1000 Sonnenstrahlen für den Zoo

Von wegen kalt wie ein Fisch. Ein Umzug erhitzt scheinbar auch das eine oder andere Gemüt der als so stoisch und gefühlsarm verschrienen Wasserbewohner. Zwei Schilderwelse waren jedenfalls wenig begeistert davon, ihre angestammten Gewässer zu verlassen, und gaben sich deshalb alle Mühe den Keschern der Duisburger Aquarianer zu entwischen. Dabei wollten die Mitglieder der Gesellschaft für Aquarienkunde den schön gefleckten Tieren mit der imposanten Rückenflosse nur zu einem neuen größeren Zuhause verhelfen.

Wachsames Auge auf die Brut

Aber wie soll man das einem Fisch beibringen? Und selbst wenn die Aquarianer eine solch fantastische Fähigkeit besitzen würden, hätten sie unmöglich alle ihre Passagiere von der für sie anstehenden Verbesserung unterrichten können. Denn die Duisburger Gesellschaft für Aquarienkunde hatte es sich zur Aufgabe gemacht, dem Zoo am Kaiserberg nach einer dreijährigen Umbauzeit mindestens die Anzahl von Süßwasserbewohnern zu liefern, die dem ältesten noch erhaltenen Gebäude des Tierparks einst seinen Namen gaben: „Haus der 1000 Fische“.

Seit Januar dieses Jahres haben die Aquarianer in ihrem angestammten Vereinsheim im Botanischen Garten in Hamborn sowie in ihrem zweiten Vereinsheim im Keller von Schloss Styrum in Mülheim kräftig gezüchtet, um die Wünsche des Zoos zu erfüllen.

Besonders interessiert war man am Kaiserberg an den ursprünglich aus Indonesien stammenden Celebes-Sonnenstrahlfischen mit dem leuchtenden türkisen Streifen auf den Körperseiten. „Sie werden im neuen Zoo-Aquarium ein besonderes Highlight sein“, ist sich Michael Schmidt, Schatzmeister der Gesellschaft für Aquarienkunde, sicher. „1000 Stück haben wir auf expliziten Wunsch des Zoos in unseren 16 Zuchtaquarien in Hamborn nach- und großgezogen.“ Was keine leichte Aufgabe ist, denn die Fische, so schön sie auch sein mögen, neigen dazu, ihren eigenen Nachwuchs zum fressen gern zu haben. Da mussten die Aquarianer ständig ein wachsames Auge auf die Brut haben. Schließlich wollten sie das versprochene Kontingent pünktlich liefern. „Zudem möchten wir so weit wie möglich eine Einfuhr der Fische aus dem Ausland verhindern“, begründet Schmidt das Engagement der Vereinsmitglieder.

„Beim Transport sterben häufig bis zu 90 % der Fische. Für die langen Weg werden die Süßwassertiere auf Salzwasser gesetzt. Die Rückführung in Süßwasser überleben viele nicht.“ Zudem könne es dazu kommen, dass die Fische durchaus bis zu zwei Wochen in ihrer Verpackung dümpeln müssten, weil die Flugzeuge gerade keine Wärmekammer frei hätten, sagt Schmidt.

Da waren die kurzen Wege von Styrum und Hamborn zum Zoo bequemer. Auch für die zahlreichen anderen Wasserbewohner, die in der vergangenen Woche von den Aquarianern in die Obhut des Zoos übergeben wurden: 96 Panzerwelse, 50 Schlankcichliden, 5 erwachsene Prachtschmerlen, 4 erwachsene Schilderwelse (je 40 bis 45 Zentimeter groß), 100 rote Garnelen für das Wasserfallbecken im Zoo-Aquarium und 585 Sonnenstrahlfische.

425 Sonnenstrahlen sind die Aquarianer dem Zoo noch „schuldig“ geblieben. „Die werden aber nachgeliefert, wenn sie groß genug sind“, versichert Michael Schmidt. Derzeit bewegen sie sich eher im Bereich von Sonnenpünktchen mit ihrer Stecknadelgröße. Damit sind sie für Zoobesucher kaum zu sehen, aber höchst attraktiv für hungrige Artgenossen. Wie gesagt, auch im Wasser fressen die Großen die Kleinen. Erst wenn sie vier bis fünf Zentimeter erreicht haben, dürfen auch die restlichen Sonnenstrahlen das Süßwasserbecken im „Haus der 1000 Fische“ beleuchten, das heute offiziell eröffnet wird.