Zwischen Supermarkt und Imbiss

Auf dem Weg zur Arbeit, nach Hause oder zwischen zwei Terminen auf eine Currywurst mit Pommes anzuhalten war gestern: To-Go-Märkte, die sich speziell an Einzelkunden richten und ein auf Lebensmittel beschränktes Angebot haben, wollen die Lücke zwischen Supermärkten und Imbiss schließen. Sie heißen „Rewe To Go“ oder „Albert Heijn To Go“ und verkaufen an Standorten mit großem Fußgängeraufkommen schnelles Essen für zwischendurch – frisch aus der Plastikverpackung oder zum „Kochen“, das heißt Aufwärmen im Büro oder zu Hause.

„Man kann dort kleinere Besorgungen für den schnellen Verzehr machen“, sagt Thomas Bonrath, Rewe-Pressereferent. Neben unverarbeiteten Lebensmitteln wie Obst und Salaten fände man in den To-Go-Märkten der Gruppe auch Smoothies und warme Kleinigkeiten wie Schnitzel im Brötchen. „Die Tendenz ist da: Die Leute essen dort, wo sie gerade sind“, sagt Bonrath. Durch die Vermischung von Beruf und Alltag würden Mahlzeiten nicht mehr an bestimmten Orten eingenommen. Stattdessen griffen Kunden zu den „Convenience-Produkten“ für unterwegs. Das sind portionierte, einzeln verpackte Lebensmittel, die schnell gegriffen sind und sich gut zum Mitnehmen eignen.

Der Unterschied zu einem Supermarkt liege bei den To-Go-Märkten laut Bonrath vor allem im Umfang der angebotenen Waren: „Wir bieten dort keine größeren Konserven oder Gebinde an.“ Mineralwasser-Sixpacks vermisse man in einem solchen Markt ebenso wie Non-Food-Produkte. Trotz des grünen, modernen Ambientes und des reichhaltigen Angebots an Salaten, Joghurts und Obst ist hier nicht alles so grün, wie es den Anschein hat. „Bio-Produkte nehmen in den To-Go-Märkten keinen größeren Stellenwert als in unseren Supermärkten ein“, sagt Bonrath.

Auf der kleinen Ladenfläche des Marktes an der Flinger Straße gibt es beispielsweise zwar ein Bio-Regal, die im Obstkorb ausliegenden Bananen lassen aber den grünen Aufkleber vermissen.

Ebenso sieht es an der Schadowstraße und den drei Anfang des Jahres eröffneten Aral-Shops aus. Mit dem Marktkonzept für schnelle Einzelkunden ist Rewe in der Stadt nicht allein. Der niederländische To-Go-Konkurrent Albert Heijn hat in den vergangenen zwei Jahren Märkte am Graf-Adolf-Platz und in der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee eröffnet. Auch hier herrscht die grüne Farbe vor, das Angebot von Salaten, Joghurts und abgepackten Sandwiches wird aber durch exotisch anmutende holländische Lebensmittel wie „Hagelslag“ – Toast mit Schokostreuseln – ergänzt. Studentin Laura Agresti kommt hier fast jeden Tag auf dem Weg zu ihrem Nebenjob vorbei. „Ich mag die große Auswahl an Salaten“, sagt die 25-Jährige. „Oft nehme ich auch holländische Süßigkeiten mit, als kleines Geschenk für meine Kollegen im Büro.“ Eine Besonderheit von Albert Heijn sind Menüs, die geschnittenes Fleisch, Gemüse und Beilagen in einer Schale vereinen, die in einer Mikrowelle gegart werden können. Das Ergebnis soll eine Mahlzeit sein, die mit selbst gemachter Hausmannskost konkurrieren kann.

Denn der Flaggschiff-Markt im U-Bahnhof kennt auch die eher konservative Kundschaft. Anton Bajek arbeitet an den Fassaden im U-Bahn-Tunnel, Mittag bekommt er auf der Baustelle. „Ich hole mir hier nur meinen Kaffee“, sagt Bajek. Wo er den bekommt, ist ihm eigentlich egal, nur über den Preis scheint der 52-Jährige überrascht. Der sei anderswo niedriger, und sein Essen mag er sowieso lieber selbstgekocht.