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Kinderoper

1000 neue Opernfans

03.02.2012 | 18:31 Uhr
1000 neue Opernfans
Der Gesang der Nachtigall (Iulia Elena Surdu) lässt den Kaiser (Stefan Heidemann) genesen; und auch der Tod lauscht gerne.

Duisburg. Wer erwartet hatte, die Rheinoper könne sich nach „Robin Hood“ und dem „Gestiefelten Kater “ bei ihren Kinderopern nicht mehr steigern, erlebte eine Überraschung. Zumal die „Nachtigall “ von Igor Strawinsky anspruchsvolle Tonsprache mit einer sehr poetischen Geschichte nach dem Märchen von Hans Christian Andersen verbindet.

Und dann springen nach der Premiere am Freitagmorgen über 1000 Kinder im ausverkauften Stadttheater vor Begeisterung auf, johlen, kreischen, buhen den Tod aus und fordern „Zugabe“. Damit ist klar: Regisseurin Svenja Tiedt, Ausstatterin Tatjana Ivschina und Choreographin Amelie Jalowy haben wieder alles richtig gemacht und über 1000 neue Opernfans gewonnen.

Grüner Zweig statt Taktstock

Wie wichtig die Kinderoper, die so auch Erwachsene erfreut, allen Beteiligten ist, demonstrierten die Duisburger Philharmoniker eindrucksvoll. Unter Wen-Pin Chien lassen sie die farbenreiche, raffiniert instrumentierte und rhythmisch vertrackte Musik, in der man Tierstimmen entdeckt und in europäischen Ohren nach China klingt, zum Funkeln.

Iulia Elena Surdu singt die wunderbaren Koloraturen der Nachtigall mit jugendlicher Leichtigkeit und ist ein mädchenhaft- bezauberndes Vögelchen, Wagner-Tenor Corby Welch ein gewichtiger Fischer. Spielfreude nicht nur auf der Bühne – der Dirigent führt im ersten Akt statt des Taktstocks einen grünen Zweig.

Tänzer wiegen sich wie Blätter im Wind

Wenig Action in der Handlung, aber viel Bewegung auf der Bühne fesselt das Publikum. Zu den leisen Anfangstönen bewegt sich sanft der Wald. Als die Nachtigall die Morgendämmerung besingt, kommt Leben in Bäume und Sträucher; Tänzer wiegen sich wie Blätter im Wind. Die Mitglieder des steifen chinesischen Kaiserhofs rutschen ungelenk über ein Blatt in die Natur, um die kleine, graue Nachtigall mitzunehmen.

Das Vögelchen landet in der grellbunten, hektischen Großstadt. Der Kaiser steckt in seinem großen Ebenbild aus Pappmaché, auf menschliches Maß schrumpft er erst beim himmlischen Gesang der Nachtigall. Die Maschine, die sie dann ersetzt, ist ein golden umrahmter Bildschirm vor dem der Kaiser sterbenskrank wird.

Liebeserklärung an den Gesang

Auf der Bühne wird es kalt, es schneit, der Tod und seine Begleiter mit weiß-roten Gewändern, prächtigem Kopfschmuck und Masken tanzen in froher Erwartung um den Sterbenden. Der Tod ist Dunkel und Schweigen, der Gesang der zurück gekehrten Nachtigall kündet von Sommer, Süße und Blumenduft. So gelingt es der Nachtigall, nicht nur das Herz des einfachen Fischers und des mächtigen Kaisers zu gewinnen – sie besiegt sogar den Tod, weil auch der nicht genug bekommen kann von ihrem Gesang.

Es rundet sich ein Reigen traumschöner Bilder und eine große Liebeserklärung an den Gesang mit einem heiter-stillen Finale.

Anne Horstmeier


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