen Sohn zu verletzen. Vielmehr sei er betrunken nach Hause gekommen und habe einen Apfel essen wollen.

Da sei er von seinem Sohn einmal mehr wegen seiner Trinkerei angegangen worden, berichtet der 72-Jährige. „Er sagte immer: Ich gehe in die Moschee, Du gehst in die Bar.“ Der Sohn habe ihn gepackt und gegen eine Wand geworfen. „Ich wollte ihn schlagen.“ Es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass er noch das Messer in der Hand hatte. Versehentlich habe er seinen Sohn verletzt und in dem anschließenden Gerangel, das der Angeklagte dramatisch auf dem Fußboden des Gerichtssaales demonstrierte, wohl noch ein zweites Mal. Das habe ihm Leid getan. „Mein Sohn ist mein Herz“, so der Angeklagte. „Ich habe keine Angst vor einer Strafe, ich bin sowieso alt.“

Der 42-jährige Geschädigte schilderte die Tat dagegen so, wie sie auch die Anklage zeichnet: Nach einem kurzen Wortwechsel habe sein Vater ihm das Messer ins Bein gerammt, als er sich umdrehte, folgte der Stich in den Bauch. Einen dritten Stich konnte der Sohn abwehren, versuchte aber vergeblich, seinem Vater das Messer zu entwinden. Der ließ es fallen, als sich auch noch die Mutter einmischte. Der 42-Jährige landete mit zweifach durchstochenem Darm in der Notaufnahme.

Für das Verfahren sind drei weitere Verhandlungstage geplant.