Zwischen Traum und Höllenfahrt
22.06.2009 | 18:15 Uhr 2009-06-22T18:15:00+020010 Jahre Forum Freies Theater - mit erfolgreichem Profil und Konkurrenz
Den Geburtstagsglückwunsch darf man schon jetzt getrost aussprechen. 10 Jahre FFT-Spielbetrieb runden sich am 9. September - und das ist in der freien Szene eine Lebensspanne vergleichbar mit der vervielfachenden Rechnung in „Hundejahren”. Erlahmt, etabliert, gar traditionell - davon ist die Doppelbühne (Juta, Kammerspiele) für Theaterexperimente und Risiken mit hohem Niveuanspruch aber weit entfernt.
Ausflüge in
den Stadtraum
Als Niels Ewerbeck 1999 antrat, dem frisch gegründeten Forum Freies Theater ein Profil zu geben, musste er den Düsseldorfern noch mit Gastspielen zeigen, was im Theater alles möglich ist. Als das vernetzt arbeitende FFT begann, auch als Produktionsort eine Rolle zu spielen, wechselte Ewerbeck in die Schweiz und Nachfolgerin Kathrin Thiedemann verstärkte in den vergangenen fünf Jahren diese Entwicklung.
Inzwischen haben auch die Düsseldorfer Künstler, die am Haus produzieren (wie Gudrun Lange oder half past selber schuld) überregional Resonanz, und das FFT kann dem einstigen Bühnen-Vorbild Kampnagel in Hamburg eine eigene Handschrift entgegensetzen.
Inzwischen haben aber auch die Stadttheater in puncto neue Spielformen nachgezogen und im Freischwimmerbecken der Szene gefischt. Für das FFT in Düsseldorf heißt die Herausforderung „Central”, die neue, ähnlich, wenn auch betont international ausgerichtete Bühne des Schauspielhauses in der ehemaligen Paketpost am Hauptbahnhof. „Da ist eine unerwartete Konkurrenz entstanden”, räumt Kathrin Tiedemann ein. „Welche Folgen das hat, kann ich noch nicht einschätzen.” Stärker kooperieren oder stärker spezialisieren? Die Dinge sind in Bewegung...
Auf stabiler, wenn auch noch steigerungsfähiger Zahlenbasis lebt das Haus: 64 Prozent Auslastung, rund 17 000 Zuschauer bei 287 Veranstaltungen in der 10. Spielzeit. Warum also nicht feiern?! Und so eröffnet das FFT die Spielzeit 2009/10 am 10. Geburtstag, dem 9. September, mit der „Traumfabrik” von She She Pop. Die Träume der Zuschauer sind gefragt. Wer den Mut hat, sein Innerstes nach außen zu kehren, dem antwortet das ausgezeichnet schräge Berliner Künstlerkollektiv live auf der Bühne.
Theatralische Ausflüge in den Stadtraum gehören auch zum Konzept des Hauses. Als Koproduzent mit dem theatercombinat Wien tritt das FFT bei „Bambiland's Day” auf, wenn Claudia Bosse am 11. September den Text von Elfride Jelinek zwischen Wilhelm-Marx-Haus, Schlosstrurm und Kunsthalle als Klanginstallation präsentiert.
Mit dem „Bühencomic” haben sie ihr eigenes Genre erschaffen, mit dem erfolgreichen „Barfuss durch Hiroshima” Aufmerksamkeit erregt. Jetzt geht's mit dem Düsseldorfer Künstlerduo half past selber schuld in den „Abwärtsbunker”. „Eine satirische Höllenfahrt in die Tiefen der inneren Sicherheit und äußeren Paranoia” versprechen die beiden mit der Uraufführung am 22. September.
Rückeroberung
des Politischen
Die Rückeroberung des Politsichen steht eine Woche vor der Bundestagswahl mit Anja Gronaus „Rosa” auf dem Spielplan. Am 16. September schließt die Regisseurin ihre „Trilogie der starken Frauen” mit der sozialistischen Kämpferin Rosa Luxemburg ab. Als Beitrag zum kommenden Kulturfestival „kairobeirut” macht auch das Projekt des Rimini Protokoll-Führers Stefan Kaegi neugierig. Ausgelöst von der Forderung des Ministers für religiöse Angelegenheiten in Kairo nach einem zentralisierten Ausrufer über Radiokanal bringt sein „Radio Muezzin” am 5. November ägyptische Muezzin auf die Bühne
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