100.000 Duisburger Tannenbäume landen im Schredder

Nachdem die Tannenbäume beim Biomasse-Aufbereiter Franz-Josef Knipp in Hochfeld abgeladen wurden, werden sie erst gehäckselt und danach in der Sternsieb-Anlage (grüne Maschine rechts) sortiert.
Nachdem die Tannenbäume beim Biomasse-Aufbereiter Franz-Josef Knipp in Hochfeld abgeladen wurden, werden sie erst gehäckselt und danach in der Sternsieb-Anlage (grüne Maschine rechts) sortiert.
Foto: Lars Heidrich/Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der ausrangierte Zimmerschmuck landet nach dem Einsammeln beim Biomasse-Aufbereiter Franz-Josef Kipp in Duisburg-Hochfeld – und wird dort gehäckselt.

Duisburg.. Die Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe sammeln in jedem Januar rund 100.000 Weihnachtsbäume im Stadtgebiet ein. Doch was geschieht danach mit dem ausrangierten Zimmerschmuck? Unsere Redaktion wollte es wissen. Und fand sich deshalb am Donnerstag auf einem 4500 Quadratmeter großen Areal an der Wörthstraße in Hochfeld wieder.

Hier, im Schatten der Kupferhütte, ist eine der Außenstellen des Biomasseaufbereitungs-Unternehmens Franz-Josef Kipp angesiedelt. Hier türmen sich die Tannen. Und zwar tonnenweise. Hier werden sie weiterverarbeitet. Und landen klein gehäckselt beim Kompostierer oder als Brennmaterial für Kraftwerke in der Region.

10.30 Uhr. Der nächste Großtransporter der Wirtschaftsbetriebe fährt auf den Hof. „Die sind aus Hochfeld“, erzählt der Fahrer kurz. Dann setzt er sich zurück hinters Steuer. Uwe Kallweit, 45-jähriger Betriebsleiter beim Biomasseaufbereiter, zeigt ihm an, wo die im Bauch des Fahrzeugs zusammengepressten Fichten und Tannen abgeladen werden sollen. Dort hinten. In einer halboffenen Halle, in der sich schon ein Berg aus Bäumen gebildet hat.

„Die Tannenbäume sind für uns nur ein Nebengeschäft“, erzählt Christian Knobloch (39). Der Diplomingenieur ist als so genannter Stoffstrommanager auch für die Suche und Betreuung der Kundschaft verantwortlich. Wieso können solche Massen nur Nebengeschäft sein? „Wir verarbeiten hier im Jahr etwa 35.000 Tonnen Grüngut – nur etwa 700 Tonnen davon sind Weihnachtsbäume“, sagt Knobloch.

Brennstoff für Kraftwerke in Dinslaken und Goch

Wichtigste Abnehmer sind die beiden Kraftwerke in Dinslaken und Goch, die beide ausschließlich mit Grüngut als Brennstoff agieren. Daraus erzeugen sie nicht nur den berühmten „Grünen Strom“, sondern auch Wärme fürs Fernwärmenetz sowie Dampf für die Industrieproduktion. Aber auch die Altholz-Kraftwerke in Recklinghausen und Hagen werden ständig beliefert.

Doch bis es so weit ist, müssen die Bäume erst einmal zerkleinert werden. Betriebsleiter Kallweit setzt sich ans Steuer eines Umschlagbaggers. Dessen mehrarmiger Sortiergreifer, auch „Spinne“ genannt, nimmt einen satten Bissen an Bäumen und trägt diese zum orangefarbenen Riesenschredder mit dem Namen „Bio-Power“. Offiziell heiße er Walzenzerkleinerer, so Knobloch. „Und er kann in der Stunde 50 Tonnen Grüngut häckseln.“

Das kleinste Gehäckselte landet beim Kompostierer

Die Zähne auf der Stahlwalze des Schredders leisten ganze Arbeit. Das zerkleinerte Material wandert nun in die Sternsieb-Anlage. Dieser Sortierer teilt die Häckselreste in drei Größen ein: Die Feinfraktion (alles mit einer Länge bis zu zwei Zentimetern) landet auf einem Haufen. „Das können die Kraftwerke nicht gebrauchen. Das kommt zu den Kompostierern“, so Knobloch. „Dafür bekommen wir übrigens nichts gezahlt. Im Gegenteil: Wir müssen dafür bezahlen, das die Kompostierer es mitnehmen.“

Die aussortierte Mittelfraktion (Häcksel bis zu 20 Zentimeter) landet auf einem zweiten Haufen. Dieser wird später vermengt mit anderem Grüngut. „Die Tannenbaumreste allein sind zu ausgetrocknet und würden im Kraftwerk viel zu schnell verbrennen“, erklärt Knobloch. Der Rest-Mix, der an die Kraftwerke verkauft wird, verfügt laut Knobloch über einen Feuchtigkeitsgehalt von 40 bis 50 Prozent. „Das brennt dann optimal.“ Und erzeugt Energie. „Erst spendeten die Weihnachtsbaum emotionale Wärme in Wohnzimmern“, sagt er. „Und später sorgen sie als Brennmaterial für richtige Wärme.“

Welch schöner Kreislauf!