65-Tonnen-Koloss von Hand geschweißt

Wenn ein Topf spröde wird und kaputt zu gehen droht, muss er ausgewechselt werden. Das ist in der heimischen Küche so, aber auch in der Kokerei Schwelgern. „Unsere Kokerei ist zwar erst elf Jahre jung, ein Kokskübel der ersten Stunde war aber schlichtweg verschlissen“, erklärt Michael Cremer, Leiter Erhaltungsbetriebe Maschinenanlagen. „Die Kübel stehen täglich unter einer extremen Belastung, da ist ihre Lebenszeit automatisch begrenzt.“

Deshalb musste ein neuer Behälter her, der so groß ist wie ein Einfamilienhaus, so viel wiegt wie 15 Elefanten (mit Anbauten 75 Tonnen) und nur aus Stahl besteht. Nach dem Umbau gilt „aus alt mach neu“: Derzeit wird der ausrangierte Koloss verschrottet und wiederverwertet.

Die riesigen Kübel sind täglich hohen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Sie werden an den Koksbatterien mehrmals täglich mit 55 Tonnen glühendem Koks gefüllt, zum Löschturm gefahren und dort mit rund 100 Kubikmeter Wasser abgeschreckt. Durch diese Behandlung wird verhindert, dass der glühende Koks verbrennt, und sichergestellt, dass er als Reduktionsmittel und Energieträger beim Erschmelzen von Roheisen im Hochofen eingesetzt werden kann. Eine solche Behandlung ist gut für den Koks, aber auf Dauer schlecht für selbst das widerstandsfähigste Material: Der alte Kübel war irgendwann nicht mehr brauchbar.

Der Bau des neuen Gefäßes dauerte rund zwölf Wochen. Der 65 Tonnen-Koloss wurde von Hand und vor Ort zusammengeschweißt: „Solche Kübel gibt es natürlich nicht von der Stange zu kaufen“, sagt Cremer.

Bevor der fertig gestellte Kübel seine erste Schienenfahrt zwischen Koksbatterien und Löschturm aufnehmen konnte, war noch eine Menge Arbeit nötig. Der fertige Würfel musste im Rahmen eines zweieinhalbwöchigen Stillstands ausgetauscht werden. Also: Den alten Kübel mit zwei riesigen Kranfahrzeugen vom Fahrwerk demontieren, den neuen Kübel wieder auf das Fahrwerk setzen und dann noch die Wasserleitung, Elektrik und Hydraulik anschließen.