Das aktuelle Wetter Duisburg 13°C
Kultur

36. Duisburger Filmwoche zeigt überwältigende Industrie-Kulissen

07.11.2012 | 10:00 Uhr
36. Duisburger Filmwoche zeigt überwältigende Industrie-Kulissen
Die 36. Duisburger Filmwoche wurde am Montag eröffnet.

Duisburg.   Die 36. Duisburger Filmwoche ist seit Montag eröffnet. Im Mittelpunkt stehen dieses Mal Dokumentationen rund um das Thema "Räume". Peter Landmann aus dem NRW-Kulturministerium nennt die Filmwoche "eines der ambitioniertesten und traditionsreichsten Festivals".

Was wirklich und was erfunden ist, verschwimmt – auch angesichts der vielen TV-Sendungen, die nur vorgeben, Wirklichkeit zu zeigen. Da konnte Werner Ruzicka, Leiter der Filmwoche, selbstbewusst bei der Eröffnung des 36. Dokumentarfilm-Festivals am Montag Abend im Filmforum am Dellplatz ankündigen: „Die Filme werden beweisen, dass die Wirklichkeit keinen besseren Anwalt hat als den Dokumentarfilm.“ Filme, die im „bejammernswerten“ Programm auch der öffentlich-rechtlichen Sender keinen Platz mehr finden oder an die Ränder gedrängt werden, so Ruzicka.

Dass die Filmwoche ein „Arbeitsfestival“ sei, verstehe er als Kompliment für Duisburg, so Oberbürgermeister Sören Link . Je schneller die „Turbonachrichten“ auf die Menschen einprasselten, desto wichtiger sei der Dokumentarfilm.

„Eines der ambitioniertesten und traditionsreichsten Festivals“ nannte Peter Landmann aus dem NRW-Kulturministerium die Duisburger Filmwoche. Dass die Filmemacher „nur schwer oder gar nicht“ von ihrer Arbeit leben könnten, wie eine Studie gezeigt habe, sei eine „sehr unerfreuliche Erkenntnis“. Das Festivalmotto „Räume“ sei gut gewählt, öffneten Dokumentarfilme doch Räume zu Menschen und Themen, „zu denen wir sonst nicht gekommen wären“.

"Brammen und Pfirsiche" als Auftaktfilm

Das gilt im Ruhrgebiet allerdings nur bedingt für den Auftaktfilm „Brammen und Pfirsiche“, der als Uraufführung gezeigt wurde. Florian Pawliczek und Andy Michaelis haben darin von Herbst bis Winter Stahlkocher bei den Hüttenwerken Krupp-Mannesmann im Süden der Stadt begleitet. Schließlich gehören im Ruhrgebiet seit über hundert Jahren lang Bilder vom Abstich oder von Zügen mit Stahlbrammen ebenso zum Alltag wie der Nachbar von der Hütte. Da mögen die Größe des Geländes, das die jungen Filmemacher erkunden, die gigantischen Maschinen und das immer wieder faszinierende Bild von kochendem Stahl den alteingesessenen Ruhri weniger beeindrucken.

Wer nicht mit diesen Bildern aufgewachsen ist, entdeckt neben dieser überwältigenden Kulisse auch Härte und Gefahr, Schmutz und Lärm, denen Stahlkocher standhalten. Hautnah erlebt man, wie ihnen das Auf und Ab der Branche zusetzt, wie sie versuchen, sich einzustellen auf den Abschied von einer Arbeit, die Familientradition ist. Die Kipplastfahrerin, die mit dem Baggerfahrer verheiratet ist, der Junggeselle, der nach der Schicht bei den Eltern vorbei schaut, der Kläranlagen-Kenner, der Tierpfleger werden wollte, der Betriebsrat, der vertrocknete Pfirsiche von einem Baum pflückt, der wild auf dem Gelände gewachsen ist: einfach stark.

Anne Horstmeier



Kommentare
Aus dem Ressort
Neue Brücke wird über Duisburger Vinckekanal gezogen
Brückenbau
Am Sonntag wird in Duisburg die neue Brücke über den Vincke-Kanal gezogen. Ein Tauziehen der besonderen Art: 1300 Tonnen werden im Schneckentempo bewegt. Das Schauspiel braucht Zeit: Es dauert wohl von 6 bis 21 Uhr. Deshalb ist der Brückenzug zwischen Ruhrort und Kaßlerfeld komplett gesperrt.
Universiade vor 25 Jahren - Hauch von Olympia in Duisburg
Universiade
Die Universiade lockte vor genau 25 Jahren über 3000 Aktive, Zehntausende Besucher und Politprominenz nach Duisburg. Der frühere Sportamts-Leiter Hermann Eichhorn erinnert sich an das Sportspektakel, das einen Hauch von Olmpischen Spielen verströmte.
Der gute Alltag, kaum bemerkt
Stadtgespräch
Duisburg steht wieder in den Schlagzeilen, den schlechten. Wegen des Zeltdorfes für Asylbewerber. Ja, die Stadt hat Probleme und macht auch eigene Fehler, aber dennoch: Da ist auch der Drang, sich vor diese gebeuteltet Stadt zu stellen.
Familie dankt Ersthelfern nach Herzinfarkt bei Jazz-Konzert
Notfall
Am 7. August, Carmen Welky lauschte gerade mit einer Freundin der Musikgruppe „Trionova“, änderte sich das Leben für die Familie Welky schlagartig. Ihr Lebensgefährte wollte sie gegen 21 Uhr abholen, kam auch zum König-Heinrich-Platz und brach dann zusammen. Ersthelfer retteten ihm das Leben.
Diskussion um Duisburger Flüchtlings-Unterkunft im Hospital
Flüchtlinge
Duisburg sucht mit Hochdruck nach Unterkünften für Asylbewerber, während die Kritik an dem Zeltdorf in Walsum nicht abreißt. Wieder in der Diskussion ist das leer stehende St. Barbara-Hospital in Neumühl. Dagegen hatte es schon Proteste gegeben. Als schnelle Lösung scheint es nicht geeignet.