Zwischen Himmel und Hölle
17.03.2011 | 18:56 Uhr 2011-03-17T18:56:00+0100
Düsseldorf.Knarrende Bäume, leichtes Surren, Gespräche, Stille. Alles in Dolby-Surround-Technik. Flauschiger Teppichboden sorgt für eine wohlige Atmosphäre und Akustik. Meterhohe Leinwände, sonor gedämpft klingende Geräusche. Wer die neue Ausstellung „Big Picture“ im K21 betritt, wird betört von einem enormen technischen Aufwand und fühlt sich in moderne, großzügige Lichtbildtheater versetzt. In zwölf Kammern, alle in angeschrägten Räumen, präsentiert Kuratorin Doris Krystof zwölf Arbeiten von Video- und Filmkünstlern aus aller Herren Länder. Es sind naturalistische Landschaftsaufnahmen aus verschiedenen Generationen. Sechs gehören der NRW-Kunstsammlung, die anderen stammen von privaten und öffentlichen Leihgebern. Eine sinnliche, ästhetische Schau, die Kunst- und Kinofreunde faszinieren dürfte.
Film über das Erdbeben
von 2008 in Japan
Mal leise, ruhig, meditativ, ästhetisch. Auf den zweiten Blick aber auch schockierend aktuell wirken manche der Landschafts-Studien. Letzteres trifft besonders für die Luftaufnahmen von Natacha Nisic zu. Die französische Künstlerin dokumentierte 2008 das, was ein Erdbeben mit der Stärke 6 in Japan anrichtete. Im waldigen Hochland, 40 Kilometer südlich von Fukushima, rissen die Erschütterungen damals komplette Felsformationen auseinander und eine Narbe in die grüne Fläche. Und sie ließen massiv gebaute Pass-Straßen wie auf einer Modelleisenbahn-Plattform zusammenklappen. Entwurzelte Bäume liegen wie Mikadostäbe übereinander. Kaum wiederzuerkennen sind kleine Berghütten, die durcheinandergewirbelt wurden. Dabei montiert Nisic Luftaufnahmen, im Hubschrauber gedreht, mit Interviews von Japanern. Ein Mann erzählt darin, dies sei das schwerste Beben, das er je erlebt habe. Aussagen, die angesichts der momentan ausufernden Katastrophe in Fukushima und Sendai relativiert werden. Die Intensität erhöht sich dadurch, dass die dokumentarischen Streifen auf drei Bildschirmen gleichzeitig laufen.
Ästhetik pur dagegen bieten Mark Lewis’ Luftaufnahmen aus dem Aosta-Tal in der Nähe des Montblanc. In Zeitlupen-Tempo schwebt der Betrachter über die vereisten, majestätischen Berggipfel. Dann gleitet der Blick aus dem Helikopter langsam auf eine mittelalterliche Festung. Mal in Nahaufnahme, dann wieder von Weitem. Auf den Serpentinen-Straßen erkennt man Scharen von laufenden Touristen, die einem Menschenwurm gleichen. Hier, wie auch auf anderen Exponaten, fließen die Übergänge zwischen stehendem Foto und sich behutsam bewegendem Bild.
Ähnliche Effekte sieht man in dem Schwarz-Weiß-Video „Baumfrau“ auf zwei Leinwänden von Thomas Steffl. Auf einer Leinwand irrt eine nackte Frau durch das Unterholz eines Waldes, daneben stürzt unter ächzendem Knarren und Knirschen eine Fichte zu Boden. Zwischen Erde, Himmel und Hölle entführt Steve McQueen mit seiner mehrteiligen Installation: Stockfinster ist der Raum, in dem ein Video den Zuschauer mitnimmt in die beklemmenden Tiefen einer Goldmine. Taghell indes der Nebenraum: Hier sieht man Menschen in freiem Fall. Für uns eine Erinnerung an die Horror-Bilder des 11. September 2001, der Künstler indes verweist damit auf seine Heimat Grenada: Als im 17. Jahrhundert die Franzosen die Insel kolonisieren wollten, stürzten sich die Ureinwohner im kollektiven Selbstmord von den Klippen.
Aber keine Panik. Daneben führt Richard T. Walker in reine, unberührte Natur. Der 33-jährige Brite huldigt jedem Strauch, jedem Stein und Felsen und zeigt nichts als erhabene Schönheit.
Bis 14. August, Ständehausstraße 1. Infos Tel. 0211 8381204
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