450 Euro Geldstrafe für Fußball-Fan

Weil er als Besucher eines Fußballspiels einen Mundschutz, wie er beim Kampfsport zum Schutz der Zähne getragen wird, griffbereit bei sich führte, muss ein 45-jähriger Duisburger 450 Euro Geldstrafe bezahlen. Das Landgericht Duisburg verurteilte ihn gestern wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz zur Zahlung von 30 Tagessätzen zu je 15 Euro.

Bei einer Begegnung des MSV gegen den Chemnitzer FC war der Mann am 24. August 2014 aufgefallen. Die Anklage vor dem Amtsgericht hatte zunächst auch auf versuchte Gefangenenbefreiung gelautet. Doch Videos bewiesen, dass nicht er, sondern ein anderer Fan die Festnahme eines Randalierers mit Gewalt zu verhindern versucht hatte. Das Amtsgericht hatte auch die Betteuerungen des Angeklagten geglaubt, er habe den Mundschutz nur aus Angst vor Schlägen gegnerischer Fans dabei gehabt hat. Es sprach den 45-Jährigen im Juli 2014 insgesamt frei.

Dagegen war die Staatsanwaltschaft in die Berufung gezogen. Ein Mundschutz sei nun einmal geeignet, sich damit auch gegen Auseinandersetzungen mit der Polizei zu wappnen und verstoße damit eindeutig gegen das Versammlungsgesetz, so das Argument, mit dem die Anklagebehörde wenigstens eine Verurteilung des vielfach vorbestraften Angeklagten wegen des geringeren Vorwurfs erreichen wollte.

Vergeblich behauptete der Verteidiger gestern, ein Mundschutz sei keine Schutzwaffe. Das Berufungsgericht sah das in Übereinstimmung mit Urteilen des Oberlandesgerichts Frankfurt und des Landgerichts Dresden genau so wie die Staatsanwaltschaft: „Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass ein Mundschutz eine Schutzwaffe im Sinne des Gesetzes ist“, so der Vorsitzende. Vor wem sich derjenige, der so etwas zu einer Demonstration oder einer Sportveranstaltung mitnehme, konkret schützen wolle, sei nebensächlich. Potenziell sei ein solcher Gegenstand eben auch dazu geeignet, sich gegen die Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben von Amtsträgern zu wehren. Zusätzlich zur Strafe kommen nun Kosten für zwei Instanzen auf den 45-Jährigen zu.