496 Duisburger radeln 62.000 Kilometer

Start der Aktion Stadtradeln - 9 km lange Tour vom Opernplatz zum Rheinpark in Hochfeld am 11.05.15 in Duisburg Bild: Stephan Glagla / Funke Foto Service
Start der Aktion Stadtradeln - 9 km lange Tour vom Opernplatz zum Rheinpark in Hochfeld am 11.05.15 in Duisburg Bild: Stephan Glagla / Funke Foto Service
Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv
Was wir bereits wissen
Die Hälfte der dreiwöchigen Aktion „Stadtradeln“ ist vorbei. Fast 500 Duisburger schafften bisher 62 000 Kilometer. Neueinsteiger sind willkommen.

Duisburg.. Seit dem 11. Mai läuft das „Stadtradeln“, heute ist Halbzeit der bundesweiten Aktion, für die sich bislang 496 Duisburger angemeldet haben. Sie treten drei Wochen lang in die Pedale statt aufs Gaspedal. Die Zwischenbilanz: 62.000 Kilometer haben sie bisher zurückgelegt – das entspricht einer Einsparung von rund 9000 kg CO2. „Ein tolles Ergebnis“, nennt das Karl-Heinz Frings, Klimaschutzbeauftragter der Stadt und Organisator der Aktion. Weitere Radler können sich anmelden, um etwas für die Gesundheit und die Duisburger Platzierung tun: derzeit Rang drei im Revier hinter Essen und Gelsenkirchen.

Der Velo-Mobilist

Leben im Revier Wenn bei der Fahrt durch Hochfeld die Jungs mit dem Smartphone an den Straßenrand stürmen, dann muss da schon ein besonderes Gefährt durch den Stadtteil rollen. Robert Frischemeier bringen die Fotografen nicht aus der Ruhe, denn die Szene ist für ihn Alltag, wenn er mit seinem giftgrünen Velomobil unterwegs ist.

Der etwas behäbige Eindruck im Stadtverkehr täuscht: Auf freier, flacher Strecke ist der Rumelner in seinem aerodynamischen Carbon-Chassis weit vorn. „Auf der Landstraße sind Geschwindigkeiten über 50 km/h kein Problem“, sagt der 55-Jährige, „da schwimme ich ganz locker im fließenden Verkehr mit.“

Leben im Revier Trotz der 23 Kilo Gewicht seines Velomobils hängt er damit auch jeden Rennradler spielend ab, weil der Luftwiderstand wesentlich geringer ist. Für den Vortrieb sorgt neben seinen kräftigen Beinen auch eine maximale Übersetzung von 70/11 (vorn/hinten). Zum Vergleich: An Profi-Rennern ist in der Regel die Kombination 53/11 die größte Übersetzung.

Mit der Konstruktion des niederländischen Herstellers Intercity-Bikes (Nimwegen) rollt Robert Frischemeier zum Job nach Düsseldorf-Benrath. „Seit sechseinhalb Jahren jeden Tag“, berichtet der Rumelner. Nach Feierabend hat er 49 Kilometer auf dem Tacho, macht insgesamt 160 000 Kilometer seit Erwerb des Velo-Mobils.

Vor Wind und Wetter kann er sich schützen, indem er den Einstieg mit einem Plastikschutz abdeckt. „Mir sind aber ein paar Tropfen Regen lieber, sonst kocht man bald im eigenen Saft“, erklärt er. Und die Sicherheit? Wird das knapp einen Meter hohe Gefährt nicht allzu leicht übersehen. „Nein“, betont Pape, der auf einen Warnwimpel verzichtet, „in all den Jahren hab’ ich noch nicht eine brenzlige Situation erlebt.“

Der Stadtradel-Star

Wer der Meinung ist, Duisburg sei keine Fahrradstadt, sollte mal versuchen, in Frankfurt zu radeln. „Das geht gar nicht“, sagt Gerrit Pape. Zwanzig Kilometer „Stop and Go“, das war über Jahre sein automobiler Weg zur Arbeit. Seit er in Bissingheim lebt, genießt der Informatiker den Weg zum Job bei der Targo-Bank.

Den Autoschlüssel hat er am 11. Mai beim Stadtradel-Organisator Karl-Heinz Frings (Umweltamt) abgegeben – drei Wochen wird er nun komplett auf das Auto verzichten. Eine Frage der Haltung und der geeigneten Kleidung, findet Gerrit Pape: „Wenn man es vom Wetter abhängig macht, ob man das Rad nimmt, dann wird das nichts.“ Sogar Reifen mit Spikes hat er sich deshalb im schneereichen Winter vor einigen Jahren zugelegt.

Wie findet er die Radwege? „Es geht so“, sagt der 52-Jährige. Wenn wucherndes Grün beizeiten geschnitten werde, sei das Netz trotz Finanznot in einem akzeptablen Zustand. Und beim Stadtradel-Start hat er die Gelegenheit genutzt, den Polizeibeamten zu sagen, „dass sie nicht nur Tempo messen sollen, sondern auch Autofahrer kontrollieren, die Radfahrer schneiden“. Drei Wochen ohne Auto, kein Problem für den „Radel-Star“, wäre da nicht der Ausbau des heimischen Dachbodens: „Zum Bauhof werd’ ich vorerst wohl nicht fahren können.“

Der Pedelec-Politiker

Nur vier Duisburger Kommunalpolitiker strampeln beim „Stadtradeln“ mit – ein ziemlich schwaches Bild, findet Michael Kleine-Möllhoff. „Ich fürchte, die fahren nicht viel Rad“, vermutet der Süd-Bezirksvertreter selbst über seine bündnisgrüne Ratsfraktion.

Der Bissingheimer, aktiv im Fahrradclub ADFC, führte die kleine Auftakttour zum Stadtradeln von der Königsstraße in den Rheinpark – da hatte er schon 40 Kilometer in den Beinen. Lange ist er mit dem Zug zu seinem Arbeitsplatz unweit des Essener Hauptbahnhofs gefahren, seit drei Jahren radelt er mit seinem Pedelec.

Radfahren zu können mit „eingebautem Rückenwind“, das war für den Asthmatiker entscheidend für den Umstieg. „Es gibt zwei Steigungen auf dem Weg. Die haben für mich jetzt jeden Schrecken verloren“, sagt Kleine-Möllhoff. Der Ausbau der Duisburger Radwege steht immer wieder auf seiner politischen Agenda. „Ein Flickwerk“, nennt er das kommunale Netz, gut allenfalls die Freizeitstrecken. Verbesserungen werden von der Finanznot ausgebremst. „Alles, was gut ist, ist neu“, sagt der 52-Jährige, der Ausbau in kleinen Abschnitten führe dazu, dass es für die Radler „rauf und wieder runter“ geht von Fahrradwegen. Drei Wochen ohne Auto – das ist für ihn kein Verzicht: „Es setzt ohnehin Moos an.“