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Zwischenbilanz

Sören Link zieht Zwischenbilanz nach einem Jahr als Oberbürgermeister

28.06.2013 | 06:00 Uhr
Am 1. Juli 2012 wurde Sören Link zum Oberbürgermeister gewählt, am 4. Juli trat er sein Amt an. Das Foto zeigt den OB bei seiner Vereidigung zu Beginn der Ratssitzung am 4. Juli.Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool

Duisburg.  Sören Link (SPD) ist seit einem Jahr „Erster Bürger der Stadt Duisburg“. Im Gespräch mit der Redaktion zieht der 37-jährige Rathauschef Bilanz und gesteht: „Ich habe die Dimension der Baustellen zunächst unterschätzt“.

Herr Link, Sie sind 194 cm groß, richtig? Bekanntlich wächst man mit seinen Aufgaben. Um wie viel Zentimeter sind gewachsen?

Sören Link: Gefühlt eine ganze Menge. Das letzte Jahr war das spannendste in meinem Leben. Ich bin mal gespannt wie groß ich 2018 bin.

Was verbuchen Sie als Ihre Erfolge?

Link: Die Zeichen, die ich setzen wollte, bin ich sofort angegangen. Stichwort Büchereiausweis. Das war eines meiner kleineren Wahlversprechen, das für mich aber eine zentrale Bedeutung hatte. Wir hatten vorher 100 Erstklässler, die einen Büchereiausweis hatten, jetzt sind es 1000. Wir haben die „48 Stunden Dreck weg“-Aktion belebt und dafür 20 neue Leute beim Ordnungsamt eingestellt. Ich möchte, dass die Bürger in einer sauberen und sicheren Stadt leben. Und ich habe mit mehr Bürgerbeteiligung ernst gemacht. Ich habe die Bürgersprechstunden im Rathaus fortgesetzt, ich habe sie in die Bezirke getragen. Wir haben den Bürgerhaushalt eingeführt. Ich gebe zu, dass wir da wir noch mehr machen müssen. Und wir werden in diesem Jahr mit der OB-Wanderung beginnen. Ich werde alle Bezirke mit der Verwaltungsspitze erkunden und mich informieren.

Sie sind mit den Anspruch angetreten, die Verwaltung bürgernäher zu machen. Aber es gibt die Kritik, dass sich nicht viel geändert hat.

Link: Wir haben mit dem Charette-Verfahren für den Bahnhofsvorplatz das größte dieser Art in der Bundesrepublik durchgeführt. Ich meine, dass wir vieles auf den Weg gebracht haben, was das Verhältnis zwischen Stadt, Politik, Institutionen und Bürgern bereichert und entspannen wird. Es ist zugleich aber wichtig, den Bürgern offen und schonungslos die Probleme zu nennen und zu sagen, wo wir stehen.

Ist das der erhoffte Neuanfang?

Link: Neuanfang suggeriert, man steht bei Null. So funktioniert Politik aber nicht. Wir haben einen gewählten Rat, der hat sich durch meine Wahl nicht geändert. Wir haben Beschlüsse und Verfahren, die laufen. Da hat ein Oberbürgermeister nur begrenzten Einfluss. Stichwort Grundstücksverkauf Wambachsee. Ich habe mich da sehr um einen Kompromiss bemüht. Er hat aber leider nicht alle überzeugen können. Die Bürger sind mündig und haben oft gute Anregungen. Aber sie haben auch nicht immer Recht.

Auch der Streit um das Factory Outlet schwelt weiter.

Link: Man muss zur Kenntnis nehmen, dass es rechtliche Rahmen gibt. Die Planungen werden fortgesetzt, bis sie rechtlich so oder so geklärt sind. Wenn herauskommt, es geht nicht, dann akzeptieren wir das. Ich gehe aber davon aus, dass das FOC möglich ist und auch die Probleme mit Grillo, mit dem Sicherheitskonzept und den Abstandsfragen lösbar sind.


In der Zuwanderungsproblematik wurden Sie durch die TV-Talkshows gereicht und haben
sich mit Bundesinnenminister Friedrich angelegt.

In seinem Amtszimmer führte die WAZ das Interview mit dem 37-Jährigen.Foto: Udo Milbret/WAZ FotoPool

Link: Es gibt viele Städte, die davon betroffen sind. Es gibt aber wenige, die darüber so offen reden wie wir. Wir jammern aber nicht. Wir fordern Hilfe an, vom Bund, vom Land, von Europa. Wir tun aber selber auch etwas. Wir haben eine Million Euro selbst zur Verfügung gestellt, um die Lebensumstände der Menschen zu verbessern. Es gibt u.a. jetzt eine Impfaktion für 400 Kinder. Aber die Kosten für den Unterhalt können wir nicht stemmen. Worauf ich stolz bin: In vielen Städten wäre das Thema Anlass für die Stärkung des rechtes Randes gewesen. In Duisburg nicht.

Buchstäbliche Baustelle ist die Mercatorhalle, wann wird sie geöffnet?

Link: Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Immer wenn wir etwas sagen wollten, kam die nächste Hiobsbotschaft. Wir sind dabei, auch mit externer Hilfe das Schadensausmaß festzustellen. Dann kann man seriöse Aussagen machen. Wir wollen zudem beteiligte Firmen gerichtlich oder außergerichtlich dazu bewegen, sich an den Kosten zu beteiligen. Wenn das abgeschlossen ist, werden wir rathausintern die Prozesse, die vorgeschaltet waren, überprüfen, um zu sehen, ob wir optimieren müssen.

Für die Küppersmühle scheint eine Lösung in Sicht?

Link: Ja. Ich bin froh, dass das gelungen ist. Wir haben eine Einigung, die man vertreten kann. Sie ist schmerzhaft, auch teuer. Aber es ist wichtig, einen Schlussstrich zu ziehen. Alles andere wäre teurer. Die Gebag als städtische Wohnungsbautochter kann sich dann wieder um die Sachen kümmern, für die sie da ist. Mit der Küppersmühle haben wir ein Kleinod, das nun von dem Makel des Desasters befreit wird. Der Erweiterungsbau kommt sicher nicht oben drauf. Was das Ehepaar Ströher jetzt plant, wird dem Ambiente dort sehr gerecht.

Und der MSV?

Link: Der MSV hat jetzt seine Hausaufgaben gemacht. Es hilft nicht, in der dritten Liga zu landen, mit einem dubiosen Finanzkonzept, das den Tod nur um ein Jahr verschiebt. Wichtig ist jetzt ein solides Finanzkonzept. Ich glaube, die Krise führt möglicherweise dazu, dass mehr Menschen hinter dem MSV stehen und ins Stadion gehen.

Das ist Sören Link (SPD)

 

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Kommentare
30.06.2013
01:02
Sören Link zieht Zwischenbilanz nach einem Jahr als Oberbürgermeister
von wattearvolt | #42

Die Zwischenbilanz zeigt rote, sogar tiefrote Zahlen. In manchen aktuellen Fällen wäre der Begriff "Insolvenzverschleppung" fast schon naheliegend....
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1 Antwort
Sören Link zieht Zwischenbilanz nach einem Jahr als Oberbürgermeister
von TravisBickle | #42-1

Wollen Sie die allgemeine Verschuldung der Kommunen und die Haushaltssperre in Duisburg einem Oberbürgermeister anlasten, der erst seit einem Jahr in Amt ist?

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Sören Link zieht Zwischenbilanz nach einem Jahr als Oberbürgermeister
Sören Link zieht Zwischenbilanz nach einem Jahr als Oberbürgermeister
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2013-06-28 06:00
Duisburg