2015 soll die Radautobahn zwischen Essen und Duisburg stehen

Beim „Still-Leben A 40“ im Kulturhauptstadtjahr eine eintägige Ausnahme, 2020 vielleicht schon Alltag: Ein Schnellweg nur für Radfahrer.
Beim „Still-Leben A 40“ im Kulturhauptstadtjahr eine eintägige Ausnahme, 2020 vielleicht schon Alltag: Ein Schnellweg nur für Radfahrer.
Foto: Katrin Figge
Was wir bereits wissen
Die Idee vom „Radschnellweg Ruhr“ von Duisburg bis Hamm wurde schon viel diskutiert - jetzt scheint aber Bewegung in das Projekt zu kommen. Wie konkret die Pläne für die Radautobahn durchs Ruhrgebiet schon sind, wann sie umgesetzt werden sollen und was genau auf Duisburg zukommt, erfahren Sie hier.

Duisburg.. Wenn es nach Michael Groschek geht, könnte alles jetzt ganz schnell gehen. Der Landesverkehrsminister äußerte in dieser Woche gegenüber der WAZ Mediengruppe, er könne sich vorstellen, dass die NRW-Radautobahn in Teilen bereits 2014 befahrbar ist. Dabei ist die Idee vom „Radschnellweg Ruhr“, einem Radweg von Duisburg bis Hamm, nicht einmal viel älter als ein Jahr und immer noch in der Entstehung. Trotzdem wurde sie schon viel diskutiert.

Wie ist der Stand des Projekts? Was bedeutet es für Duisburg? Ein Überblick.

Woher kommt die Idee?

Vom Regionalverband Ruhr (RVR). Der Verband der Kreise und kreisfreien Städte des Ruhrgebiets hat in seiner Verbandsversammlung im Juni 2011 einstimmig beschlossen, eine Konzeptstudie für den Radschnellweg in Auftrag zu geben. Sie sollte über grundsätzliche Machbarkeit und Potenziale aufklären. Ende 2011 lag die Studie des des Dortmunder Büros „Planersocietät“ vor. Ihr Fazit: machbar.

Gleichzeitig unterzeichneten Landräte und die Oberbürgermeister der beteiligten Kommunen einen „Letter of intent“ (Absichtserklärung) für das Projekt.

Das Ziel des Ganzen: „Wir wollen das Radwegenetz nicht nur für den Freizeit-, sondern auch für den Alltagsverkehr tauglich machen“, sagt Martin Tönnes, Bereichsleiter Planung beim RVR. Man erhofft sich, Berufsverkehr auf die Radwege zu verlagern

Was passiert aktuell?

Die Konzeptstudie diente dem RVR als Förderantrag für eine Machbarkeitsstudie, die konkrete Pläne für Wegeführung und Finanzierung liefern soll. Derzeit läuft das Ausschreibungsverfahren für diese Studie. „Im Laufe des nächsten Jahres“ soll sie vorliegen, so Martin Tönnes.

Der Bund finanziert die 325.000 Euro teure Studie im Rahmen des Programms „Radwegeausbau an Bundesfernstraßen“. Der RVR und die beteiligten acht Kommunen unterstützen das Projekt personell mit einer Arbeitsgruppe. Duisburg ist dort vertreten durch Georg Puhe vom Amt für Stadtentwicklung und Projektmanagement.

Wie könnte die „Radautobahn“ aussehen?

Die grobe Idee: Weitgehend kreuzungsfrei von Duisburg bis nach Hamm. Vorbei an Mülheim, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund. Rund 85 Kilometer. In jede Richtung Fahrstreifen von zweieinhalb Metern Breite. Nach Möglichkeit abends beleuchtet.

Zum Teil sollen bestehende Radwege aus-, zum größeren Teil Strecken neu gebaut werden. Im westlichen Abschnitt vereinfachen alte Bahntrassen die Planung. Sie könnten mit relativ geringem Aufwand für den Radverkehr umgebaut werden, wie es beispielsweise auf der Erzbahntrasse zwischen Bochum und Gelsenkirchen bereits passiert ist. Der Lückenschluss zwischen Bochum und Hamm ist problematischer, teurer zu realisieren und bislang nur grob geplant.

Das sagt die Politik

Grundsätzlich erfährt die Idee aus allen politischen Lagern Unterstützung. Allerdings, und das gilt besonders für die Politiker im östlichen Ruhrgebiet, wo der Bau der Radtrasse aufwändig und kostenintensiv zu werden droht, hält man sich mit ganz großen Euphorie-Bekundungen zurück und verweist auf das Ergebnis der Machbarkeitsstudie.

Beispielhaft dafür: Dortmunds OB Ullrich Sierau (SPD). Im Frühjahr schoss er gegen das Projekt wegen unverhältnismäßiger Kosten, ruderte dann zurück mit Blick auf die Machbarkeitsstudie. Noch im Juli gab es aber neue Kritik aus Dortmund zu hören. CDU-Verkehrsexperte Thomas Pisula sagte gegenüber dieser Zeitung: „Wenn man Geld in den Radverkehr stecken will, kann man mehr erreichen, wenn man den Radverkehr zwischen den Stadtteilen verbessert.“ Vom RVR wurde entgegnet. dass es zu diesem Zeitpunkt viel zu früh sei, das Projekt zu bewerten.

In Duisburg herrsche „breiter Konsens“ zur Unterstützung des Projekts. Auch aus Düsseldorf gibt es ein klares Bekenntnis zum Radschnellweg Ruhr: Im rot-grünen Koalitionsvertrag steht die Förderung von „nichtmotorisierter Nahmobilität“ relativ weit oben auf der Prioritätenliste.

Das kostet es:

Die Konzeptstudie beziffert die Kosten grob mit 110 Millionen Euro. Diese verteilen sich wie folgt auf die Teilstrecken: Duisburg – Essen-Universität: 20 Mio.; Essen-Universität – Essen-Kray: 13 Mio.; Essen-Kray – Bochum-Mitte (Springorumweg): 10 Mio.; Bochum-Mitte – Dortmund Mitte (Stadthaus): 33 Mio.; Dortmund Mitte – Bf. Unna-Königsborn: 21 Mio.; Bf. Unna-Königsborn – Hamm: 13 Mio..

Die derzeit ausgeschriebene Machbarkeitsstudie soll klären, wer das bezahlt. Fördertöpfe von Land und Bund könnten den Bau unterstützen. Die Kommunen müssten, Stand jetzt, den Unterhalt zahlen.

Es gebe derzeit jedoch eine Diskussion auf Landesebene darüber, ob die Radschnellwege nicht in die Obhut von StraßenNRW übergeben werden könnten, so Martin Tönnes vom RVR. In diesem Fall würden die Kommunen entlastet.

Der Zeitplan:

Der komplette Radschnellweg Ruhr, sagt Martin Tönnes vom RVR, soll in etwa im Jahr 2020 fertiggestellt sein. Einzelne Teilstücke sind schon früher befahrbar. In Essen ist bereits ein fünf Kilometer langer Abschnitt fertiggestellt. Er verläuft entlang der alten Bahntrasse der „Rheinischen Bahn“, die auch Grundlage für die Anbindung Duisburgs sein wird.

Wie wäre Duisburg an den Radschnellweg angebunden?

Von Mülheim kommend, führt die geplante Trasse entlang der Rheinischen Bahn westwärts durch den Bezirk Süd bis zum Rheinpark. Der Ausbau verläuft von Ost nach West.

Wer bezahlt es?

Der erste Ausbau der Rheinischen Bahn zum Radweg wird gefördert durch das Ökologieprogramm Emscher-Lippe des Landes NRW (80%) und vom RVR (20%).

Wann wird gebaut?

Vom RVR hört man, dass die Strecke Essen-Duisburg 2015, und damit wesentlich früher als der gesamte Radschnellweg befahrbar sein soll. „Das liegt daran, dass der Ausbau der Rheinischen Bahn ein wesentlich älteres Projekt ist, als der Radschnellweg“, erläutert Georg Puhe vom Amt für Stadtentwicklung und Projektmanagement.

Ein Teilstück der Bahntrasse zwischen Mülheim und Duisburg wird noch vom Güterverkehr genutzt – eine der letzten Hürden vor dem Ausbau. Erst geht es nur um den Bau eines „normalen“ Radwegs, die Machbarkeitsstudie soll dann klären, wann und wie er zum Radschnellweg ausgebaut werden kann.

Das sagt der ADFC-Vorstand - Innerstädtische Projekte nicht vergessen

Was erhoffen Sie sich vom Radschnellweg Ruhr?

Herbert Fürmann, ADFC-Vorstand in Duisburg: Er ist eine Chance, wenn er tatsächlich ein Schnellweg und richtig angebunden wird. Er muss gefahrenlos sein, also genug Platz bieten ohne die Gefahr, mit Fußgängern zu kollidieren. Er sollte asphaltiert sein und, wenn möglich, abends beleuchtet. Einfache Radwege reichen nicht aus. Ich denke, die Machbarkeitsstudie wird positiv ausfallen. Es ist dann immer noch keine Revolution, aber es ist ein schöner Leuchtturm, der zeigen könnte, dass es funktioniert.

Elektrofahrräder sind im Kommen. Macht das Radschnellwege in Zukunft zum Renner?

Fürmann:Ich denke, ein guter Radschnellweg funktioniert auch nur für „normale“ Radfahrer. Aber mit E-Bikes lassen sich natürlich auch andere Distanzen zurücklegen. Es wird niemand von Duisburg nach Dortmund fahren, aber bis Mülheim oder Essen kann das attraktiv werden. Zumal die E-Bikes und Pedelecs ihr Image als Seniorenfahrräder langsam zu Recht abgelegen und qualitativ immer besser werden.

Wo sehen Sie noch Probleme, auch in Duisburg?

Fürmann:Es müssen noch einige Fragen in der Wegeführung geklärt werden. Zum Beispiel zwischen Koloniestraße und Rhein gibt es keine alte Bahntrasse, die man nutzen kann. Außerdem müssten auch die Uni und die Innenstadt adäquat angebunden werden. Für mich gibt es aber auch innerstädtisch viele Projekte, die mir für Duisburg fast noch wichtiger erscheinen. Zum Beispiel könnte durch Lückenschlüsse und eine Radwegweisungen im städtischen Radverkehrsnetz die Leute auf die schönen Strecken abseits der Hauptstraßen geführt werden. Radfahren in der Stadt ist nämlich auch heute schon deutlich besser möglich als die meisten denken.“