30 junge Stimmen aus acht Nationen

Vor dem Singen kommt das lockere Aufwärmen. Denn nicht nur Stimmbänder, sondern alle Teile des Körpers müssen erst mal die nötige Betriebstemperatur erreichen. Und so wird sich zu Beginn der Probestunde zunächst kräftig gereckt und gestreckt, ehe erste „Schalalalas“ und „Schulululus“ aus etwa 20 Mündern durch Saal 101 des Polizeipräsidiums an der Düsseldorfer Straße schallen. Hier probt der Duisburger Polizeikinderchor. Seit neun Monaten treffen sich an jedem Dienstagnachmittag ab 17 Uhr rund 20 bis 30 Kinder und Jugendliche aus acht Nationen – allesamt zwischen 5 und 14 Jahren alt. „Und wir haben ein paar echt gute Stimmen dabei“, sagt Chorleiterin Kathrin Schmitz (30) voller Anerkennung und Lob für ihre jungen Schützlinge.

Der Kinderchor der Polizei wurde quasi aus dem Boden gestampft. Von der Gründungsabsicht berichtete im Vorjahr die WAZ in einem Artikel. „Und die Resonanz war direkt riesengroß“, erinnert sich Rolf Holz (56). „Wir hatten bis heute insgesamt 35 Kinder hier. Rund 20 sind von Anfang an mit dabei und bilden den harten Kern.“ Holz ist nicht nur der 1. Vorsitzende des Polizeichores, sondern auch Initiator dieses Kinderchor-Projektes.

Ein positives Bild der Polizei erleben

Wichtigstes Anliegen sei nicht, ein perfekt klingendes Ensemble zu formen. Im Vordergrund stünde die Integrationsarbeit. „Wir haben hier Kinder aus Mexiko, Italien, Polen, Rumänien, Deutschland, Pakistan, Ghana und Bulgarien. Manche kommen aus wohl behüteten, andere aus schwierigen Verhältnissen. Hier im Chor finden sie auf wunderbare Weise zusammen“, sagt Holz. Schöner Nebeneffekt: Die Kinder erleben die Polizei von einer völlig positiven Seite. Das schaffe Nähe und – später einmal – auch ein Gefühl der Verbundenheit.

Obwohl manches Chormitglied zu Beginn kein oder kaum ein Wort Deutsch sprach oder verstand, gab es keinerlei Verständigungsprobleme. Das gemeinsame Singen verbindet von allein. „Was die Erfahreneren vormachen, ahmen die Neueinsteiger ganz schnell nach“, erklärt Holz die Vorgehensweise. Und so ist es auch an diesem Probenachmittag. Zwei Knirpse sind zum ersten Mal mit dabei. Zunächst klammern sie sich noch verschüchtert an Mamas Hosenbein. Doch dann heißt sie Chorleiterin Kathrin Schmitz im Kreis willkommen, holt sie in die Runde dazu. Und es braucht keine drei Minuten, da haben die Neuen ihre anfängliche Scheu abgelegt.

Dass aus diesem kunterbunten Haufen der Anfangszeit längst eine harmonierende Gruppe geworden ist, lag auch an einem gemeinsamen Probewochenende. Dieses fand im September des Vorjahres in der Jugendherberge Brüggen statt. Einige Elternteile fuhren neben Schmitz und Holz als Begleiter mit. „Dort ist eine richtige Chorgemeinschaft entstanden“, lobt Holz den Effekt.

Die Teilnahme war für die vielen jungen Stimmen kostenlos. „Viele der Eltern hätten die Fahrt gar nicht bezahlen können. Und wir wollten keinen ausschließen“, so Holz. Weil in diesem Jahr diese Fahrt wiederholt werden soll, sucht der Polizeikinderchor hilfsbereite Sponsoren. Bisher ist die Finanzierung dieses Projektes nur bis Ende 2015 gesichert. „Wir wollen aber unbedingt weitermachen.“ Sagen Schmitz und Holz. Und sagen die Kinder.