16-Jährigen gefoltert, weil er Schnaps ausgoss

Weil er sich über den Alkoholkonsum einer Zecherrunde aufregte und deren Wodka ausschüttete wurde ein Jugendlicher am 17. Juli 2013 in Hochheide regelrecht gefoltert. Einer der Täter, ein 31-jähriger Homberger, in dessen Wohnung sich der brutale Fall ereignete, hatte gestern den traurigen Mut, in der Berufung vor dem Landgericht eine mildere Bestrafung erzielen zu wollen, als die neun Monate Gefängnis, die ihm das Amtsgericht aufgebrummt hatte.

Die Gäste des Mannes, ein damals 14 Jahre alter Jugendlicher und dessen 15-jährige Ex-Freundin, die nach Angaben des 31-Jährigen vor der Tat Sex mit ihm hatte, gebärdeten sich wie mittelalterliche Folterknechte: Sie traten ihr Opfer zu Boden, fesselten es an einen Stuhl, schnitten ihm die Kleidung vom Leib. Dem damals 16-Jährigen wurden Hakenkreuze auf die Handgelenke geschmiert, auf seiner Haut wurde eine Zigarette ausgedrückt und Deo versprüht, das angezündet wurde. Die Peiniger stachen den Jugendlichen mit Zahnstochern, zwangen ihn zuletzt, sich wieder anzuziehen und einen Striptease zu machen. Nach Stunden konnte das Opfer fliehen.

Ohne sichtbare Emotion schilderte der 31-Jährige gestern, er sei so betrunken gewesen, dass er nur Teile der Folterung mitbekommen habe. Er habe dem Geschädigten lediglich zu Beginn eine Ohrfeige verpasst. „Ich wollte ihm damit klarmachen, dass er sich wehren muss.“

Irrtum zu Gunsten des Angeklagten

Das Amtsgericht hatte den Homberger in erster Instanz nur wegen einfacher Körperverletzung verurteilt. Eine rechtliche Wertung, die die Berufungskammer für falsch hielt: „Nach unserer Ansicht sind sie der gefährlichen Körperverletzung schuldig“, so der Vorsitzende. Da der Angeklagte nichts gegen die Folterung unternahm, sei er Mittäter. Der 31-Jährige habe Glück, dass die Staatsanwaltschaft, die zunächst ebenfalls Berufung eingelegt hatte, das Rechtsmittel zurücknahm. „Da wir nur noch die Berufung des Angeklagten haben, gilt das Verschlechterungsverbot und es kann hier nicht mehr herauskommen“, bedauerte der Vorsitzende.

Für eine Milderung der Strafe, das machte das Gericht überdeutlich, gebe es keinen Raum. Und auch nicht für eine Bewährung: Der vorbestrafte Angeklagte hatte zwischenzeitlich erneut in Strafhaft gesessen. Nach kurzer Beratung mit seinem Verteidiger zog der 31-Jährige die Berufung zurück.